Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Automobilhersteller legen noch nicht alle Daten offen

10.11.2004


Studie des ika der RWTH Aachen zeigt Mängel beim Zugang zu technischen Informationen für Reparaturen


Auch zwei Jahre nach in Kraft treten der so genannten "Gruppenfreistellungsverordnung für den Kraftfahrzeugsektor" der EU scheint es noch Nachholbedarf bei den Automobilherstellern zu geben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Kraftfahrwesen Aachen (ika) der RWTH im Auftrag der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission. Bei der Verordnung aus dem Oktober 2002 geht es um den Zugang, den Automobilhersteller unabhängigen Werkstätten und anderen Gewerbetreibenden für die Reparatur von Kraftfahrzeugen zur Verfügung stellen müssen. Die Hersteller müssen laut des Papiers ihre Informationen "unverzüglich in nicht diskriminierender und verhältnismäßiger Form" offen legen. Hiermit will man einen größeren Wettbewerb bei der Wartung und Reparatur von Autos erreichen. Denn immerhin entfallen durchschnittlich mehr als 40 Prozent der Gesamtkosten eines Fahrzeugs auf diesen Bereich und selbst einfachste Arbeiten werden angesichts immer mehr Technik im Auto ständig komplexer.

Die Studie untersucht, inwieweit die Automobilhersteller den Anforderungen der Verordnung im Hinblick auf den Zugang von Werkstätten, Teileherstellern oder Herausgebern einschlägiger Fachveröffentlichungen zu technischen Informationen nachgekommen sind. Sie stellt fest, dass die Automobilhersteller diese Informationen für fast alle in den letzten zehn Jahren hergestellten Modelle über das Internet, über CD/DVD und/oder in gedruckter Form zur Verfügung stellen. Es gibt jedoch Qualitätsmängel. So ist die gewünschte Information häufig schwer auffindbar oder wird nur innerhalb eines umfangreichen, teuren "Informationspakets" angeboten. Oft ist auch der Inhalt unzureichend: Bestimmte Unternehmen veröffentlichen zahlreiche, besonders für Hersteller von Diagnosegeräten, notwendige Angaben überhaupt nicht. Derartige Geräte sind aber für die Branche schon deshalb besonders wichtig, weil sie die einzige wirtschaftliche Alternative zu den teuren Diagnosegeräten der Automobilhersteller sind. Auch die Herausgeber der von unabhängigen Werkstätten besonders geschätzten Sammlungen technischer Informationen beklagen Schwierigkeiten beim freien Informationszugang.


In der Studie wurden neun Pkw-Hersteller und sechs Lastwagenhersteller unter die Lupe genommen. Verglichen wurde die Situation in Deutschland, Italien, Frankreich, Irland, Dänemark, Polen und Großbritannien. Wettbewerbskommissar Mario Monti: "Zwar stellt die Automobilindustrie unabhängigen Gewerbetreibenden technische Informationen zur Verfügung. Wir sind jedoch noch weit vom gewünschten Ziel entfernt. Wenn sich bei der Wartung und Reparatur von Kraftfahrzeugen ein echter Wettbewerb entwickeln soll, müssen die Automobilhersteller im Hinblick auf Transparenz und Zugänglichkeit von den technischen Informationen ihrer Fahrzeuge noch erhebliche Anstrengungen unternehmen."

Weitere Informationen:

Dipl.-Ing. Andreas van de Sand
Institut für Kraftfahrwesen der RWTH Aachen
Tel.: 0241/8025620
Email: van.de.sand@ika.rwth-aachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://europa.eu.int/comm/competition/car_sector
http://www.rwth.de

Weitere Berichte zu: Automobilhersteller Kraftfahrwesen RWTH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften