Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

57 Prozent der Mieter streben Wohneigentum an

01.11.2004


Emnid-Umfrage zeigt: Große Bedeutung für die private Altersvorsorge - Wunsch nach Unabhängigkeit von steigenden Mieten. Umsetzung scheitert vielfach an fehlendem Eigenkapital.


Seit kurzem lebt mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland in den eigenen vier Wänden: 2003 waren es nach der Statistik 52 Prozent. Doch auch die Mieterquote von 48 Prozent sagt nichts darüber aus, ob es sich um überzeugte Mieter handelt oder nur um solche auf Zeit. Tatsächlich würden 57 Prozent (West: 59 Prozent; Ost: 48 Prozent) der Mieter lieber in den eigenen vier Wänden statt zur Miete wohnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Landesbausparkassen (LBS), die sich mit der Einstellung der deutschen Bevölkerung zum Wohneigentum befasst.

Insgesamt ist es demnach nur eine Minderheit von 21 Prozent der deutschen Bevölkerung, die bei Abwägung aller Vor- und Nachteile Mieter bleiben will. Dabei handelt es sich überwiegend um ältere Menschen, die sich in ihrer Wohnsituation "eingerichtet" haben. Dagegen ist der Wohneigentumswunsch bei jüngeren Menschen ganz besonders deutlich ausgeprägt. Bis zum 30. Lebensjahr liegt er bei 80 Prozent oder noch höher. Bei der großen Gruppe der 30- bis 44-Jährigen liegt die Quote der Mieter mit bewusster Neigung zu eigenen vier Wänden immerhin noch bei 68 Prozent. Selbst bei den 45- bis 59-Jährigen wünscht sich weit mehr als die Hälfte der Noch-Mieter Wohneigentum.


Nach den Gründen für den Wunsch nach eigenen vier Wänden gefragt, gaben 90 Prozent der Wohneigentum anstrebenden Mieter die Altersvorsorge an. Dies ist einmal mehr ein Indiz dafür, dass die Politik häufig die enorme Bedeutung verkennt, die dem Wohneigentum als der wichtigsten Form der privaten Altersvorsorge zukommt. Die Experten von LBS Research weisen in diesem Zusammenhang u.a. auf die ersparte Miete in der schuldenfreien Immobilie im Alter hin, die nach der Statistik bei monatlich 519 Euro liegt (West: 530 Euro; Ost: 403 Euro). Wie wichtig den Menschen Sicherheit und Unabhängigkeit sind, zeigt auch das Ergebnis zur Aussage: "Mit Wohneigentum ist man sein eigener Herr und nicht abhängig vom Vermieter". Dem stimmten in der Gruppe der Mieter mit Wohneigentumswunsch 98 Prozent zu.

94 Prozent der Mieter, die Wohneigentümer werden wollen, möchten dies tun, um nicht weiter in die Tasche des Vermieters, sondern in die eigene zu zahlen. Bemerkenswert ist für LBS Research hierbei, dass dieses Bedürfnis in allen Altersklassen gleichermaßen intensiv ist. Es ist erstaunlicherweise auch für die 18- bis 24-Jährigen (92 Prozent) sowie die 25- bis 30-Jährigen (95 Prozent) in hohem Maße relevant, die häufig nach dem Auszug aus dem Elternhaus umständehalber erstmals zur Miete wohnen. Mit getragen wird diese Haltung auch von der Einschätzung, dass Wohneigentum langfristig finanziell günstiger ist als zur Miete zu wohnen. Dieser Meinung sind 89 Prozent derjenigen, die als Mieter eigene vier Wände anstreben.

88 Prozent der Bevölkerung mit dem Wunsch nach Wohneigentum sind der Ansicht, dass neben mehr Sicherheit und Unabhängigkeit die eigene Immobilie eine höhere Lebensqualität bietet. Wie die Experten von LBS Research mitteilen, gibt die Statistik dieser Meinung Recht - die zur Verfügung stehende Wohnfläche unterscheidet sich zwischen Selbstnutzern und Mietern erheblich. Während in Deutschland die Selbstnutzer auf durchschnittlich 46,3 Quadratmetern je Person wohnen, verfügen Mieter über durchschnittlich 36,9 Quadratmeter pro Person. Entsprechend groß ist auch der Unterschied bei der Fläche je Haushalt. Hier verfügt der Eigentümerhaushalt durchschnittlich über 115,7 Quadratmeter, der Mieterhaushalt jedoch nur über 70,1 Quadratmeter.

Bleibende Werte schaffen, die später auch vererbt werden können, ist für 92 Prozent der Mieter mit begründeter Neigung zu eigenen vier Wänden relevant. Die Experten von LBS Research heben besonders hervor, dass bereits die 18- bis 29-Jährigen dieser Meinung sind. Ihre Bestrebungen, diesen Wunsch auch zu realisieren, können sie damit frühzeitig in Angriff nehmen. Rund 82 Prozent in dieser Gruppe möchten denn auch die Wohneigentumsförderung nutzen.

Dass trotz der vielen Vorteile zahlreiche Mieter ihren Wunsch nach den eigenen vier Wänden bislang nicht realisieren konnten, begründen 84 Prozent damit, dass sie nicht über ausreichend Eigenkapital verfügen. Mögliche Angst vor zu hoher Verschuldung geben 68 Prozent an. Nach Auffassung der Experten von LBS Research ist das eine Folge des konjunkturellen Klimas in Deutschland, das viele Bundesbürger verunsichert und dazu führt, dass sie bei größeren Investitionen zurückhaltender sind. Für die gemeinhin größte Investition im Leben eines Menschen, die eigenen vier Wände, sind deshalb positive politische Signale wichtiger denn je.

Ivonn Kappel | LBS
Weitere Informationen:
http://www.lbs.de

Weitere Berichte zu: Altersvorsorge Eigenkapital Wohneigentum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften