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Pocken: Seuche der Vergangenheit oder Waffe der Zukunft?

27.10.2004


Könnte dieser einstmals ausgerottet geglaubte Killer als Massenvernichtungswaffe zurückkehren?

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- Artikel im International Journal of Infectious Diseases (Internationale Zeitschrift für Infektionskrankheiten) behandeln in der Ausgabe von diesem Monat die Möglichkeiten einer Rückkehr der Pocken - einem der tödlichsten, bekannten Viren - und ob wir für die Abwehr einer Bioterroristen-Attacke ausgerüstet seien.

Es ist nun beinahe 25 Jahre her, seit die WHO die weltweite Ausrottung der Pocken erklärte. Die erste und einzige Seuchenkrankheit, für die dies zutrifft und ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der allgemeinen Gesundheit. Noch in den 50er-Jahren wurden jährlich 50 Millionen neue Fälle von dieser höchst ansteckenden Seuche diagnostiziert. Nach Inkraftsetzung des Ausrottungsprogrammes der WHO wurde der letzte natürlich vorgekommene Fall in 1977 gemeldet.


Pocken ist heute eine grössere Bedrohung als je zuvor, gemäss einer US Intelligence Review (Untersuchungsbericht des US-Geheimdienstes) aus dem Jahr 2002, welche die möglichen Interessen von Al Qaeda an dem Virus untersuchte. Diese Bedenken werden noch weiter unterstützt durch russische Überläufer, die von einer illegalen Produktion von virulenten Stämmen des Virus berichten, obwohl alle diese Stämme angeblich zerstört worden sind.

Historisch werden Pocken mit einer Sterblichkeitsrate von 20-50 % in Verbindung gebracht. Aber durch die vermutete Kultivierung von noch virulenteren Stämmen könnte diese Rate erheblich ansteigen. Zusätzlich dazu ist die globale Immunität gegen Pocken auf fast nicht existent zurückgegangen, nachdem die Massenimpfungen in den 70er-Jahren eingestellt worden sind. Aufgrund der zugenommenen Mobilität der Weltbevölkerung und den bedrängten Verhältnissen in modernen Grossstädten könnte sich die Seuche aber rapide verbreiten und unvorstellbare Verheerungen verursachen.

Pocken wurde noch nie als gross angelegte Biowaffe eingesetzt, was Voraussagen über die Ausmasse der Gefahr extrem erschwert - der einzige Weg, um dieser Bedrohung entgegen zu treten, ist, dafür vorbereitet zu sein. Seit dem Jahr 2000 hat die Welt die Ausbrüche von drei ansteckenden Seuchen erlebt (Anthrax, Influenza, SARS), welche die Sicherheit der allgemeinen Gesundheit bedrohten. Als Antwort auf diese Episoden hat die WHO ihre Richtlinien aktualisiert und Regierungen rund um die Welt haben die Bereitschaft gegen Bioterror-Attacken an die oberste Stelle ihrer politischen Programme gerückt.

Bereitschaft gegen Pocken heisst Taktiken und Pläne bereit zu haben, um gegen Bioterrorismus anzutreten. Pocken ist eine der wenigen potenziellen Bioterror-Waffen, gegen die ein Schutzstoff erhältlich ist, d. h. dass Länder in der Lage waren, Pocken-Impfstoffe als Gegenmassnahme aufzustapeln.

Durch weltweite Investitionen in Überwachung und Bereitschaft, wie z. B. Global Outbreak Alert (Globaler Ausbruch-Alarm) und Response Network (Handlungs-Netzwerk), beginnen die Regierungen für einen potenziellen Bioterror-Ausbruch zu planen. Trotzdem ist die Bedrohung durch Bioterrorismus sehr unberechenbar und in der Lage, die allgemeine Gesundheit zu gefährden, und mit jeder Drohung von Bioterroristen wächst der Bedarf von Regierungen, mehr in ihre Gesundheitswesen zu investieren. Dies ist der einzige Weg, um einen verheerenden Ausbruch von Pocken zu verhindern.

The International Journal of Infectious Diseases

ist eine offizielle Publikation der International Society for Infectious Diseases (Internationale Gemeinschaft für Infektionskrankheiten). Das IJID publiziert genau überprüfte Originalartikel und einschneidende Rezensionen über alle Aspekte von Infektionen auf weltweiter Ebene. Das Magazin konzentriert sich auf neuartige klinische und epidemiologische Entdeckungen, welche für breite, internationale Gesundheitswesen-Gemeinschaften von Wichtigkeit sind.

Marike Westra | Elsevier
Weitere Informationen:
http://www.isid.org

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