Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Rentenreformen wirken - die Deutschen gehen später in Rente

22.10.2004


Frühverrentung rückläufig, Regelaltersrente auf dem Vormarsch - HBS und IAT stellen "Altersübergangs-Report" vor



Zwar arbeiten die meisten Deutschen noch nicht bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren, doch haben sich die Renteneintritte in den letzten Jahren auf spätere Lebensjahre verschoben. Die im Zuge der Rentenreformen erfolgte Heraufsetzung der Altersgrenzen und die Einführung von Abschlägen bei früherem Renteneintritt beginnen somit zu wirken. Fraglich ist jedoch, ob die Betriebe mitziehen und Möglichkeiten für eine längere Erwerbstätigkeit von Älteren bieten. Das Übergangsgeschehen zwischen Erwerbsaustritt und Renteneintritt zeigt der "Altersübergangs-Monitor" des Instituts Arbeit und Technik /Wissenschaftszentrum NRW (IAT/Gelsenkirchen), der im Rahmen eines von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Pilotprojektes entwickelt wurde und als eine kontinuierliche Sozialberichterstattung zum Altersübergang fortgeführt werden soll. Die Ergebnisse des Projektes werden in einer Reihe von "Altersübergangs-Reports" veröffentlicht, deren erster jetzt erschienen ist



Wie die IAT-Wissenschaftler Dr. Matthias Knuth und Renate Büttner aufgrund einer Auswertung der Rentenzugangsstatistiken der Rentenversicherungsträger feststellen, ist ab 2002/2003 eine echte Trendwende zurück zur Rente mit 65 erkennbar. Einerseits werden - in Reaktion auf die allmählich greifenden Abschlagsregelungen - die vor 65 beziehbaren Renten nicht mehr zum frühest möglichen Zeitpunkt, sondern etwas später in Anspruch genommen. So sind z. B. bereits seit 1997 Renteneintritte mit 60 Jahren rückläufig. Auch bei der ab dem 63. Lebensjahr nutzbaren Altersrente für langjährig Versicherte erfolgen Renteneintritte zunehmend später, also mit 64. Andererseits nimmt die Inanspruchnahme vorzeitig beziehbarer Rentenarten überhaupt ab: Bemerkenswerte Rückgänge gab es hier insbesondere bei der Altersrente für Frauen (um 29 Prozent zwischen 1999 und 2003) und bei der Altersrente wegen Arbeitslosigkeit (um rund 39 Prozent zwischen 2000 bis 2003). Zu einem "Ausweicheffekt" von Alters- auf Erwerbsminderungsrenten ist es nicht gekommen, im Gegenteil: Die Zugänge von Älteren ab 50 in Erwerbsminderungsrenten sind in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen.

Im Ergebnis ist das durchschnittliche Rentenzugangsalter der 50-69-Jährigen von 1996 bis 2003 um 12 Monate angestiegen. Die Verschiebung der Rentenzugänge um durchschnittlich ein Jahr wirkt sich auf der Ausgabenseite so aus, als ob den Rentenkassen ein ganzer Geburtsjahrgang "erspart" geblieben wäre. Die Auswirkungen auf der Einnahmeseite hängen allerdings davon ab, ob die Rente nach einer Zeit der Beschäftigung, nach Arbeitslosigkeit oder Nichterwerbstätigkeit angetreten wird. Immerhin könnte durch die noch junge Trendwende bei den Renteneintritten die Belastung der Gesetzlichen Rentenversicherung durch die stark besetzten "Babyboomer"-Jahrgänge der 50er und 60er Jahre entschärft werden.

Eine Trendwende wäre allerdings auch in den Betrieben nötig, denn die betriebliche Personalpolitik scheint nach den Zeiten der Frühverrentungspolitik noch kaum auf die Beschäftigung Älterer eingestellt zu sein. Wenn aber die Chancen für die Erwerbstätigkeit Älterer nicht verbessert werden, könnte die Trendwende bei den Rentenzugängen von kurzer Dauer sein, so Dr. Matthias Knuth. Denn mit den weiteren Arbeitsmarktreformen wird das Warten auf eine abschlagsfreie Rente im Status der Arbeitslosigkeit unattraktiver. "Insbesondere für mittlere und höhere Einkommensgruppen wird eine mit Abschlägen bis zu 18 Prozent belegte, aber wenigstens am früheren Entgelt orientierte Rente in vielen Fällen günstiger sein als das am Existenzminimum orientierte Arbeitslosengeld II - erst recht, wenn dieses wegen der Anrechnung von Vermögen oder Partnereinkommen überhaupt nicht gezahlt wird." Die positive Entwicklung beim Rentenzugangsalter könnte sich so durch "Hartz IV" noch einmal umkehren, bevor mit Ablauf des Jahres 2011 die derzeit noch ab 60 beziehbaren Frührenten ganz auslaufen.

Im Spannungsfeld von bereits beschlossenen Rentenreformen, Abbau der Lohnersatzleistungen für Langzeitarbeitlose und betrieblicher Rationalisierungspolitik sind die Orientierungsprobleme der Betroffenen schon groß genug. Forderungen nach einer weiteren Heraufsetzung der Regelaltersgrenze auf 67 oder gar 70 Jahre sind vom aktuellen Geschehen und der betrieblichen Beschäftigungspraxis so weit entfernt, dass sie letztlich nur auf eine Verschärfung der Abschlagsregelungen und damit auf eine nahezu allgemeine Rentenkürzung hinauslaufen würden. "Der Ausweg aus dem Dilemma des Altersübergangs kann nur darin bestehen, die Chancen für die Erwerbstätigkeit Älterer zu verbessern".

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:
PD Dr. Matthias Knuth, Durchwahl: 0209/1707-186, Renate Büttner, Durchwahl: 0209/1707-254

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de/auem-report/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie