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Rückgang des Beschäftigungsanteils von Frauen in den neuen IT-Berufen

21.10.2004


Trotz vieler Projekte und Initiativen, Mädchen und junge Frauen für die neuen ITBerufe zu begeistern, sind die Zahlen der in diesem Bereich beschäftigen Frauen rückläufig. Lag der Frauenanteil in den Start- und Boomjahren bei 14 Prozent, ist er mit dem Einbruch des IT-Sektors auf 12,8 Prozent in 2002 und auf 10,9 Prozent in 2003 zurückgegangen. Dies, obwohl das Berufssegment sehr gute Karrierechancen bietet und somit dem Interesse von Frauen entspricht. Der Rückgang des Beschäftigungsanteils von Frauen in den neuen IT-Berufen hat mehrere Gründe.


Die neuen IT-Berufe und die damit verbundenen Arbeitsinhalte sind den am Berufsorientierungsprozess beteiligten Gruppen, wie Eltern, Lehrkräften und nicht zuletzt den Mädchen und jungen Frauen immer noch zuwenig bekannt. Dies zeigt einen enormen Bedarf an Beratung und Information über die zukunftsweisenden Berufe in der IT-Branche. Angesprochen sind hier neben Schule und Elternhaus vor allem die Agentur für Arbeit, die mit der Berufsberatung ein anerkanntes Informationsangebot zur Verfügung stellt. In den Blick zu nehmen ist dabei besonders, dass es einen unterschiedlichen Beratungsbedarf für Frauen und Männer in technischen Ausbildungsberufen gibt. Dies legt eine wissenschaftliche Untersuchung des Vereins Frauen geben Technik neue Impulse nahe, wonach lediglich 39,5 Prozent der befragten Frauen die von der Berufsberatung erhaltenen Auskünfte zu den IT-Berufen als hilfreich bezeichnen. Im Gegensatz hierzu empfinden 47,1 Prozent der Männer die Beratung als unterstützend. Für das Informations- und Beratungsangebot der Agentur für Arbeit ergibt sich hieraus die Chance, das Beratungsangebot um einen gendersensitiven Ansatz zu erweitern. Nicht nur wegen des Informationsdefizits ziehen junge Frauen die neuen IT-Berufe relativ selten in ihre Berufswahl mit ein. Auch die Medien spielen bei der Berufsfindung eine wichtige Rolle. Haben sie während der Wachstumszeiten die IT-Branche als zukunftsweisend und innovativ beschrieben, thematisieren die Medien in der Krise bevorzugt die mit der wirtschaftlichen Rezession verbundene Arbeitsmarktlage. Die nach wie vor bestehenden Chancen für gut ausgebildete IT-Fachkräfte, die vor allem in der vielseitigen Einsetzbarkeit dieser Berufe bestehen, erwähnen sie kaum. Frauen, die sich eher dann für technische Berufe entscheiden, wenn die beruflichen Perspektiven positiv erscheinen, sind verunsichert und entscheiden sich gegen einen Job im IT-Sektor.

Dies gilt nicht nur für die duale Ausbildung, sondern ebenso für den Hochschulbereich. Auch hier nahm der Anteil der Frauen, die Informatik studieren, im Verlauf der Boomjahre zu und erreichte im Jahr 2000 mit 19,4 Prozent seinen Höhepunkt. Ab diesem Zeitpunkt sind sinkende Anteile zu verzeichnen, bei einem derzeitigen Tiefstand von 16,9 Prozent für das Jahr 2003. Auffällig ist hierbei der zum zweiten Mal in Folge zu beobachtende deutliche Rückgang der Studienanfängerinnen in der Informatik, während bei den Männern noch ein leichter Anstieg von 2,2 % vorliegt.


Aber, Frauen sind an den neuen Medien und IT-Berufen interessiert. Laut Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest haben Frauen ein größeres Interesse an der Stärkung der praktischen Medienkompetenz als Männer. Dass die den Frauen oft zugeschriebene Technikdistanz überholt ist, belegen auch Untersuchungen zum Umgang mit den neuen Medien. Sie zeigen, dass es bei der Nutzung von Software, Internet und E-Mail nur marginale Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Erst bei Hardwarekenntnissen zeigen sich größere Differenzen zugunsten der Männer. Dass sich Frauen trotz hoher Technikanforderungen sehr viel häufiger für den Beruf der „Mediengestalterin“ als dem der „IT-System- Elektronikerin“ entscheiden, hat auch mit der Berufsbezeichnung zu tun: Sie vermuten ein Übergewicht technischer zu Lasten sozial-kommunikativer Arbeitsinhalte. Nach einer Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung ist bei der Berufswahl besonders wichtig, was mit der jeweiligen Berufsbezeichnung assoziiert wird, wie vertraut ihr Klang ist, und welche gesellschaftliche Anerkennung ihr beigemessen wird.

Haben sich Frauen für einen Beruf im IT-Sektor entschieden, können sie diesen oft trotzdem nicht ausüben. Denn die ausbildenden Unternehmen greifen in wirtschaftlich schlechten Jahren deutlich weniger auf das Potenzial der Frauen zurück. Laut Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik der Universität Flensburg werden männliche Bewerber bevorzugt. Entscheiden die Unternehmen sich sowieso schon eher für männliche Bewerber, wird dieses in wirtschaftlich schwierigen Zeiten noch verstärkt. Wohl auch deswegen, weil Männer aufgrund ihrer Vorbildung an Fachschulen häufig über IT-Kenntnisse verfügen. Frauen aber sind an Fachoberschulen, Berufsoberschulen und Berufsfachschulen technischer Ausrichtungen selten mit mehr als zehn Prozent vertreten. Sie sind durch diese Einstellpraxis klar benachteiligt.

Dem Negativtrend entgegenwirken

Um dem Negativtrend vor dem Hintergrund eines drohenden Fachkräftemangels entgegenzuwirken, müssen mehrere Anstrengungen unternommen werden.

- Die Sicherung des Fachkräftebedarfs in technischen Zukunftsberufen erfordert den Einbezug aller zur Verfügung stehenden Potenziale. Da dies nicht allein über die männlichen Bewerber gewährleistet werden kann, sollten ausbildende Unternehmen und Betriebe gezielt die schulisch gut qualifizierten Frauen ansprechen und zu Bewerbungen motivieren.

- Die IT-Berufe sind durch ein weites Aufgabenspektrum gekennzeichnet. Sowohl technische Qualifikationen als auch kaufmännisch, kundenorientierte Fähigkeiten werden benötigt. Gerade in den von den Männern dominierten technisch ausgerichteten IT-Berufen nutzen die den Frauen zugeschriebenen Schlüsselqualifikationen, wie z.B. Kunden- und Vertriebsorientierung, den Unternehmen ebensoviel wie die Hardwareorientierung der Männer. Frauen sollten deshalb stärker in diese Berufe eingebunden werden.

- Kaum ein Beruf wird zukünftig ohne den Einsatz von Informationstechnologie auskommen. Durch die Vielseitigkeit der Tätigkeitsfelder und Einsatzgebiete der ITBerufe bestehen in diesem Bereich gute Karrierechancen. Gerade die Medien haben hier die Möglichkeiten verstärkt auf die beruflichen Chancen im IT-Sektor und dessen Umfeld aufmerksam zu machen und dadurch insbesondere Frauen zu Bewerbungen zu motivieren.

- Die heutige Frauengeneration zeigt starkes Interesse an beruflichem Fortkommen und Karriere. Um noch mehr Frauen für IT-Berufe zu interessieren, muss bereits während der Berufsorientierungsphase über die vielfältigen Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der IT-Branche informiert werden.

- Frauen sind in schulischen Ausbildungsberufen häufig überproportional vertreten. Dies gilt vor allem für Berufe im sozialen und gesundheitlichen Bereich, technische Fachrichtungen werden von ihnen kaum gewählt. Fachoberschulen, Berufsoberschulen und Berufsfachschulen mit technischen Ausrichtungen sollten Frauen zielgruppenorientiert und praxisbezogen ansprechen und ihre Chancen in diesen Fachbereichen aufzeigen.

- Die Berufsbezeichnung ist bei der Berufswahl entscheidend, deshalb ist bei der Namensgebung technischer Berufe zu beachten, dass die Berufbezeichnungen für beide Geschlechter annähernd die gleiche Attraktivität aufweisen.

- Über das Berufsorientierungsverhalten von jungen Frauen und Männern ist bisher wenig bekannt. Die Fortführung wissenschaftlicher Untersuchungen ist wichtig, um die gewonnenen Erkenntnisse gezielt zur Nachwuchssicherung in den IT-Berufen einsetzen zu können.

Hintergrund

Seit 1997 gibt es die vier IT-Berufe Fachinformatiker/in, Informatikkaufleute, IT-System- Elektroniker/in und IT-System-Kaufleute. Seitdem sind vier weitere Berufe hinzugekommen: Der 1999 neu geordnete Beruf Informationselektroniker/in und die Berufe Systeminformatiker/ in, Systemelektroniker/in und Elektroniker/in in Informations- und Telekommunikationstechnik, die seit 2003 ausgebildet werden. Ausbildungsbereiche der genannten Berufe sind dabei hauptsächlich Industrie und Handel sowie – zahlenmäßig jedoch bedeutend geringer – das Handwerk und der öffentliche Dienst. Die Daten zeigen, dass arbeitsmarktpolitische Erfolge und das Ziel der Gleichstellung nicht automatisch Hand in Hand gehen. Rückblickend stieg die Anzahl der Ausbildungsplätze von 4.724 in 1997 auf 53.577 in 2002 und sank 2003 auf 50.353 ab. Derartige Steigerungstendenzen zeigen sich nicht bei den Frauenanteilen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Auch wenn auffällt, dass in den wirtschaftlichen Boomjahren die höchsten Frauenanteile zu verzeichnen sind. Zwischen 1997 und 1999 stiegen die Werte zunächst auf über 14 Prozent an, 2000 und 2001 stagnierten sie bei knapp 14 Prozent, um dann 2002 auf 12,8 Prozent und 2003 auf 10,9 Prozent abzusinken. Dabei ist der Anteil von Frauen in den kaufmännisch ausgerichteten IT-Ausbildungen deutlich höher als in den technisch orientierten IT-Berufen, erreicht aber auch hier noch nicht die im Aktionsprogramm der Bundesregierung gesetzte Zielmarke von 40 Prozent. So sind von 1997 bis 2003 zwischen 19 und 31 Prozent der IT-System-Kaufleute und Informatikkaufleute Frauen. Bei den IT-System-Elektronikern/innen und Fachinformatikern/innen sind sie nur mit vier bis zwölf Prozent vertreten. Diese Berufe mit jährlich bis zu 20.158 Ausbildungsplätzen gehören zahlenmäßig zu den ausbildungsstärksten Berufen, die zum größten Teil Industrie und Handel zuzuordnen sind.

Bei den Berufen Informationselektroniker/in, Systemelektroniker/in, Systeminformatiker/in und Elektroniker/in Informations- und Telekommunikationstechnik ist der Frauenanteil deutlich niedriger. Von 1999 und 2003 waren zwischen ein und vier Prozent der in diesen Berufen Beschäftigten Frauen. Drei der vier Ausbildungsberufe sind im Handwerk angesiedelt, mit jährlich zwischen 436 und 1.658 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen stehen mit diesen Berufen deutlich weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Weitere Informationen bietet die Auswertung der Begleitforschung „Frauen und Männer in ITAusbildung und -Beruf (2. Erhebungsphase).

Christina Haaf M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.idee-it.de

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