Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kliniken machen niedergelassenen Ärzten Konkurrenz

07.10.2004


Neun von zehn Kliniken planen Investitionen in die ambulante Behandlung. Sie nutzen damit die seit diesem Jahr ausgeweiteten Möglichkeiten im ambulanten Sektor, um das eigene wirtschaftliche Überleben zu sichern. Zu diesem Ergebnis kommt der „Branchenkompass 2004 Gesundheitswesen“, eine Studie von Mummert Consulting und dem F.A.Z.-Institut. Die Krankenhäuser konkurrieren durch die neuen Angebote mit niedergelassenen Ärzten. Besonders medizinische Versorgungszentren, die eine neue Form fachübergreifender Zusammenarbeit ermöglichen, könnten den einzelnen Arztpraxen die Patienten streitig machen.


Ursache für den Trend zu ambulanten Angeboten ist das „Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung“. Kliniken haben nun wesentlich mehr Möglichkeiten, ambulante medizinische Leistungen zu erbringen – bisher konnten sie dies nur bei seltenen Erkrankungen oder in medizinisch unterversorgten Regionen. Auch das Modell der medizinischen Versorgungszentren ist durch die Gesetzesnovelle im Januar 2004 eingeführt geworden. Diese fachübergreifenden Einrichtungen sollen die Behandlungs- und Verwaltungskosten senken und gleichzeitig den Patienten eine umfassende, qualitativ hochwertige Versorgung aus einer Hand bieten. Wenn sich das Modell der ambulanten Zentren durchsetzt, kann dies jedoch auch einen Nachteil für die Kunden bedeuten: Die medizinische Versorgung wäre zunehmend zentralisiert, der Weg zum Arzt für viele Patienten möglicherweise weiter als bisher. Neben Kliniken können auch andere Träger ein medizinisches Versorgungszentrum gründen, in erster Linie Ärzte, aber auch Physiotherapeuten oder Apotheken. Krankenhäuser haben aufgrund der vorhandenen Technik und des Know-hows allerdings gute Voraussetzungen, hier die Federführung zu ergreifen.

Um die fachübergreifende Zusammenarbeit attraktiv zu gestalten, vergüten die Krankenkassen Kooperationen mehrerer freiberuflicher Ärzte teilweise um 20 Prozent höher als die Arbeit in Einzelpraxen. Ärzte können an den Zentren freiberuflich oder als Angestellte tätig sein. Auch eine Arbeit in Teilzeit soll gefördert werden – eine Option, die besonders für Ärzte mit Familie den Beruf attraktiver machen soll. Auch Ärzte, die eine Selbstständigkeit scheuen, dürfte die wirtschaftlich abgesicherte Tätigkeit als angestellter Arzt in einem medizinischen Versorgungszentrum reizen. Für die bereits niedergelassenen Ärzte hingegen bedeuten die ambulanten Versorgungszentren zwar ebenfalls eine Chance, aber auch zusätzlichen Wettbewerb. Kliniken bemühen sich derzeit an vielen Stellen, Zulassungen der Kassenärztlichen Vereinigung zu erwerben, um ein medizinisches Versorgungszentrum zu gründen.


Trotz der neuen Konkurrenzsituation im ambulanten Bereich sind die Krankenhäuser auch stark an engeren Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten interessiert: 94 Prozent der Kliniken wünschen hier eine Zusammenarbeit. 82 Prozent der für den „Branchenkompass 2004 Gesundheitswesen“ befragten Manager gaben darüber hinaus an, mit gesetzlichen Krankenkassen zusammenarbeiten zu wollen. Rund drei Viertel wünschen sich Rehakliniken als Partner.

Diese Presseinformation basiert auf der Studie „Branchenkompass 2004 Gesundheitswesen“ von Mummert Consulting und dem F.A.Z.-Institut. Für die Studie wurden im Mai 2004 hundert Topmanager aus 35 deutschen und 15 österreichischen Krankenhäusern sowie aus 50 deutschen Krankenkassen und -versicherungen über ihre Investitionsziele und ihre Marktpolitik bis 2006 befragt.

Joerg Forthmann | Mummert Consulting
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

Weitere Berichte zu: Gesundheitswesen Versorgungszentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise