Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

E-Government: digitale Signatur beim Bürger kaum akzeptiert

30.09.2004


Von der papierlosen Verwaltung sind Deutschlands Kommunen noch ein gutes Stück entfernt. Haupthemmnis ist die fehlende Verbreitung der elektronischen Unterschrift. Nur acht Prozent der Kommunen in Deutschland setzen diese bisher ein. Das ergab die Studie „Elektronische Signaturen im E-Government“ von Mummert Consulting. Ein weiteres Problem: Dort, wo Ämter die elektronische Unterschrift anbieten, findet sie kaum Anklang beim Bürger oder bei den Unternehmen. Bei 21.000 Steuererklärungen, die in Berlin im ersten Quartal 2004 bei den Finanzbehörden auf elektronischem Wege eingegangen waren, griffen nur vier Nutzer auf die Möglichkeit zurück, mittels der elektronischen Signatur auf den sonst notwendigen Ausdruck des Formulars zu verzichten.

... mehr zu:
»Chipkarte »E-Government »JobCard »Signatur

Die digitale Signatur ermöglicht seit längerem die sichere Prüfung der Identität einer Person. Trotzdem bieten Behörden nur sehr selten die Möglichkeit, Anträge oder sonstige Dokumente elektronisch zu unterschreiben. Hauptursache für die Zurückhaltung ist die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung. Dies liegt wiederum an der momentan zu teuren und zu umständlichen Technik. Ein Deutscher hat durchschnittlich zweimal im Jahr mit einer Behörde zu tun. Chipkarte und Lesegerät kosten ihn rund 30 Euro im Jahr. Der Nutzer bezahlt also etwa 15 Euro für einen elektronischen Behördengang. Hierfür lohnt sich der zusätzliche Aufwand meist nicht.

Eine Anschaffung ist für die Bürger nur attraktiv, wenn sie die elektronische Signatur nicht nur für Verwaltungsangelegenheiten nutzen können, sondern beispielsweise auch für Bankgeschäfte oder beim Online-Einkauf. Neun von zehn Entscheidern in den Behörden plädieren deshalb für eine einheitliche Technik. 57 Prozent fordern eine größere Zahl massentauglicher Anwendungen. Ein Signaturbündnis zwischen der Bundesregierung, Banken, Dienstleistern sowie Technikanbietern will bis Ende 2005 die Voraussetzungen dafür schaffen, den elektronischen Verwaltungs- und Geschäftsverkehr flächendeckend mit elektronischen Signaturen abzuwickeln. Drei große Ausweisprojekte der Bundesregierung sollen der digitalen Signatur zum Durchbruch verhelfen: die Gesundheitskarte, die JobCard sowie der digitale Personalausweis. Die Gesundheitskarte, die unter anderem schriftliche Arztrezepte überflüssig macht, wird bis 2006 schrittweise eingeführt. Starttermin für die JobCard für die mehr als 30 Millionen Arbeitnehmer ist 2007. Darüber hinaus haben viele Banken bereits damit begonnen, ec-Karten mit Signaturfunktion an ihre Kunden auszugeben.


75 Prozent der Verantwortlichen in den Kommunen halten es zudem für sinnvoll, die Chipkarten gratis an alle Bürger zu verteilen. Die Kosten für die Nutzer werden somit gesenkt, was einen zusätzlichen Anreiz bedeutet. Darüber hinaus müssen vorhandene Sicherheitslöcher gestopft werden. Vor allem die Gefahr, dass Hacker Kennwörter oder sonstige Informationen ausspionieren, schätzen Experten von Mummert Consulting als hoch ein.

Auch an den Schreibtischen der Sachbearbeiter in den Ämtern wird sich der Einsatz der elektronischen Signatur bemerkbar machen. Verwaltungsvorgänge können effizienter erledigt werden. Vor allem fällt das zeit- und kostenintensive Übertragen der Daten von herkömmlichen Formularen in den PC weg. Die komplette Vorgangsbearbeitung wird auf den Computer verlagert, denn der Bürger kann auch Bescheide der Behörde mittels der elektronischen Signatur online einsehen. Mit den Anforderungen an eine moderne öffentliche Verwaltung durch den Einsatz neuer Informationstechnologien befassen sich am 16. November 2004 auch Experten in Petersberg auf dem Kongress „Vorgangsbearbeitung der Zukunft“, veranstaltet von Mummert Consulting sowie weiteren Partnern.

Für die Studie „Elektronische Signaturen im E-Government“ befragte Mummert Consulting die 100 größten Städte und Landkreise in Deutschland nach ihrer Einschätzung zum E-Government, wie es sich heute darstellt bzw. wie es sich in drei Jahren darstellen wird.

Joerg Forthmann | Mummert Consulting
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

Weitere Berichte zu: Chipkarte E-Government JobCard Signatur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten