Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auswirkung vom "Raubkopieren" auf die Filmwirtschaft

28.09.2004


Eine wissenschaftliche Studie der Bauhaus-Universität Weimar widerlegt Aussagen, die behaupten, Raubkopien von Filmen aus dem Internet würden allein dem Filmsehen "auf Probe" dienen.



Vielmehr wies Nachwuchswissenschaftler Victor Henning nach, dass die Mehrheit der Raubkopierer jene Filme, die bereits illegal gesehen wurden, nie oder selten legal konsumieren.



Die Studie, die von Dipl.-Kfm. Victor Henning, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Marketing und Medien (Prof. Dr. Thorsten Hennig-Thurau) an der Bauhaus-Universität Weimar durchgeführt wurde, belegt damit zum ersten Mal den Zusammenhang zwischen illegalem Film-Download und legalem Filmkonsum. Dazu wurden von Mai bis August 2004 in einer Online-Umfrage insgesamt 837 User sieben verschiedener Tauschbörsen befragt. "Ziel der Studie war es unter anderem, herauszufinden, welche Motivationen Raubkopierer treibt und welche Konsequenzen sich aus dem Film-Download für die Industrie ergeben," erläutert Victor Henning.

Download = Kein darauf folgender legaler Filmkonsum

Zumindest auf die Mehrheit der Befragten trifft diese Gleichung zu. Während 56 Prozent der Umfrageteilnehmer den Kinobesuch ganz oder überwiegend ausschließt, ist dieser Effekt beim DVD-Verleih und -Verkauf noch stärker: Hier gaben 67 Prozent (DVD-Verleih) bzw. 63 Prozent (DVD-Verkauf) der Befragten an, den Film später nie oder selten auf DVD auszuleihen oder diesen zu kaufen.

Besonders erschreckend ist die Auswirkung von illegaler Filmnutzung bei der Gruppe der Nicht-Downloader, also bei denen, die zwar nicht selbst illegal downloaden, aber sich bei anderen mit Raubkopien vorsorgen. Hier meinten 74 Prozent, sie griffen "selten" oder "nie" auf das Filmangebot der Videotheken zurück, nachdem sie den Film illegal gesehen hätten.

Motivationen der Raubkopierer

In der Befragung kristallisierte sich ganz klar eine Hauptmotivation für die illegale Filmnutzung heraus: Die Teilnehmer der Studie downloaden Filme, weil es kostenlos ist. Über zwei Drittel der User, insgesamt 73 Prozent, ist diese Tatsache wichtig bis sehr wichtig. Zudem gaben die Befragten an, der DVD-Kauf sei zu teuer (63 %), ebenso wie der Kinobesuch (50 %).

Im Gegensatz zu anderen Studien oder Empfehlungen widerlegt die Untersuchung von Victor Henning die Behauptung, moralische Beweggründe könnte die Nutzung von illegalen Filmangeboten aufhalten. Nur insgesamt 17 % der Film-Downloader gaben an, dass eventuell moralische Aspekte sie vom Download abhalten könnte.

Die englischsprachige Studie "An empirical study of the effects of peer-to-peer filesharing on the film industry" bildet einen Teil der Forschungsarbeit des Autoren.

Dr. Manuela Schulz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-weimar.de/medien/marketing/

Weitere Berichte zu: DVD-Verleih Film-Download Filmnutzung Raubkopie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik