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Mehrzahl der Deutschen steht der Jagd kritisch gegenüber oder lehnt sie ab

09.09.2004

Das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft will in diesem Herbst den Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes vorlegen. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hält eine umfassende Reform des seit 70 Jahren nahezu unveränderten Gesetzes für dringend erforderlich und hat das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid beauftragt, die Haltung der Bevölkerung zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes zu ermitteln. Nach aktueller Umfrage stehen 76,3 Prozent der Deutschen der Jagd kritisch gegenüber oder lehnen sie ab. Und 68,1 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Bundesregierung die Jagdausübung künftig stärker nach Gesichtspunkten des Natur- und Tierschutzes regulieren sollte.

"Das Bundesjagdgesetz regelt das ’Freizeitvergnügen’ einer relativ kleinen Bevölkerungsgruppe und steht inzwischen größtenteils im Widerspruch zum zeitgemäßen ethischen Tierschutz, der seit 2002 in der Verfassung festgeschrieben ist," erklärt Dr. Marlene Wartenberg, Geschäftsführerin von VIER PFOTEN. "Das Ergebnis der Umfrage unterstützt unsere Forderung an den Gesetzgeber, bei der Novellierung des überalterten Bundesjagdgesetzes dem Tierschutz umfassend Rechnung zu tragen."

Laut Emnid lehnt der überwiegende Teil der Befragten insbesondere spezielle Jagdpraktiken ab. 70,7 Prozent wünschen sich ein Verbot von Schrotmunition, die häufig bei der Jagd auf kleine, schwer zu treffende Tiere eingesetzt wird, wie z. B. Hasen. Bei Schüssen in Tiergruppen wie z. B. Vogelschwärme werden durch Schrot zahlreiche Tiere verletzt. Ein generelles Verbot der Fallenjagd befürworten 67,4 Prozent. In Totschlagfallen gefangene Tiere verenden oft langsam und qualvoll. Besonders trifft dies auf Tiere zu, die ihre Nahrung betasten und deshalb mit den Pfoten in die Fallen fassen, wie z. B. Waschbären. Hinzu kommt, dass mit Fallen zumeist kleine Beutegreifer bejagt werden, für deren Verfolgung es keine ökologisch haltbaren Gründe gibt. 80,4 Prozent der Befragten sprechen sich für ein Verbot von Bleimunition aus. Durch die Verwendung von Bleikugeln gelangt ein großer Teil des für Mensch und Tier giftigen Bleis in die Umwelt, insbesondere in unsere Gewässer. Besonders Enten, die das Blei mit der Nahrung aufnehmen, sterben qualvoll an der Vergiftung. 78,9 Prozent sprechen sich gegen die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren aus. Eine vorgeschriebene regelmäßige Überprüfung der Schießleistung von Jägern wünschen sich 91,7 Prozent der Befragten. Derzeit ist nur beim Ablegen der Jagdprüfung ein Beweis für die Schießfähigkeit des Jägers verbindlich verordnet. Zudem kontrollieren sich die Jäger in Deutschland weitgehend selbst. Der Jagdschutz, also die Überwachung der Einhaltung der Jagdgesetze, obliegt den sogenannten Jagdausübungsberechtigten und den Jagdbehörden. Da es sich bei diesen ganz überwiegend selbst um Jäger handelt, fehlt eine unabhängige Kontrolle.

Nach dem Willen der Befragten sollte bei der Novellierung des Bundesjagdgesetzes auch der Gedanke der Nachhaltigkeit stärker beachtet werden. Von Jägern werden einige Tierarten wie Fasane regelmäßig ausgesetzt, um sie anschließend zu jagen. Nach Meinung von 70,1 Prozent sollte das Aussetzen von jagdbaren Tierarten künftig verboten sein. Und 79,2 Prozent stimmten der Frage zu, ob das Bundesjagdgesetz künftig die Bejagung seltener und gefährdeter Tierarten verbieten sollte. Zur Zeit ist es erlaubt, auch gefährdete und seltene Tierarten zu bejagen, soweit diese im Katalog der jagdbaren Arten stehen und eine Jagdzeit haben. So wurden in Deutschland 2002/2003 wieder 7.500 Rebhühner erlegt, obwohl Rebhühner zu den bundesweit "stark gefährdeten" Tierarten zählen und in den vergangenen Jahrzehnten starke Bestandseinbrüche zu verzeichnen hatten.

"In der Föderalismuskommission wird augenblicklich diskutiert, ob und inwieweit die Zuständigkeit für das Jagdrecht beim Bund oder den Ländern anzusiedeln sei. VIER PFOTEN fordert dringend eine bundeseinheitliche Regelung. Zum Einen, weil auch im Tierschutz die europäische Gesetzgebungsebene eine immer bedeutsamere Rolle spielt. Zum Zweiten birgt die Zuständigkeit auf Länderebene häufig die Gefahr, dass die Tierschutzstandards nach unten nivelliert werden," erklärt Wartenberg.

Beate Schüler | Vier Pfoten e. V.
Weitere Informationen:
http://www.vier-pfoten.de

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