Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterhaltungs- und Medienbranche: Nachhaltiges Wachstum nur durch neue Geschäftsmodelle

25.08.2004


PwC-Studie A New Era for Content: Digitale Inhalte und verändertes Verhalten der Konsumenten erfordern neue Geschäftsmodelle / Potenziale neuer Technologien für den Schutz und Vertrieb digitaler Inhalte nutzen / Raubkopien verursachen Schäden in Milliardenhöhe

... mehr zu:
»DRM »Geschäftsmodell »PwC »Raubkopie »Trattnig

Die Unterhaltungs- und Medienindustrie steht trotz der derzeit signifikanten Einbußen durch Raubkopien und Produktpiraterie weltweit vor einem bedeutenden Wachstum. Auslöser werden neben der erheblichen Zunahme an Breitbandanschlüssen in privaten Haushalten und einer höheren Datenübertragungsrate vor allem neue Formate und Geräte sein, die das Angebot und den Vertrieb von digitalen Inhalten wie z.B. Musikstücken und Kinofilmen an Endverbraucher erweitern und vereinfachen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Umgang mit Rechten für digitale Inhalte (Digital Rights Management, abgekürzt: DRM) zu. Medienunternehmen setzen DRM bislang vor allem zum Schutz dieser Inhalte vor Diebstahl, unerlaubten Kopien und Weiterverkauf ein. Die Möglichkeiten von DRM gehen jedoch weit über die Prävention von Straftaten hinaus. Die Techniken, die das Management digitaler Rechte (DRM) beinhaltet, wie z.B. die Verschlüsselung und Markierung von Inhalten, ermöglichen wiederum erst neue Geschäftsmodelle. Diese sollen die Einkünfte von Urhebern, Verlagen, Platten-, Film- und Produktionsfirmen nicht nur sichern, sondern wesentlich steigern, indem sie auf die Bedürfnisse und das geänderte Konsumverhalten der Zielgruppen besser eingehen. Dies sind die Schlussfolgerungen der aktuellen Untersuchung A New Era for Content von PricewaterhouseCoopers (PwC), die auf der PwC-Studie Entertainment and Media Outlook: 2003-2007 basiert.

Zahl der Breitbandanschlüsse wächst bis 2007 um 29 Prozent jährlich


Nach Erhebungen der Studie hat sich die Zahl der Breitbandanschlüsse weltweit bis 2002 um 56 Prozent erhöht und wird rund um den Globus bis zum Jahr 2007 um durchschnittlich 29 Prozent pro Jahr wachsen. Für Medien und Unterhaltungskonzerne ergibt sich dadurch die Chance, ihren Kunden umfangreichere Inhalte (content) wie Musik- und Videodateien bei deutlich kürzeren Ladezeiten als bisher anzubieten. "Ab dem Jahr 2006 werden Breitband- und Content-Anbieter mit etablierten digitalen Inhalten erstmals substanzielle Umsätze erzielen", prognostiziert Dr. Werner Trattnig, Direktor des Global Technology Centre Menlo Park im Bereich Entertainment & Media bei PwC. Breitband ist jedoch nach Sicht der Autoren der PwC-Studie nur ein erster Einstieg zu weiteren Entwicklungen, die bereits im Gange sind: im Bereich der kabellosen Datenübertragung wie z.B. über Wireless LANs (WLANs) können bereits heute 54 Megabyte pro Sekunde übertragen werden. Mobiltelefonhersteller arbeiten an einer neuen Mobilfunkgeneration, die Videoübertragungen ermöglichen soll. Die nächste WLAN Generation, WiMAX, mit einem Zellenradius von bis zu 50 Kilometer und einer Bandbreite von bis zu 100 Mega-Bit pro Sekunde, ist nach Prognosen der PwC-Autoren in weniger als drei Jahren Standard. Diese Entwicklung hat Einfluss auf Mobiltelefone und mobiles Computing sowie auf zukünftige Endgeräte, Displays und Datenformate - Think TiVo, iPod und Movielink sind hier Beispiele der neuesten Entwicklungen.

Musik- und Filmbranche: Raubkopien verursachen Milliardenschäden

"Trotz der atemberaubend schnellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Datenübertragung und den damit verbundenen Chancen ist die Diskussion in der Unterhaltungs- und Medienbranche nach wie vor stark auf die Produktpiraterie fixiert", so Dr. Werner Trattnig. Unter Plattenfirmen sind die wirtschaftlichen Verluste, die durch das kostenlose Herunterladen von Musikstücken, Kopieren und Tauschen über Internetbörsen (file sharing) entstehen, zu einem Dauerthema der Branche geworden. Erhebungen von PwC zufolge hatte illegales "file sharing" einen wesentlichen Anteil am achtprozentigen Umsatzrückgang der amerikanischen Musikindustrie 2002 in Höhe von rund 2,6 Milliarden US-Dollar. Der Schaden geht dabei sowohl auf das Konto von professionellen Datenpiraten, die Beiträge im großen Stil herunterladen und weiterverkaufen, als auch von privaten Nutzern, die einzelne Stücke aus dem Netz ziehen. Musiktauschbörsen haben weltweit schätzungsweise 150 bis 200 Millionen Teilnehmer. Nicht minder groß ist der Schaden, der der Filmbranche durch die unrechtmäßige Aufzeichnung, Weitergabe und Ausstrahlung von digitalem Filmmaterial entsteht - allein im Jahr 2001 gingen der US-Filmbranche durch Raubkopien drei Milliarden US-Dollar Umsatz verloren.

Menschliches Fehlverhalten wesentliche Ursache für Sicherheitslücken

Erhebungen von PwC zufolge gilt nach wie vor die Faustregel, dass nur zehn Prozent der Sicherheitslücken auf technische Probleme, 90 Prozent jedoch auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind. Dennoch schenkt die Branche dem vorsichtigen Umgang mit Originalmaterial vor der Erstveröffentlichung offensichtlich noch zu wenig Beachtung: So gaben in einer Umfrage der Fachzeitschrift Information Week vor zwei Jahren 34 Prozent der befragten Personen aus der Unterhaltungs- und Medienbranche an, dass Sicherheit innerhalb ihrer Firma nicht oder kaum in Einklang mit den Geschäftszielen stehe.

Neue Technologie zum Schutz digitaler Inhalte

Um dem Missbrauch einen Riegel vorzuschieben, soll die bessere Handhabung der Rechte von digitalen Inhalten (DRM) helfen. Hierzu werden Informationen über Urheber- und Nutzungsrechte bereits in die Musik- oder Videodateien eingebettet und erfüllen mehrere Funktionen: Sie dienen zum einen als Kopierschutz, etwa durch Verschlüsselung der Daten. Sie geben - unter Berücksichtigung des Datenschutzes - zum anderen auch Auskunft über das Kaufverhalten des einzelnen Kunden. Dadurch ermöglichen sie letztendlich neue Marketing-Strategien und Geschäftsmodelle für den Vertrieb von digitalen Inhalten. Erforderlich für den Durchbruch der DRM-Technologie sind vor allem einheitliche Standards, die Einführung eines bequemen Bezahlsystems für legal zu erwerbende Dateien sowie bessere und sichere Arbeitsabläufe bei den Firmen und ihren Geschäftspartnern.

Angst vor Raubkopien blockiert Vermarktung von digitalen Inhalten

Einen vollkommenen Schutz vor Raubkopien gibt es nicht - dessen muss sich letztendlich jeder Anbieter von digitalisierten Inhalten bewusst sein. Folglich sind Verluste einzukalkulieren und die Unternehmen müssen einen Kompromiss zwischen dem absoluten Schutz ihrer Produkte vor Raubkopien und ihrer Vermarktung eingehen. "Die Furcht vor einer nicht 100prozentig geschützten Ausstrahlung der Inhalte im Netz war in der Vergangenheit häufig der Grund für verpasste Gelegenheiten", so Dr. Werner Trattnig. "Der um Jahre verzögerte Markteintritt der DVD, der auf die Skepsis von Content-Anbietern zurückzuführen ist, sollte den Unternehmen eine Warnung sein."

Die Studie können Sie als pdf-Dokument bestellen bei: daniela.mongiat@de.pwc.com

Nicole Susann Roschker | PriceWaterhouseCoopers
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com/de/ger/main/home/index.html

Weitere Berichte zu: DRM Geschäftsmodell PwC Raubkopie Trattnig

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften