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Deutsche Mediziner sind in Europa begehrt

23.08.2004


Hohe Nachfrage in Großbritannien und Skandinavien

"Unsere europäischen Nachbarn schätzen die Heilkunst deutscher Ärzte. Umgekehrt entdecken insbesondere unsere jungen Nachwuchsmediziner Europa als attraktiven Arbeitsmarkt", erklärte heute Dr. Manfred Richter-Reichhelm, Erster Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), in Berlin. Ein Indiz hierfür seien die steigenden Abwanderungszahlen. "Das hohe Arbeitspensum, verbunden mit einem enormen bürokratischen Aufwand in den Praxen und der aus einem tiefen Misstrauen erwachsenen Regelungswut der Politik machen den Beruf hierzulande insbesondere für Nachwuchsme-diziner zunehmend unattraktiv. Insbesondere der Schritt in die Selbständigkeit als niedergelassener Arzt erscheint als zu großes Risiko", führte er aus.

"Wenn diesem Trend entgegengewirkt werden soll, müssen Politik, Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen gemeinsam dafür sorgen, den Arztberuf in Deutschland wieder ansprechender zu gestalten", lautete seine Forderung.

In Deutschland ausgebildete Mediziner sind begehrt. Großbritannien und Skandinavien beispielsweise werben deutsche Ärzte immer häufi- ger erfolgreich ab. Nach Angaben des britischen Gesundheitsministeri- ums praktizierten 2003 circa 2.600 deutsche Ärzte auf der Insel. Die Ärztevereinigung Norwegens meldet mit Stand von März 2004 insge-samt 650 deutsche Ärzte, was einem Anteil von 3,7 Prozent der Ge-samtzahl an Ärzten im Lande entspricht. Die schwedische Gesund-heitsbehörde Socialstyrelsen registriert seit Eintritt Schwedens in die Europäische Union (EU) im Jahr 1994 insgesamt 708 Lizenzen deut- scher Mediziner zur Ausübung des Arztberufes.

Die EU-Richtlinie 93/16 erlaubt jedem deutschen Staatsangehörigen, der die Ausbildung zum Arzt in der Bundesrepublik vollständig absol- viert oder aber diese Ausbildung in einem der anderen Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) abgeschlossen hat, nach einer Registrierung bei der entsprechenden Behörde des anderen EWR-Staates den ärztlichen Beruf im europäischen Ausland auszuüben.

Deutsche Medizin-Absolventen, die eine Alternative zum Arztberuf su- chen, streben in großer Zahl auch andere Arbeitsgebiete an, etwa die Verwaltung und die Pharmaindustrie. Die Folge: Praxen niedergelasse- ner Haus- und Fachärzte, die in den Ruhestand gehen, können oftmals nicht weitergeführt werden. Obwohl derzeit noch genug Mediziner zur Verfügung stehen, ist innerhalb der nächsten fünf Jahre vor allem in den neuen Bundesländern ein Ärztemangel absehbar.

"Um die flächendeckende medizinische Versorgung nicht zu gefährden, gilt es, diesen Entwicklungen gegenzusteuern. Der Arztberuf muss wie- der attraktiver und interessanter werden. Umsatzgarantien und verbillig-te Investitionskredite für niedergelassene Ärzte sind erste Schritte in die richtige Richtung", so Richter-Reichhelm weiter.

Dr. Roland Stahl | KBV
Weitere Informationen:
http://www.kbv.de

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