Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abwässer nähren zehn Prozent der Nutzpflanzen der Welt

19.08.2004


Studie über landwirtschaftliche Praktiken in der Dritten Welt



Ein Zehntel der Nutzpflanzen der Welt wird mit Abwässern bewässert. Darunter sind Nahrungspflanzen wie etwa Tomaten, Mangos, Kokosnüsse oder Salat. Die meisten dieser Abwässer sind gar nicht behandelt, sondern fließen von den Mega-Städten direkt in die Bewässerungssysteme. Die weltweit erste Studie über Abwasser-Bewässerung wurde beim derzeit stattfindenden Stockholm Water Symposium präsentiert, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

... mehr zu:
»Abwasser »Nutzpflanze


Obwohl sich Konsumenten davor grauen, kommt dieses System den Bauern vielerorts sehr entgegen: die stinkigen, dickflüssigen und pathogenreichen Abwässer sind reich an Phosphaten und Nitraten und wirken daher wie Gratis-Dünger. "Abwasser-Bewässerung ist ein institutionelles Niemandsland", so bezeichnet Chris Scott vom International Water Management Institut mit dem Sitz in Sri Lanka die Situation. "Wasser-, Gesundheits- und Landwirtschaftsministerien verbieten die Praxis per Gesetz, übersehen aber, dass sie weitverbreitet ist", so der Experte. Geschätzte 20 Mio. Hektar der weltweiten Farmen werden auf diese Art bewässert. Ein Viertel des Gemüses aus Pakistan inklusive Salat wird mit Abwässern bewässert.

In afrikanischen Städten ist diese Art der Bewässerung gang und gebe. In vielen der rasant wachsenden Megastädten ist dies die einzige Möglichkeit, der Wasserknappheit zu entgehen. Einige der Länder wie Mexiko, Jordanien, Israel und Tunesien entziehen den Abwässern vor der Bewässerung zumindest die Pathogene. Aber gerade in Ländern wie Indien, China und Pakistan ist dies nicht üblich. Problematisch sind neben den zahlreichen Krankheitserregern auch giftige chemische Bestandteile aus Industrieabwässern. Scott nimmt an, dass Abwässer wahrscheinlich sogar die größte Quelle für urbanes Farming sind. "In Hayderrabat/Indien werden praktisch alle Pflanzen durch Abwässer bewässert, weil es keine anderen Möglichkeiten gibt", so Scott.

Viele Konsumenten würden solche Produkte definitiv nicht kaufen, wüssten sie, wie sie gezogen wurden. "Viele der Farmer verkaufen ihre Produkte auf weit entfernten Märkten, wo die Verbraucher keine Ahnung haben, wie das Gemüse bewässert wurde", erklärt Scott. Umgekehrt sei es aber auch für die Bauern selbst gefährlich, unter diesen Umständen Gemüse anzubauen. Als Conclusio führt der Fachmann aber aus, dass ein Verbot kontraproduktiv wäre, da Abwasser eine wertvolle Ressource darstellt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.siwi.org
http://www.newscientist.com

Weitere Berichte zu: Abwasser Nutzpflanze

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise