Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vaterlosigkeit belastet die Betroffenen ihr ganzes Leben

19.08.2004


Kinder, die im Zweiten Weltkrieg zeitweise oder dauerhaft ohne ihren Vater aufgewachsen sind, haben bis heute unter den Folgen zu leiden: Das beweist eine neue Studie der Universitäten Leipzig und Kassel über die psychosozialen Belastungen, die durch die Abwesenheit des Vaters entstehen können.



Es konnten deutliche Hinweise gefunden werden für die Annahme, daß die dauerhafte Abwesenheit des Vaters in der Kindheit als traumatisierendes Erlebnis gelten muss. Die 2003 durchgeführte bevölkerungsrepräsentative Befragung, die der Studie zugrunde liegt, zeigt, daß bei den zwischen 1930 und 1945 Geborenen, die überwiegend vaterlos aufgewachsen sind, auch mehrere Jahrzehnte später noch erhebliche psychosoziale Belastungen vorhanden sind.

... mehr zu:
»Weltkrieg


So ergab die von der Universität Leipzig in Auftrag gegebene Befragung, daß vaterlos aufgewachsene Menschen deutlich stärkere Symptome für Depressionen, Mißtrauen anderen Menschen gegenüber sowie für Ermüdung zeigen. Außerdem wurde festgestellt, daß Frauen, die ohne Vater aufgewachsen sind, öfter unter Erschöpfung, Mattigkeit und Kreislaufbeschwerden leiden als Frauen, deren Vater während ihrer Kindheit nicht fort war. Dr. Elmar Brähler, Professor für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Universität Leipzig, zu den Ergebnissen seiner Studie: "Insgesamt wurden bei vaterlos Aufgewachsenen stärkere soziale Einschränkungen und eine negativere Befindlichkeit als bei nicht vaterlos Aufgewachsenen festgestellt." Diese Erkenntnisse seien aber nicht nur in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg, sondern auch anläßlich der jetzt geführten Kriege von Bedeutung: "Die von Krieg und Vertreibung betroffenen Kinder und Jugendlichen bedürfen sowohl kurzfristig materieller und psychosozialer Unterstützung, als auch im Bedarfsfall längerer begleitender Hilfestellung."

In einer früheren Studie hatte Brähler bereits die Langzeitfolgen von Ausbombung und Vertreibung für die zwischen 1930 und 1945 Geborenen untersucht. Panikattacken und eine geringere Lebenszufriedenheit als bei nicht von Ausbombung und Flucht Betroffenen wurden festgestellt. Auch über fünfzig Jahre nach Kriegsende sind also noch ausgeprägte Symptome für psychische Beeinträchtigungen wie Ängste, Depressionen mit Abkapselungstendenzen sowie Bindungsschwierigkeiten erkennbar; die Erlebnisse im Krieg können sogar zu Mitursachen für körperliche Erkrankungen wie Herz- und Kreislaufbeschwerden werden.

Brähler warnt daher vor einer Unterschätzung der Langzeitfolgen traumatischer Kriegserlebnisse. "Wie die Untersuchung der Vaterlosigkeit in Folge des Krieges zeigt, sind die traumatischen Folgen oft weder für das Umfeld noch für die Betroffenen selbst leicht zu benennen: Trotzdem belasten sie aber oft das ganze Leben. Wird dies nicht beachtet, kann auch in Zukunft auf psychosoziale Schädigungen wie die durch den Zweiten Weltkrieg verursachten bei Kindern und Jugendlichen nicht angemessen reagiert werden."

Weitere Informationen: Prof. Dr. Elmar Brähler, Telefon: 0341 97-18800, E-Mail: brae@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~medpsy

Weitere Berichte zu: Weltkrieg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen

05.12.2016 | Förderungen Preise

Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik

05.12.2016 | Energie und Elektrotechnik