Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verse des griechischen Dichters Homer entfalten eine wohltuende Wirkung auf Herzschlag und Atmung

06.08.2004


"Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes." So beginnt das wohl bedeutendste Heldenepos der abendländischen Kulturgeschichte, die "Odyssee" des griechischen Dichters Homer. Wer weiterliest, erfährt viel über die Irrfahrten des Odysseus und die Ursprünge westlicher Literatur. Wer die Verse zudem laut vorträgt, und es müssen dabei nicht unbedingt alle 12.000 sein, kann auch etwas für seine Gesundheit tun. Eine Forschergruppe unter Beteiligung der Universität Witten/Herdecke hat jetzt herausgefunden, wie sich der besondere Rhythmus der antiken Strophen auf ein positives Zusammenspiel von Herzschlag und Atmung auswirkt. Die Studie ist in der August-Ausgabe der Fachzeitschrift "American Journal of Physiology" veröffentlicht.



Von dem antiken Dichter Homer, der im 8. Jahrhundert vor Christus gelebt hat, stammt neben der "Odyssee" auch die "Ilias", in der der Kampf um Troja geschildert wird. Die Ilias diente dem Hollywoodfilm "Troja" als Vorlage. Während sich das Leinwandspektakel einer farbenfrohen Bildsprache bedient, transportieren die beiden Epen ihren Inhalt in einem festen Versmaß. Beim so genannten Hexameter werden sechs Silben pro Verszeile betont. In der strengsten Form folgen der betonten Silbe stets zwei unbetonte. Von der wohltuenden Wirkung der Rezitation von Hexameter-Versen sind Kunsttherapeuten seit langem schon überzeugt.



Für ihre wissenschaftlichen Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Hexameter, Herzschlag und Atmung verwendeten die Forscher eine deutsche Übersetzung, die den Rhythmus der jahrtausendealten Verse beibehält. "Mit Hexameter-Versen können langsame Atemschwingungen erzeugt werden", sagt Dr. Dirk Cysarz, Mitglied der Forschergruppe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin an der Universität Witten/Herdecke. Der Physiker hat in Witten über die Synchronisation von Herzschlag und Atmung promoviert. Ebenfalls an den aktuellen Studien beteiligt waren das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und die Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin der Universität Bern.

An den Untersuchungen nahmen 20 gesunde Männer und Frauen als teil. Sie liefen dreimal für jeweils 20 Minuten durch einen Raum. Recht langsam: ungefähr mit 50 Schritten pro Minute. Bei einem der 20-Minuten-Durchgänge sollten sie spontan, also möglichst wie im Alltag atmen. Bei einem weiteren Durchlauf wurden sie gebeten, nach einem vorgegebenen Schema kontrolliert ein- und auszuatmen. Die dritte Runde war dadurch gekennzeichnet, dass die Probanden während des Gehens Hexameterverse aus der Odyssee nachsprachen, die der Versuchsleiter vorsprach. Während der Experimente wurden Herzschlag und Atmung der Teilnehmer gemessen.

Die Auswertung der Daten ergab: Während der Rezitation der antiken Verse war eine deutliche Synchronisation von Herzschlag und Atemfrequenz zu beobachten. Die durch den Hexameter-Rhythmus bedingten langsamen Atemschwingungen erzeugten eine harmonische und regelmäßige Herzschlagfolge. "Offensichtlich hilft der Hexameter dem Körper, seinen eigenen, guten Rhythmus zu finden", resümiert Dirk Cysarz. Andere Studien, so Cysarz, wiesen darauf hin, dass langsame Atmung die Lungen effizienter arbeiten lasse und auch der Blutdruck gesenkt würde.

Ebenfalls positive Effekte auf den Körper werden dem Rosenkranz und dem Mantra "Om" zugesprochen. Sollten Ärzte ihren Herzpatienten jetzt Gedichtbände statt Tablettenpackungen verschreiben? "Nein", sagt der Wittener Forscher. Diese Art von Kunsttherapie könne nur eine flankierende Behandlungsmaßnahme sein. Indes: Schaden kann zum Beispiel die Hexameter-Therapie wohl kaum. Man muss allerdings eine Nebenwirkung in Kauf nehmen: Bildung.

Referenz: Dirk Cysarz, Dietrich von Bonin, Helmut Lackner, Peter Heusser, Maximilian Moser, Henrik Bettermann: Oscillations of heart rate and respiration synchonize during poetry recitation, in: American Journal of Physiology - Heart and Circulatory Physiology, Band 287 (2), Seiten H 579 - H 587, August 2004

Kontakt: Dr. rer. nat. Dirk Cysarz, Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin, Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, Tel.: 02330/62-3637, E-Mail: d.cysarz@rhythmen.de

Dr. Olaf Kaltenborn | idw
Weitere Informationen:
http://www.rhythmen.de

Weitere Berichte zu: Herzschlag Hexameter Komplementärmedizin Physiology Verse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie