Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medienforscher misst an Augen emotionale Reaktion

06.08.2004


Pupillen sagen mehr als 1000 Worte


(c) Kerkau


(c) Kerkau



Neues Patent: Medienforscher misst an Augen emotionale Reaktionen



Pupillen reagieren, auch wenn wir scheinbar keine Reaktionen zeigen wollen. Sie sind der Spiegel unserer Wahrnehmung, unserer Emotionen und Informationsverarbeitungsprozesse, denn sie reagieren unwillkürlich auf mentale Reize. Dieses Phänomen nutzen Medienforscher der Freien Universität Berlin, um die unbewusste Wirkung der Medien auf den Menschen - sei es die emotionale Beteiligung oder mentale Beanspruchung - mithilfe eines neuartigen Verfahrens zu messen und darzustellen. Die Technik ist vielseitig einsetzbar: von der Werbung über den Krimifilm bis hin zur Marktforschung. Das "pupillometrische Verfahren zum Ermitteln des physiologischen Aktivierungspotenzials", das so genannte Bio-Feedback-Device, ist beim Deutschen Patent- und Markenamt in München angemeldet worden.

Die Pupille weitet oder verengt sich, wenn sich der Irismuskel zusammenzieht oder erschlafft. Der Muskel erhält die Reize über den Hypothalamus, das Regulationszentrum des vegetativen Nervensystems. Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass nicht nur Licht einen Einfluss auf die Größe der Pupillen hat, sondern auch psychische Ereignisse. Die Pupille weitet sich durch eine "sympathische Erregung" des vegetativen Nervensystems und dient demzufolge als Indikator mentaler Belastung, eine Verengung hingegen nicht.

Diese Erkenntnis wendet nun Florian Kerkau vom Center for Media Research der Freien Universität Berlin für ein neues Verfahren an, mit dem sowohl Produktevaluation betrieben als auch die Wirkung von Medien auf uns Menschen analysiert werden kann. Zwar sind Pupillenmessungen in diesen Bereichen keine grundsätzlich neue Erfindung, doch hat der Medienforscher eine Messtechnik entwickelt, die weitaus präzisere Ergebnisse liefert als bisherige Verfahren.

"Mit dem Bio-Feedback-Device können wir messen, wie emotional und mental aktiv wir Menschen sind, wenn Reize auf uns wirken", sagt Florian Kerkau. Da die Pupille jedoch nicht nur auf Veränderungen reagiert, die durch emotionale und mentale Beanspruchung hervorgerufen wird, sondern auch auf andere Faktoren (insbesondere auf die Lichtverhältnisse), muss bei Verfahren zum Ermitteln der Pupillenreaktionen eine Korrektur vorgenommen werden. Damit also die Reaktion der Pupillen ausschließlich auf das untersuchte Objekt - wie etwa der Spannungsgrad eines Krimifilms - gemessen werden kann, müssen alle anderen Reizquellen ausgeblendet werden.

"Pupillen reagieren zum Beispiel auf die strahlenden Computerbildschirme oder auf die Reflektion der Schreibtischoberfläche", erklärt der Medienforscher. Er misst deshalb den Durchmesser der Pupille einer Versuchsperson und parallel dazu den Helligkeitswert der Umgebung. Die Daten der Pupillenwerte und die der Beleuchtungswerte verrechnet Florian Kerkau anschließend gegeneinander. Hierfür hat er eine neue Funktion, eine Rechenformel, herausgefunden.

"Das System könnte sogar die Prozesssteuerung durch Veränderungen im vegetativen Nervensystem ermöglichen und stellt schon alleine deshalb eine neuartige Entwicklung im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion dar", so Florian Kerkau. "Das Bio-Feedback-Device kann die bisher gängige Methode der Messung des Hautleitwerts ablösen, weil die Pupille der schnellere und genauere Indikator für die Aktivität des autonomen Nervensystems ist." Die Messung sei außerdem für den Nutzer angenehmer, da sie ohne die störende Verkabelung des Nutzers auskomme, wie das bei der Messung des Hautleitwertes notwendig ist. Hierbei muss die Versuchsperson mit Elektroden verkabelt werden.

Das Gesamtsystem besteht aus einer Software, die für Windows geeignet ist, und aus drei handelsüblichen Computern. Einer der Computer ist für den Nutzer vorgesehen. Das Auge des Nutzers wird dabei von einer speziellen Infrarotkamera gefilmt. Die gewonnen Videodaten werden an den zweiten Computer übergeben, der die Rolle eines Kontroll-Computers übernimmt. Er wertet mithilfe einer Videokarte die Daten aus und bestimmt den aktuellen Pupillendurchmesser. Diese Pupillenwerte werden wiederum an den dritten Computer, die Analyseeinheit, weitergeleitet, um dort verarbeitet zu werden. Die Analyseeinheit ist mit einer selbst entwickelten Software ausgestattet, die die Pupillendaten des Kontroll-Computers aufnimmt und durch verschiedene Berechnungen von Fehlern und "Artefakten" bereinigt. Der Analyseeinheit werden zudem von einem Gerät zur Lichtmessung, einem Luxmeter, die Daten über die Umgebungshelligkeit geliefert und unter Verwendung einer speziellen Funktion zur Bereinigung der Pupillendaten um die Lichteffekte genutzt. Die verbleibenden Werte der Pupillenbewegung, nämlich die Veränderung der Pupillengröße, dienen als Korrelat der physischen Aktivierung des Nutzers. Hieraus kann der Medienforscher Kerkau die mentale bzw. emotionale Beanspruchung der Versuchspersonen ableiten. Mit der Online-Verarbeitung der Daten kann der mentale Zustand des Nutzers in Echtzeit erfasst werden.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Dipl.-Päd. Florian Kerkau, Arbeitsbereich Medienforschung der Freien Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-70301, E-Mail: kerkau@cmr.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw
Weitere Informationen:
http://www.cmr.fu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie