Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Käfer gefährden Rasenflächen - Neue Bekämpfungsstrategien

04.08.2004


Neue Bekämpfungsmethode gegen Käfer-Plage


Bausatz


Falle



Immer mehr Golfwiesen und Rasenflächen in Privatgärten leiden unter Fressattacken des Gartenlaubkäfers. Die Engerlinge fressen die Wurzeln der Gräser und rauben ihnen damit die Möglichkeit der Wasser- und Nährstoffaufnahme. Das kann, wenn zu viele Schädlinge an einer Stelle wüten, zum Absterben großer Rasenflächen führen. Die Schäden werden meistens zwischen Juli und Oktober sichtbar. Auch im Obstbau und bei Rosen hat der Gartenlaubkäfer Phyllopertha horticola in den vergangenen Jahren große Schäden verursacht. Bei der Bekämpfung stellt der Einsatz von Insektiziden oft ein Problem dar, da diese nicht nur die Schädlinge, sondern auch Nützlinge bedrohen. Alternativ können Sexuallockstoffe oder attraktive Pflanzenduftstoffe verwendet werden. Doch für den Gartenlaubkäfer waren bislang solche Lockstoffe nicht bekannt. Dr. Joachim Ruther von der Freien Universität Berlin hat jetzt ein Lockstoffgemisch entwickelt, das im Rahmen von Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Gartenlaubkäfer eingesetzt werden kann. Die Erfindung ist international zum Patent angemeldet worden und wird von der Patentverwertungsgesellschaft ipal GmbH exklusiv für die Freie Universität Berlin verwertet.

... mehr zu:
»Lockstoff »Prallfläche


Von der Gartenlaubkäferplage sind Bäume, Sträucher und Sportrasenflächen in großen Teilen Europas betroffen. Während die ausgewachsenen Insekten Fraßschäden an Blättern, Blüten und Früchten verursachen, fressen die bodenbewohnenden Larven (Engerlinge) an den Wurzeln der betroffenen Pflanzen und nehmen diesen so die Möglichkeit zur Wasser- und Nährstoffaufnahme. Lockstoffe können auf verschiedene Weise dazu beitragen, eine aus dem natürlichen Gleichgewicht geratene Schädlingspopulation zu regulieren. So kann zum Beispiel durch Massenfang ein Großteil der Schadinsekten in einem bestimmten Areal in Lockstofffallen gefangen und abgetötet werden. Zudem können Lockstofffallen für das so genannte "Monitoring" eingesetzt werden, um die Entwicklung einer Insektenpopulation zu kontrollieren und drohende Massenvermehrungen rechtzeitig zu erkennen. "Auf diese Weise kann dann gegebenenfalls der geeignete Zeitpunkt für weitere Bekämpfungsmaßnahmen bestimmt werden", erklärt der Insektenforscher Dr. Joachim Ruther von der Freien Universität Berlin.

Joachim Ruther hat jetzt ein Lockstoffgemisch entwickelt, das sowohl männliche als auch weibliche Käfer anzieht. Mit diesem Gemisch bestückt er eine ebenfalls von ihm entworfene Falle, bei der über einen Dispenser die Lockstoffe freigesetzt und die fliegenden Käfer gefangen werden.

Die Trichterfalle wird etwa in einem halben bis einen Meter Höhe installiert. "In dieser Höhe fliegen die Käfer während des Schwärmfluges, so dass die Falle hier am wirkungsvollsten ist", erläutert Joachim Ruther. Die Falle besteht aus einem mit senkrechten Prallflächen versehenen Trichter, durch den die angelockten Käfer in eine Kunststofftüte fallen, aus der sie nicht wieder entkommen können. Der Lockstoffdispenser wird direkt über den Prallflächen angebracht. Bestehen die Prallflächen aus gelbem - im Gegensatz zu grauem - Kunststoff, steigt die Zahl gefangener Käfer drastisch an. "Das hängt wohl damit zusammen, dass die gelben Fallen in Kombination mit den verwendeten Pflanzenduftstoffen auf die Käfer wie Blüten wirken, durch die sie verstärkt angezogen werden", so Ruther.

Joachim Ruther entwickelt jetzt eine weitere Bekämpfungsstrategie für die Gartenlaubkäferplage bei Obstbaumkulturen.

Hintergrundinformationen zum Gartenlaubkäfer:
Der Entwicklungszyklus des Gartenlaubkäfers ist ein- bis zweijährig. Der Käferflug des erwachsenen Käfers findet zwischen Mitte Mai und Anfang Juli statt. Die Käferweibchen legen in einer Tiefe von fünf bis 16 Zentimeter durchschnittlich dreißig bis vierzig Eier einzeln in Erdhöhlen ab. Die Engerlinge, das sind die Larven des Gartenlaubkäfers, schlüpfen nach etwa drei Wochen und entwickeln sich sehr rasch, indem sie sich von Feinwurzeln ernähren. Das dritte Larvalstadium wandert dann ab Oktober zur Überwinterung in tiefere Bodenschichten ab. Die Verpuppung erfolgt im April des darauf folgenden Jahres und dauert etwa vier Wochen.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Priv.-Doz. Dr. Joachim Ruther, Institut für Biologie der Freien Universität Berlin (Angewandte Zoologie), Tel.: 030 / 838-55910, E-Mail: ruther@zedat.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Lockstoff Prallfläche

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften