Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fibromyalgie-Studie an der Universität Trier

29.07.2004


Forschungsprojekt zur Untersuchung biologischer Mechanismen, die der Fibromyalgie zugrunde liegen


Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) ist eine chronische, nicht-entzündliche Erkrankung, die durch weit verbreitete Schmerzen im gesamten Körper gekennzeichnet ist. Neben der Schmerzsymptomatik bestehen mannigfaltige Begleitsymptome wie starke Ermüdbarkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Depression und Angst. Bislang sind die Ursachen und die Entstehung der Fibromyalgie weitgehend unbekannt. Ein Großteil der Patienten berichtet von einer jahrelangen Leidensgeschichte mit häufigen Arztwechseln und beiderseitiger Ratlosigkeit, was die Verursachung und die Behandelbarkeit der Erkrankung betrifft. Eine Studie der Universität Trier untersucht nun die biologischen Mechanismen, die der Fibromyalgie zugrunde liegen, um die Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung besser verstehen zu können.

Es wird davon ausgegangen, dass etwa 2% der Bevölkerung von der Fibromyalgie betroffen sind. Auf Deutschland bezogen sind dies ungefähr 1,6 Millionen Personen, wobei das Verhältnis Frauen zu Männer 9:1 beträgt. Die Ursachen für die Entstehung der Symptomatik sind noch weitgehend ungeklärt, etwa die Hälfte der Patienten kann sich nicht erinnern, was die Symptome hervorgerufen haben könnte. In einer amerikanischen Studie sahen knapp ein Viertel der Betroffenen die Symptomatik in Zusammenhang mit einem Trauma, etwa einem Unfall, 14% führten ihre Erkrankung auf psychologische Faktoren wie Stress, emotionale Faktoren oder Familienveränderungen zurück. Andere Studien fanden bei einigen Patienten einen Zusammenhang zwischen dem Beginn der Erkrankung und Infektionen (etwa Hepatitis C).


Die von den Patienten beschriebenen vorangegangenen oder begleitenden Faktoren - Traumata, familiäre Belastungen, Infektionen - stellen Anforderungssituationen (Stress) für den Organismus dar, der daraufhin mit hormonellen und immunologischen Veränderungen reagiert. Diese Veränderungen dienen zunächst einem geeigneten Umgang des Körpers mit den belastenden Situationen. Hält der Stress jedoch an, wird er also chronisch, kann dies zu dauerhaften hormonellen und immunologischen Veränderungen und zu körperlichen und seelischen Beschwerden führen. Zahlreiche Studien belegen, dass Stress Symptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Burnout, Angst, Depression und Gedächtnisprobleme fördern kann und Störungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, Magen-Darm-Störungen und eine erhöhte Infektionsanfälligkeit begünstigt. Diese Symptome finden sich häufig auch bei Fibromyalgie-Patienten.

Um die Zusammenhänge zwischen hormonellen und immunologischen Veränderungen und der Fibromyalgie-Symptomatik weiter zu erforschen, sollen in einer aktuellen Studie in der Abteilung für Psychobiologie der Universität Trier Fibromyalgie-Patientinnen und -Patienten untersucht werden. In verschiedenen psychologischen und physiologischen Testverfahren sollen bei den Betroffenen Veränderungen in verschiedenen hormonellen Systemen und ihre Auswirkungen auf das Immunsystem näher betrachtet werden.

Teilnahmevoraussetzung ist das schriftliche Vorliegen einer Fibromyalgie-Diagnose vom Arzt und das Fehlen eines organischen Befundes, welcher die Symptomatik erklären könnte. Außerdem werden gesunde Kontrollpersonen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren gesucht, die ebenfalls an der Untersuchung teilnehmen möchten. Erst der Einschluss gesunder Personen macht es möglich, biologische Veränderungen bei den Patienten im Vergleich zu Nicht-Betroffenen aufzudecken.

Interessierte Personen können sich in der Abteilung für Psychobiologie der Universität Trier bei der zuständigen Studienleiterin, Dipl.-Psych. Judith Heße, unter der Telefonnummer (0651) 201-3680 oder per Email unter hessej@uni-trier.de melden. Neben einer finanziellen Aufwandentschädigung in Höhe von 40 Euro erhalten die Teilnehmer interessante Informationen über psychologische, biologische und immunologische Faktoren in Zusammenhang mit ihrer Stressreaktivität.

Heidi Neyses | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-trier.de

Weitere Berichte zu: Fibromyalgie Fibromyalgie-Studie Hepatitis C Stress Symptomatik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie