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Suizidrisiko bei älteren und neueren Antidepressiva gleich

21.07.2004


Medikamente erreichen nicht sofort volle Wirksamkeit



Das Risiko eines suizidalen Verhaltens ist bei neueren Antidepressiva wie Prozac gleich hoch wie bei älteren Präparaten. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der Boston University gekommen. Berichte von Selbstmordgedanken und suizidalem Verhalten von unter Achtzehnjährigen, die neuere Medikamente, so genannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) einnahmen, hatten unter Experten zu Besorgnis geführt. Die neuen Studienergebnisse gehen jedoch davon aus, dass alle Antidepressiva Zeit brauchen um zu wirken. Sie wurden im Journal of the American Medical Association veröffentlicht.



Prozac und Seroxat gehören zu der Gruppe der SSRIs. Diese Medikamente werden als Alternative zu älteren trizyklischen Antidepressiva verschrieben. Diese Antidepressiva gelten in einer Überdosierung als gefährlicher. Aus diesem Grund galten SSRIs als gute Alternative für möglicherweise selbstmordgefährdete Patienten. Das Team um Hershel Jick untersuchte das Risiko von suizidalem Verhalten bei 2.500 britischen Patienten, die eines von vier Antidepressiva einnahmen. Zu den ausgewählten Medikamenten gehörten Prozac und Seroxat sowie die trizyklischen Antidepressiva Amitriptylin und Dothiepin. Allgemein zeigte sich, dass die Teilnehmer während des ersten Monats der Einnahme ein erhöhtes Risiko von Selbstmordgedanken und suizidalem Verhalten aufwiesen. Besonders stark betroffen waren die ersten neun Tage. Diese Risikosteigerung konnte für alle vier Medikamente festgestellt werden.

Laut Jick sei die wahrscheinlichste Erklärung für diese Ergebnisse, dass die Behandlung mit Antidepressiva nicht sofort ihre volle Wirksamkeit erreichte. Daher sei das Risiko von suizidalem Verhalten bei einer Neudiagnose höher als bei jenen Patienten, die bereits seit langer Zeit behandelt würden. Zusätzlich sei es denkbar, dass diese Beobachtungen widerspiegelten, dass die Betroffenen mit der Einnahme begännen wenn ihre Depressionen am stärksten seien. Er gehe davon aus, dass es unwahrscheinlich sei, dass SSRIs die Depression verstärkten und damit zu suizidalen Gedanken und Verhalten führten. Gänzlich auszuschließen sei es laut BBC jedoch nicht.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.bu.edu
http://jama.ama-assn.org

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