Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zur körpereigenen Reparatur nach Herzinfarkt

20.07.2004


RUB-Mediziner testen im Bergmannsheil neue Therapie - Randomisierte Studie startet



Ob Stammzellen aus dem Knochenmark nach einem Herzinfarkt als körpereigene Reparaturtruppe eingesetzt werden können, soll eine randomisierte Studie zeigen, an der die Klinik für Kardiologie der BG-Kliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mügge) beteiligt ist. Die Spezialisten hoffen, mit Hilfe der Stammzellen eine ausgeprägte Herzschwäche verhindern zu können, die häufig als Spätfolge schwerer Herzinfarkte auftritt. Am 2. Juli 2004 wurde der erste Patient im Bergmannsheil mit der neuen Methode behandelt. Erste Ergebnisse der Studie, die von der Universität Frankfurt koordiniert wird, erwarten die Forscher in ca. vier Monaten.



Große Hoffnungen und widersprüchliche Ergebnisse

Wenn bei einem schweren Herzinfarkt Teile des Herzmuskels nicht ausreichend durchblutet werden, können irreparable Schäden entstehen, die später eine Pumpschwäche des Herzens auslösen: Luftnot und Leistungsschwäche des Patienten sind die Folgen. Erste Untersuchungen an der Universität Düsseldorf, haben in den vergangenen Jahren Hoffnungen geweckt, dass körpereigene Stammzellen das verhindern könnten. Die Theorie besagt, dass die Stammzellen, die noch nicht ausdifferenziert sind und sich daher zu verschiedenen Organ-spezifischen Zellen entwickeln können, im Herzen zu Herzmuskel- oder Gefäßzellen werden und als solche die Blutversorgung des geschädigten Bereichs verbessern. Verschiedene experimentelle Studien kommen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen, was den klinischen Nutzen der Stammzellen betrifft. "In dieser unklaren Situation kann nur eine randomisierte Studie weiterhelfen", so die Kardiologen vom Bergmannsheil.

Injektion vor Ort

Für die nun gestartete Studie werden den Patienten ca. 50 Milliliter Knochenmark aus der Hüfte entnommen. In Zusammenarbeit mit dem Blutspendedienst Hessen wird das Knochenmark binnen eines Tages gereinigt und für die Injektion aufbereitet. Am nächsten Tag führen die Mediziner einen Ballonkatheter an die Stelle des Gefäßverschlusses. Für ca. drei Minuten wird dann das Gefäß mit dem Ballon verschlossen und zehn bis 15 Milliliter der Stammzelllösung werden dort freigesetzt. Nach einer Pause, in der das Gefäß wieder normal durchblutet wird, wird die Prozedur wiederholt. Weder die Ärzte noch der Patient wissen, ob es sich um eine Stammzell- oder eine Placeboinjektion handelt.

Erste Ergebnisse in vier Monaten

Drei Wochen nach dieser Behandlung werden die Studienteilnehmer erstmals nachuntersucht und die Pumpfunktion des Herzens wird per EKG und Ultraschall überprüft. Nach vier Monaten folgt eine Kontrolluntersuchung mit dem Herzkatheter. "Nach ca. vier bis sechs Monaten wird sich bereits nachweisen lassen, ob sich die linksventrikuläre Funktion verbessert", so Prof. Mügge.

In Zukunft: Gezielte Untersuchung einzelner Stammzelltypen

Für die Zukunft ist geplant, in Zusammenarbeit mit dem Stammzell-Labor der RUB im Knappschaftskrankenhaus Langendreer (Prof. Dr. Wolff Schmiegel) verschiedene Stammzelltypen aus dem Knochenmark zu isolieren, um sie gezielt auf ihre Reparaturfunktion am Herzen zu untersuchen.

Weitere Informationen

Dr. Alfried Germing, Prof. Dr. Andreas Mügge, Klinik für Kardiologie, BG-Kliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, tel. 0234/302-3456/-6050, E-Mail: alfried.germing@rub.de, andreas.muegge@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Berichte zu: Herzinfarkt Kardiologie Knochenmark Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik