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Personenbezogene Wohneigentumsquote liegt in Deutschland bei 52 Prozent

14.07.2004

Deutschland einig Mieterland? Dieses Vorurteil über die Wohnsituation der Bevölkerung ist mittlerweile falsch, wie eine Analyse des Forschungsinstituts empirica im Auftrag der Landesbausparkassen (LBS) zeigt. Nach den aktuellsten statistischen Daten wohnten im Jahre 2003 nämlich bereits 52 Prozent der Menschen in Deutschland im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung. In absoluten Zahlen stellen 42,5 Millionen Selbstnutzer im Vergleich zu den rund 40 Millionen Mietern inzwischen die absolute Mehrheit.

Der scheinbare Widerspruch zu den bekannten Größenordnungen der Wohneigentumsquoten ist nach Mitteilung von LBS Research leicht erklärt: Tatsächlich lebten zwar auch 2003 "nur" 44 Prozent der Haushalte in den eigenen vier Wänden. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass die Eigentümerhaushalte größer sind als die Mieterhaushalte; vor allem Familien mit Kindern wohnen seltener zur Miete. Deshalb liegt die personenbezogene Wohneigentumsquote in der Regel fast 10 Prozentpunkte höher als die haushalts- oder wohnungsbezogene Quote.

Bereits in 11 der 16 Bundesländer lebt die Hälfte der Bevölkerung oder ein teilweise deutlich größerer Anteil in den eigenen vier Wänden (vgl. Grafik). Im Saarland ist es sogar fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit, in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind mehr als 60 Prozent Wohneigentümer. Auch in Ostdeutschland gibt es mit Thüringen eine Region, in der die Wohneigentümer bereits klar "das Sagen haben". In Sachsen-Anhalt und Brandenburg ist die 50-Prozent-Hürde erreicht. Im ehemaligen Bundesgebiet ist Nordrhein-Westfalen der einzige Flächenstaat, in dem die Selbstnutzer noch nicht die Mehrheit stellen. Bei den Stadtstaaten gibt es eine enorme Bandbreite: Während in Bremen die Wohneigentumsquote mit 51 Prozent fast den Bundesdurchschnitt erreicht, liegen Hamburg (29 Prozent) und vor allem Berlin (mit 16 Prozent) immer noch eindeutig am Tabellenende.

Nach Einschätzung von LBS Research verdient der rasche Aufholprozess in Sachen Wohneigentumsbildung in den neuen Bundesländern besondere Aufmerksamkeit. Wohnte dort unmittelbar nach der Wende nur gut jeder vierte Haushalt im Wohneigentum - was dem Stand des Jahres 1950 in Westdeutschland entsprach - sind es mittlerweile 37 Prozent der Haushalte, aber bereits 45 Prozent der Einwohner im Beitrittsgebiet. Trotz hoher Arbeitslosigkeit und niedriger Durchschnittslöhne haben hier zwei Faktoren zur Trendwende geführt: Zum einen die Privatisierung vorhandener Wohnungsbestände, vor allem aber auch eine großzügige Baulandpolitik der ostdeutschen Kommunen und der dadurch verschärfte Wettbewerb zwischen Bauträgern. In Verbindung mit günstigen Grundstückspreisen und Baukosten sowie einer gerade hier besonders gut wirksamen Wohneigentumsförderung konnten viele Menschen nach Jahrzehnten systematischer Behinderung der individuellen Wohneigentumsbildung in der DDR jetzt endlich den Eigentumswunsch verwirklichen.

Die personenbezogene Analyse der Wohneigentumsquoten zeigt darüber hinaus, dass neben den Rentnern der Wirtschaftswundergeneration die Kinder am häufigsten in eigenen vier Wänden wohnen. 15 bis 19-Jährige kommen - selbstverständlich in der Regel im Haushalt ihrer Eltern - auf eine Wohneigentumsquote von knapp 65 Prozent. Die zehn Jahre älteren Twens fallen dagegen auf eine Wohneigentumsquote von nur noch 25 Prozent ab, weil die meisten in diesem Alter bereits aus dem Elternhaus ausgezogen sind und ihren eigenen Weg gehen. In dieser Altersgruppe ist die Wohneigentumsquote in den letzten zehn Jahren auch nicht mehr angestiegen, weil gerade junge Haushalte immer öfter alleine wohnen bzw. als Paare länger als früher kinderlos bleiben. Da in diesem Alter normalerweise nicht mit Erbschaften zu rechnen ist, dürften laut empirica die Perspektiven für die Wohneigentumsbildung in den nächsten Jahren nicht ohne weiteres besser werden. Gerade unter dem Aspekt der Alterssicherung durch Wohneigentum müssten hier jedoch von der heranwachsenden Generation eher noch größere Anstrengungen unternommen werden. Hierzu bedürfe es auch künftig einer wirksamen Unterstützung. Das Institut kritisiert deshalb, dass der Staat zur Zeit mit ständig neuen Debatten über die Eigenheimförderung keine ermutigenden Signale für die Wohneigentumsbildung hierzulande gibt.

Auch die aktuelle Analyse der Wohneigentumsquote ändert nichts daran, dass die Wohneigentumsbildung in Deutschland immer noch weit hinter dem vorhandenen Potenzial zurückbleibt. Das zeigt nicht nur der Blick über die Grenzen. Sondern auch Marktuntersuchungen im eigenen Land machen deutlich, welche enorme Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Thema Wohneigentum besteht. LBS Research erinnert in diesem Zusammenhang an eine aktuelle Umfrage von TNS Emnid, die erneut bestätigt hat, dass zusätzlich zu den bereits erfolgreichen Eigentümern rund 60 Prozent der Mieter lieber in eigenen vier Wänden wohnen würden, statt weiterhin zur Miete wohnen zu bleiben. Kein Wunder, wie LBS Research anmerkt, wenn man sich vor Augen hält, dass die meisten ja als Kinder den Wohnwert eigener vier Wände schätzen gelernt haben.

Ivonn Kappel | Landesbausparkassen
Weitere Informationen:
http://www.lbs.de

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