Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Astronauten brauchen Psycho-Training gegen Weltraumkoller

12.07.2004


Um einem «Weltraumkoller» zu entgehen, müssen Astronauten nicht nur körperlich, sondern auch psychisch besonders fit sein. «Vor allem nach der Mitte einer mehrmonatigen Weltraummission drohen Motivationsverlust, depressive Verstimmungen, Langeweile oder Streit mit den Crew-Mitgliedern», sagte Prof. Dietrich Manzey, Leiter der Arbeits- und Organisationspsychologie der TU Berlin, in einem dpa-Gespräch. Zu den psychologischen Aspekten bemannter Raumfahrt hielt Manzey am Freitag seine Antrittsvorlesung.



In der Regel gebe es zu Beginn einer Weltraummission drei bis vier Wochen lang körperliche Umstellungsprobleme, etwa Kopfschmerzen durch den erhöhten Blutdurchfluss, eine Art Seekrankheit (Space-motion- sickness) oder Schlafprobleme durch den fehlenden Tag-Nacht-Rhythmus. Der zweite und dritte Monat liefen dann trotz des Lärms und der räumlichen Enge zumeist unproblematisch.



«Aber anschließend setzen oft psychische Probleme ein», erläutert Manzey. Auf der Internationalen Raumstation ISS seien deshalb nicht nur regelmäßige Audio- und Video-Kontakte zu Familie und Freunden vorgesehen, sondern alle zwei Wochen auch Konferenzen mit Psychologen. «Da kann man auch mal alles auskotzen.»

Wichtig sei es, dass das Team zueinander passe und nicht nur dominante Persönlichkeiten aufeinander träfen. «Ob Frauen oder Männer ist dann eigentlich egal.» Generell sei die Situation dadurch beherrschbar, dass die Raumstation im Notfall binnen Stunden zu evakuieren sei. «Eine völlig neue Lage werden wir aber haben, wenn die ersten Astronauten zum Mars fliegen», sagt Manzey. Drei Jahre dauert allein der Hinflug, Kontakte zur Erde werden fast nur per Email möglich sein. «Dann ist noch eine ganz andere Autonomie gefordert.»

Auch die Tatsache, dass erstmals die Erde nur noch als Punkt zu sehen sei, könnte für Probleme sorgen. «Das wäre das erste Mal, dass Menschen ihren Ursprungsplaneten aus dem Blick verlieren. Aber wir wissen aus den Tagebüchern der Astronauten, dass gerade dieser Blick auf den blauen Planeten zentrale Bedeutung hat.» Auch mit Extremsituationen wie dem Tod eines Crew-Mitglieds müsse gerechnet werden. «Möglicherweise wird deshalb nicht das Medizinische, sondern das Psychologische der einzig begrenzende Aspekt einer derartigen Mission sein.»

| pro-physik.de
Weitere Informationen:
http://www.pro-physik.de

Weitere Berichte zu: Aspekt Astronaut Raumstation Weltraummission

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Verleihung GreenTec Awards 2018 – Kategorie »Energie« am 24. April 2018 auf der Hannover Messe

23.04.2018 | Förderungen Preise

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics