Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lungenkrebsrisiko steigt mit zunehmender Radonkonzentration in Wohnungen

01.07.2004


Neueste Ergebnisse einer Auswertung zweier epidemiologischer Studien des GSF - Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit geben deutliche Hinweise auf einen Anstieg des Lungenkrebsrisikos in Abhängigkeit von der Höhe der Radonkonzentration in Wohnungen.



Das GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit hat im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz eine gemeinsame Auswertung zweier epidemiologischer Studien zum Zusammenhang zwischen Radon in Wohnhäusern und Lungenkrebs vorgenommen, deren Ergebnisse nun vorgestellt wurden. Sie geben deutliche Hinweise auf einen Anstieg des Lungenkrebsrisikos in Abhängigkeit von der Höhe der Radonkonzentration in Wohnungen.


Die unter Leitung von Prof. Dr. Heinz-Erich Wichmann, dem Direktor des GSF-Instituts für Epidemiologie in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität in Teilen West- und Ostdeutschlands in den Jahren 1990-1997 angefertigten zwei Studien bildeten die Grundlage für die nun vorliegende Analyse.

Insgesamt gingen 2963 Lungenkrebsfälle und eine Bevölkerungsstichprobe von 4232 nicht an Lungenkrebs erkrankten Kontrollpersonen in die Analyse ein. In über 9000 Wohnungen, die von den Probanden entweder zum Zeitpunkt der Studie oder früher bewohnt worden waren, wurde die Höhe der Radonkonzentration gemessen. Die mittlere Radonkonzentration liegt im Studiengebiet West bei 50 Bq/m³. Im Studiengebiet Ost, das Gebiete mit bekanntermaßen höheren Radonkonzentrationen in den Bundesländern Thüringen und Sachsen umfasst, beträgt die mittlere Radonkonzentration 75 Bq/m³. In der Risikoanalyse wurde die Radonkonzentration in den letzten 5 - 35 Jahren untersucht und dabei das lebenslange Rauchverhalten, der bei weitem bedeutsamste Risikofaktor für Lungenkrebs, sowie weitere Faktoren berücksichtigt.


Für die höchste Radonkategorie (140-3000 Bq/m³, Mittelwert 252 Bq/m³) ergibt sich ein im Vergleich zur Referenzkategorie (50-80 Bq/m³, Mittelwert 38 Bq/m³) um 40% erhöhtes Lungenkrebsrisiko; dieser Schätzer ist statistisch signifikant. Das Lungenkrebsrisiko steigt pro 100 Bq/m³ um 10% an, was einer Verdoppelung bei einer Radonkonzentration von 1000 Bq/m³ entspricht; dieser Schätzer ist jedoch nur grenzwertig signifikant. Höhere Schätzer für das relative Risiko werden beobachtet für den Subtyp des kleinzelligen Bronchialkarzinoms, der mit einer besonders ungünstigen Prognose einhergeht. Radon führt sowohl bei Rauchern wie bei Nichtrauchern zu einer Erhöhung des Lungenkrebsrisikos.

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das im Erdboden beim Zerfall von Uran entsteht und durch undichte Stellen in Fundament und Keller in Wohnhäuser eindringen kann. Es stellt die Hauptquelle der natürlichen Radioaktivität dar, der die Allgemeinbevölkerung ausgesetzt ist. Aus Studien an Bergarbeitern, die unter Tage sehr hohen Radonkonzentrationen ausgesetzt sein können, ist bekannt, dass Radon die Entstehung von Lungenkrebs begünstigt.

Eine präzisere quantitative Abschätzung des Radon bedingten Lungenkrebsrisikos ist von den gemeinsamen Auswertungen der nordamerikanischen und europäischen Radonstudien zu erwarten, die in naher Zukunft vorliegen werden. Lungenkrebs ist die häufigste Krebstodesursache unter Männern in Deutschland; auch unter Frauen treten in Folge des zunehmend verbreiteten Zigarettenrauchens immer mehr Todesfälle durch Lungenkrebs auf. Neben einer Eindämmung des Rauchens ist die Reduzierung der Radonkonzentrationen in Wohnhäusern ein wichtiger Schritt zur Verringerung der Zahl der Lungenkrebserkrankungen in Deutschland.

Ulrike Koller | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de

Weitere Berichte zu: Lungenkrebs Lungenkrebsrisiko Radonkonzentration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie