Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Business Intelligence in Deutschland auf dem Vormarsch

18.06.2004

Eine verlässliche, umfassende Datenbasis ist für fast 80 Prozent der Führungskräfte Grundvoraussetzung für ihre Managemententscheidungen. Dennoch verfügt rund die Hälfte der Unternehmen derzeit noch nicht über ein unternehmensweites Informationssystem und selbst das populäre Analyseinstrument Balanced Scorecard wendet nur jedes fünfte Unternehmen an. Der Grund sind hohe Kosten, denen gleichzeitig ein schwer quantifizierbarer Nutzen gegenübersteht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Mummert Consulting in Kooperation mit den Universitäten Duisburg-Essen, Düsseldorf und der Hochschule St. Gallen.

Eine der größten Herausforderungen für den Erfolg von Business Intelligence (BI) ist die Kosten-Nutzen-Analyse der Systeme. Einerseits ist der monetäre Nutzen komplexer BI-Lösungen, die in viele Unternehmensbereiche hineinreichen, nur schwer nachzuweisen. Andererseits erfordert die Einführung derart aufwändiger Systeme spezialisiertes Know-how. Da die Unternehmen vor der BI-Einführung meist kaum Erfahrung haben, muss Know-how aufgebaut oder teure Spezialisten eingekauft werden. Auch die Hard- und Software- Anforderungen an Business Intelligence sind aufgrund der Leistungsfähigkeit der Systeme meist sehr hoch. Die Folge: Viele Chefs scheuen die Kosten einer BI-Einführung. Anders ihre Kollegen, die bereits BI-Systeme im Einsatz haben. Sie legen überraschend wenig Wert auf eine Kosten-Nutzen-Analyse. Nur jedes vierte Unternehmen erhebt regelmäßig die Kosten für seine BI-Lösung.

Trotz hoher Kosten haben viele Firmen die Notwendigkeit von Business Intelligence erkannt. Rund 1,1 Milliarden Euro wollen die deutschen Unternehmen noch in diesem Jahr in die intelligente Datenhaltung und -versorgung investieren. Um jährlich 16 Prozent werden die Ausgaben ab 2004 steigen - 2007 sollen rund 1,8 Milliarden Euro in die Erstinstallation und Weiterentwicklung von BI-Systemen fließen. Eine Lösung, dieses Geld möglichst effizient einzusetzen, könnte ein Outsourcing der BI-Systeme sein. Während bei weniger komplexen Anwendungen wie beispielsweise dem Serverbetrieb die Auslagerung an externe Dienstleister gang und gäbe ist, haben nur sieben Prozent der von Mummert Consulting befragten Unternehmen auch ihre Business Intelligence ausgelagert. Das Problem: In vielen Unternehmen sind notwendige Betriebsprozesse für BI noch nicht hinreichend standardisiert. Nur 22 Prozent der Unternehmen haben eine Prozessqualität, die ein Outsourcing zulassen würde. Ein weiteres Hemmnis liegt darin, dass BI-Systeme wie beispielsweise für die Analyse von Finanz- oder Kundendaten oft sehr sensible Daten enthalten, die für den Unternehmenserfolg von hoher Bedeutung sind.

Bisheriges IT-Outsourcing von Programmierung und Anwendungsbetrieb wurde oftmals aus Kostengründen als Offshore-Outsourcing in weit entfernten Ländern wie Indien umgesetzt. Für BI-Lösungen ist das so genannte Nearshore-Outsourcing besser geeignet. Der Grund: Meist unterliegen die Systeme einer steten Weiterentwicklung mit hoher Interaktion zwischen dem Outsourcer, der das System betreibt, und dem Fachbereich, der das System nutzt. Hier spielen Faktoren wie Sprache, Zeitzone, Kultur, Reiseaufwand und versteckte Kosten eine wichtige Rolle. Entsprechend eignen sich in der Regel nur Teile des BI-Systems - wie beispielsweise die Datenbewirtschaftung - für ein Outsourcing. Ein schneller Zugriff auf den Outsourcing-Dienstleister muss auf jeden Fall gewährleistet sein. Um dennoch Einsparungen zu erreichen, sind besonders die neuen osteuropäischen EU-Länder Ziel des Outsourcings. Beispiel Tschechien: Hier haben sich bereits rund 17 Unternehmen unterschiedlicher Größe auf BI-Dienstleistungen für westliche Firmen spezialisiert. Den Kostenvorteil erreichen die Outsourcing-Dienstleister vor allem durch die niedrigeren Personalkosten. Dadurch steigt bei den Auftraggebern der Return on Investment (ROI), und das Business-Intelligence-System rechnet sich für die Unternehmen deutlich schneller.

Ein weiterer Vorteil der Auslagerung an erfahrene BI-Dienstleister: Das System ist wesentlich schneller betriebsbereit, da meist auf vorhandene Ressourcen beim Outsourcing-Anbieter zurückgegriffen werden kann. Das senkt die Kosten und erhöht durch eine kurze Implementierungszeit wiederum den ROI der Business-Intelligence- Lösung. Das Unternehmen kann sich weiter auf seine Kernprozesse und das Kerngeschäft konzentrieren und muss sich nicht mit häufig geschäftsfremden Prozessen wie der Einführung oder dem Betrieb der BI beschäftigen. Besonders in den USA ist das Auslagern von Business Intelligence mittlerweile weit verbreitet. Große Unternehmen wie J.P. Morgan, L’Oreal oder die Washington Post lassen ihre BI-Systeme von Outsourcing-Dienstleistern betreuen.

Jörg Forthmann | Mummert Consulting AG
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

Weitere Berichte zu: BI-Lösung BI-System Business Vision Intelligence Outsourcing

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise