Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Service-Offshoring auf dem Vormarsch - Ergebnisse übertreffen Erwartungen

18.06.2004


Rund 40 Prozent der europäischen und 25 Prozent der deutschen Top-Unternehmen haben bereits Dienste ins Ausland verlagert - 44 Prozent der Unternehmen planen (weitere) Maßnahmen für die kommenden Jahre. Das Leitmotiv lautet bislang noch: Kosten senken. "Backoffice"-Dienste werden häufiger ausgelagert als "Frontoffice"-Aktivitäten - in Deutschland beides gleichgewichtig. Über 80 Prozent der Projekte werden als "erfolgreich" oder "sehr erfolgreich" bewertet - Erwartungen oft übertroffen. Deutsche Unternehmen überbetonen Risiken.

Rund vier von zehn europäischen und ein Viertel der deutschen Top-Unternehmen verlagern bereits heute Dienste ins Ausland ("Offshoring"). 44 Prozent der Unternehmen planen (weitere) Maßnahmen für die kommenden Jahre. Mehr als 80 Prozent dieser Projekte werden als "erfolgreich" oder "sehr erfolgreich" eingeschätzt, die Erwartungen (etwa an Kosteneinsparungen und bessere Service-Qualität) oft übertroffen. Das Leitmotiv heißt bisher noch: Kosteneinsparungen. So lauten die zentralen Ergebnisse der ersten umfassenden Studie zum Auslagern von Service-Prozessen, die Roland Berger Strategy Consultants und United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) mit 100 führenden europäischen Unternehmen durchgeführt haben.

Methodik

Die Studie wurde von April bis Anfang Juni erstellt. Sie stützt sich auf eine repräsentative Befragung von 100 Unternehmen verschiedener Branchen unter den 500 umsatzstärksten Firmen Europas. Vorstände und andere Entscheidungsträger wurden dabei persönlich interviewt. Die untersuchten Firmen erwirtschaften rund zehn Prozent des europäischen Brutto-Inlandsprodukts.

Trend hält an

Der Studie zufolge haben 39 Prozent der befragten europäischen Unternehmen (25 Prozent der deutschen) bereits Service-Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. 44 Prozent planen (weitere) Maßnahmen in den nächsten Jahren (in Deutschland rund 40 Prozent). Auf Unternehmen aus Großbritannien, Deutschland und Benelux entfallen 89 Prozent aller ausgelagerten Service-Arbeitsplätze (61 Prozent auf britische Unternehmen, je rund 14 Prozent auf Firmen aus Deutschland und Benelux).

Haupttreiber bisher noch Kostensenkung

70 Prozent der Unternehmen lagern Arbeitsplätze aus, um ihre Lohnkosten zu senken. 59 Prozent geben an, auch sonstige Kosten minimieren zu wollen. Die durch Service-Offshoring erzielten Einsparungen beziffern sich auf durchschnittlich 30 Prozent.

Darüber hinaus erwarten 43 Prozent, durch das Offshoring ihre Servicequalität zu steigern. 41 Prozent rechnen damit, sich stärker auf Kernkompetenzen zu konzentrieren, 35 Prozent, ihre Prozesszyklen zu beschleunigen. Je 30 Prozent erhoffen bessere Reaktionsmöglichkeiten auf eigene Personal- und Kapazitätsengpässe sowie eine Erweiterung des Dienstleistungsportfolios. 27 Prozent erwarten, ihre Töchterunternehmen im Zielland zu stärken und 22 Prozent, sich so einen besseren Zugang zu moderner Technik und Infrastruktur zu verschaffen.

"Bei der Entscheidung, ob Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden sollen und welche Länder dafür in Frage kommen, geben vor allem der Wettbewerb sowie die Verfügbarkeit und Kosten von qualifiziertem Personal und guter Infrastruktur den Ausschlag", sagt Thomas Eichelmann, Senior Partner und Mitglied des weltweiten Executive Committee von Roland Berger Strategy Consultants.

Zielregionen und Branchenvorreiter

Zu den bevorzugten Zielregionen europäischer Unternehmen gehören Europa mit 51 Prozent (davon Westeuropa 29, Osteuropa 22 Prozent) sowie Asien mit 37 Prozent (davon Indien rund 70 Prozent). Deutsche Unternehmen zieht es vor allem nach Mittel- und Osteuropa (etwa Polen und Ungarn), nach Russland, Spanien, Griechenland und Skandinavien sowie nach Indien, Thailand und Mexiko.

Finanzdienstleister sowie Elektronik- und Technologie-Unternehmen haben bislang die meisten Service-Arbeitsplätze ins Ausland verlagert.

"Backoffice" und "Frontoffice"

Rund 60 Prozent der europäischen Unternehmen lagern interne, eher kundenferne Aktivitäten ("Backoffice") aus (zum Beispiel Finanz- und Rechnungswesen, IT und Personalwesen) oder planen dies zu tun. Gut ein Viertel der Unternehmen verlagert auch kundennahe Dienste ("Frontoffice"), wie beispielsweise Callcenter. Bei den deutschen Unternehmen werden Backoffice- und Frontoffice-Dienste gleichgewichtig verlagert.

"Captive Offshoring" und "Outsorcing"

Die Unternehmen nutzen zwei Offshoring-Modelle zu etwa gleichen Anteilen, um ihre Auslagerungsstrategien umzusetzen. Bei "Captive Offshoring" (konzerninterne Verlagerung, 52 Prozent) werden Dienste aus dem Unternehmen heraus erbracht: Entweder durch eine interne Unternehmenseinheit oder eine hundertprozentige Tochter, durch Joint ventures oder strategische Allianzen. Beim "Outsourcing" (48 Prozent) werden Service-Aufträge an einen externen Dienstleister ausgelagert, zum Beispiel an eine lokale Firma mit Sitz im Zielland oder die Niederlassung eines Drittanbieters, der selbst keinen Hauptsitz im Zielland unterhält.

Harte und weiche Faktoren berücksichtigt

59 Prozent der Unternehmen entscheiden sich ausschließlich anhand harter Faktoren (etwa Kosten, Kompetenzen und Zeitzone) für ein Zielgebiet. 41 Prozent berücksichtigen zusätzlich weiche Faktoren. Davon reagieren 47 Prozent vor allem auf bewährte Maßnahmen der Wettbewerber. 27 Prozent berücksichtigen die politische Lage im Zielland, je 20 Prozent das Angebot eines Geschäftspartners, Lobbying durch den Offshoring-Partner im Zielland, Lobbying des Ziellands sowie positive Erfahrungen in der Region.

Erwartungen übertroffen

Die meisten befragten Unternehmen zeigen sich sehr zufrieden mit ihren Offshoring-Erfahrungen. "61 Prozent unserer Interviewpartner bezeichnen ihre Projekte als ’sehr erfolgreich’, 22 Prozent als ’erfolgreich’ und nur 3 Prozent werten sie als Misserfolg. 14 Prozent sagen, dass eine Bewertung noch nicht möglich ist", erläutert Thomas Eichelmann.

Deutsche Unternehmen überbetonen Risiken

Rund die Hälfte der europäischen Unternehmen fürchtet einen möglichen Rückgang der Servicequalität (51 Prozent) und mangelnde Kontrollmöglichkeiten (49 Prozent), ferner den Verlust von firmeninternen Kenntnissen (42 Prozent) und Flexibilität (39 Prozent), negative Auswirkungen in der Öffentlichkeit (29 Prozent) oder weniger Möglichkeiten, Vertraulichkeit zu sichern (27 Prozent) und Kosten zu kontrollieren (19 Prozent). Deutsche Unternehmen überbetonen die erwarteten Risiken.

UNCTAD (www.unctad.org) ist die Zentralstelle der Vereinten Nationen für alle Fragen des Handels und der Entwicklung sowie damit verbundener Themen im Bereich Finanzen, Technik, Investitionen und nachhaltige Entwicklung.

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 32 Büros in 22 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. 1.630 Mitarbeiter haben im Jahr 2003 einen Honorarumsatz von über 530 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von mehr als 160 Partnern.

Susanne Horstmann | Roland Berger
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

Weitere Berichte zu: Offshoring Service-Arbeitsplatz Service-Offshoring

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften