Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gedächtnisschwäche aufgrund von Stress-Situationen

14.06.2004


Studie an 500 Soldaten unter Ausnahmebedingungen



Menschen sind beklagenswert schlecht darin, sich Details ihrer eigenen traumatischen Erfahrungen wieder ins Gedächtnis zu rufen. Angehörige des Militärs wurden bedrohendem Verhalten im Rahmen eines gespielten Verhörs ausgesetzt. Die meisten Testpersonen konnten ihren Fragesteller einen Tag später nicht mehr identifizieren, manche merkten sich nicht einmal das Geschlecht richtig. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist . Diese Ergebnisse ziehen die Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen bei Vorliegen psychologischer Traumata ernsthaft in Zweifel.

... mehr zu:
»Stress-Situation


Zahlreiche Studien haben sich der Genauigkeit der Erinnerung traumatischer Ereignisse gewidmet, aber diese Forschung wird oft als zu künstlich abgelehnt, außerdem könnten Traumata des realen Lebens nicht intensiv genug simuliert werden. Andere Studien gehen von der Hypothese aus, dass intensive persönliche Erlebnisse eine nahezu photographische Erinnerung auslösen können, wovon Staatsanwälte und Geschworene bei Gerichtsfällen ausgehen. Doch einige Forscher glauben, das sei eine Illusion. "Menschen gehen davon aus, dass sie ihre Erlebnisse nie vergessen werden", führt Gary Wells, Experte für Augenzeugenberichte an der Universität von Iowa in Ames, aus, "aber sie verwechseln das mit der Erinnerung von Details."

Andy Morgan und seine Kollegen von der Yale University haben nun den Beweis mit wirklich stressigen Situationen angetreten. Sie untersuchten mehr als 500 Soldaten, Matrosen und Piloten in Überlebenscamps der Army. Die Testpersonen, deren Durchschnittsalter 25 Jahre war, wurden trainiert, den mentalen und physischen Stress-Situationen einer Gefangennahme standzuhalten. Nach 48 Stunden ohne Nahrungsaufnahme und Schlaf wurden sie einer intensiven Befragung unterzogen. Die Hälfte der Personen wurde auch physisch bedroht, was alle Zeichen physiologischen Stresses, nämlich eine hohe Herzfrequenz und ein hohes Niveau von Adrenalin und Cortisol in Verbindung mit stark rückgängigen Sexualhormonen ausgelöst hat.

24 Stunden nach der Freilassung aus dem Camp, wurden die Testpersonen angehalten ihren Fragesteller zu identifizieren. Einer Gruppe wurde ein Line-up von 15 Personen gezeigt, einer anderen ein Gruppenbild und einer dritten Gruppe eine Sequenz von einzelnen Fotos. Auf einer Skala von eins bis zehn sollten sie bewerten, wie sicher sie waren, dass sie die richtige Person ausgewählt hatten. Die meisten Interviewer wurden in der Standarduniform gezeigt, aber ein paar waren genauso angezogen wie bei den Verhören.

Die Leistung aller drei Gruppen war miserabel. Nur 30 Prozent konnten die richtige Person in dem Line-up identifizieren, 34 Prozent lagen beim Gruppenbild richtig und 49 Prozent hatten bei den sequentiellen Einzelphotos Erfolg. Durch den Hinweis mit der Kleidung konnte die Identifizierungsrate auf 66 Prozent erhöht werden. 30 Personen verwechselten das Geschlecht. Jene, die einer körperlichen Bedrohung ausgesetzt wurden, waren am schlechtesten bei der Wiedererkennung ihres Fragestellers.

Elizabeth Loftus, eine Psychologin an der Universität von Kalifornien in Irvine, sagte die Studie sei einzigartig, weil der Stress intensiv und real war. Auch Wells stimmt dem zu: "Es zeigt sehr gut, dass Stress dem Gedächtnis nicht hilft."

Marietta Gross | pressetext.austria

Weitere Berichte zu: Stress-Situation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie