Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erwerbstätige richten sich auf längere Lebensarbeitszeit ein

10.05.2004


Bundesministerium stellt Kurzbericht des Alterssurvey 2002 zum Thema "Geplantes und realisiertes Austrittsalter aus dem Erwerbsleben" vor


Immer mehr Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen planen, länger zu arbeiten als bisher vorgehabt. Das ist das Ergebnis einer Teilstudie des Alterssurveys unter dem Titel ’’Geplantes und realisiertes Austrittsalter aus dem Erwerbsleben’’, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt wurde. Danach planen heute nur noch 35 Prozent der Erwerbstätigen im Alter von 40 Jahren, spätestens mit 60 Jahren aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, 1996 waren es noch 50 Prozent. Die Studie, die vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) durchgeführt wurde, zeigt gleichzeitig auch, dass die Erwerbstätigen noch keine klaren Vorstellungen haben, wie viel länger sie arbeiten wollen.

’’Der Trend, die Menschen immer früher aus gesellschaftlichen Funktions- und Verantwortungsbereichen auszugliedern, insbesondere der Arbeitswelt, ist nicht mehr zeitgemäß’’, sagte Bundesministerin Renate Schmidt. ’’Die demographische Entwicklung hat zur Folge, dass gesellschaftliche und wirtschaftliche Aufgaben in Zukunft nur dann bewältigt werden können, wenn die Beteiligung aller - das heißt auch älterer Menschen - erfolgt. Der große Wandel, den wir derzeit in der Arbeitswelt erleben, macht eine Erwerbsbiografie nicht mehr in der gleichen Weise planbar, in der das vor ein, zwei Jahrzehnten noch der Fall war. Mit einer veränderten Lebensplanung reagiert die erwerbstätige Bevölkerung auf die veränderten Realitäten. Es ist ein Gewinn, wenn in der Arbeitswelt junge und ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gleichermaßen vertreten sind. Denn in der Vergangenheit wurden die Erfahrung und das Fachwissen gerade Älterer oft zu wenig eingesetzt. Auch der Fünfte Altenbericht, den die Bundesregierung im Sommer 2005 vorlegen wird, befasst sich mit den Möglichkeiten einer besseren Einbindung von Älteren in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben.’’


Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit rund 40 Prozent Erwerbstätigen im Alter von 55 bis 64 Jahren im unteren Drittel des OECD-Durchschnitts von 48 Prozent. Schweden und Norwegen haben im Vergleich dazu mit 70 Prozent von Menschen in dieser Altersgruppe einen sehr hohen Beschäftigungsanteil. Der geringe Erwerbstätigenanteil in Deutschland erklärt sich durch die massive Förderung von Frühverrentung und Frühausgliederung bis zur Mitte der 1990er-Jahre. In ihrem Fortschrittsbericht 2004, der die Nachhaltigkeitsstrategie ’’Perspektiven für Deutschland’’ evaluiert, widmet sich die Bundesregierung deshalb der Frage, wie man die Potenziale älterer Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft besser nutzen kann als bisher.

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen:
  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben ihre Erwartungen hinsichtlich des Eintritts in den Ruhestand in den letzten Jahren deutlich verändert. So fiel der Anteil der Erwerbstätigen ab 40 Jahren, die mit spätestens 60 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden wollten, zwischen 1996 und 2002 von 50 auf 35 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil derjenigen, die keine konkreten Angaben zum geplanten Ausstiegsalter machen können, in sechs Jahren von 18 auf 32 Prozent. Heute geht eine Mehrheit von 65 Prozent der Befragten davon aus, dass sie länger arbeiten werden, um im Ruhestand ein besseres Alterseinkommen zu erzielen.

  • Die Abkehr von einem frühen Ausstieg aus dem Erwerbsleben vollzieht sich bei Frauen stärker als bei Männern und ist im Westen ausgeprägter als im Osten Deutschlands. Der Anteil erwerbstätiger westdeutscher Frauen, die planen, mit spätestens 60 Jahren in den Ruhestand zu gehen, verringerte sich zwischen 1996 und 2002 um 21 Prozentpunkte auf 36,3 Prozent. Bei den Ostdeutschen Frauen sank diese Quote um 20 Prozentpunkte auf 55,3 Prozent. Bei den erwerbstätigen Männern sank diese Erwartung jedoch nur um 14,1 Prozentpunkte auf 35,2 Prozent, bei den ostdeutschen Männern war sogar eine leichte Zunahme von 2,6 Prozentpunkte auf 32,5 Prozent zu verzeichnen.
    Ein Grund für diese Entwicklung könnte die Anhebung der Altersgrenzen für die vorgezogene Frauenaltersrente von 60 auf 65 Jahren sein. Frauen haben die Altersgrenzenanhebung subjektiv bereits in einem höheren Maße vollzogen als Männer. Sie nennen häufiger ein konkretes geplantes Ausstiegsalter zwischen dem 61. und 65. Lebensjahr.

  • Männer planen im Schnitt mit 62 Jahren ihren Austritt aus dem Erwerbsleben, Frauen mit 61,1 Jahren. Der Kurzbericht zeigt, dass die angehobenen Altersgrenzen für die vorgezogenen Altersrenten und die steigende Bedeutung der Regelaltersgrenze erst langsam als neue biografische Orientierungspunkte für die Ruhestandsperspektiven der Erwerbstätigen zwischen 40 und 60 Jahren gelten. Gleichzeitig wird von den Befragten teilweise an unrealistisch frühen Ausstiegsplänen festgehalten, die vermutlich nicht oder nur mit erheblichen Einbußen des Alterseinkommens realisiert werden können.

| BMFSFJ
Weitere Informationen:
http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=18252.html

Weitere Berichte zu: Arbeitswelt Erwerbsleben Erwerbstätig Prozentpunkt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie