Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Rose nach anderer Definierung

06.05.2004


Eine Forschungsarbeit des Weizmann Instituts gibt Aufschlüsse über die Frage: "Erleben wir das, was wir sehen, auf die selbe Weise wie andere?"


Eine Rose ist ein Rose ist eine Rose, aber sehen wir, der Künstler und der Dichter dieselbe Blume auf dieselbe Weise? Diese uralte philosophische Frage wurde nun von Wissenschaftlern des Weizmann Instituts geprüft.

Um individuelle Aufnahmen eines visuellen Erlebnisses zu vergleichen, haben Prof. Rafael Malach und Uri Hasson gemeinsam mit ihren Kollegen an der Abteilung für Neurobiologie, Voluntären ein Filmsegment gezeigt (in diesem Fall aus dem klassischen Western "The Good, the Bad and the Ugly"), während sie Gehirnscans mit regulär funktionierendem MRI-Geräten unterzogen wurden. Diese Scans erlaubten es den Wissenschaftlern zu beobachten, wessen Gehirne während der Liebes- oder Waffenszenen aktiv waren. Da der Film eine breite Auswahl an verschiedenen visuellen Stimulatoren anbietet - Landschaft, Gesichter, Action, usw. - konnten die Wissenschaftler die Reaktion des Gehirns auf eine reichhaltige, dynamische Szene hin verfolgen. Den Testpersonen einen Film anstelle von vorsichtig ausgewählten Diabildern zu zeigen, wie dies bei solchen Experimenten gewöhnlich getan wird, führte zu einigen überraschenden Ergebnissen. Anstatt nur eine Art von Stimulus zu zeigen und die Reaktion abzuwarten, wurde es den Gehirnregionen erlaubt, eine eigene Auswahl aus einer Vielzahl von Möglichkeiten zu treffen; die Wissenschaftler prüften dann diese Auswahl.


Sie fanden eine auffallende Ähnlichkeit zwischen der Gehirnaktivitätsmustern bei allen Personen; so große Ähnlichkeit, dass das Muster einer Person benutzt werden konnte, um die Gehirnaktivität einer anderen Person während desselben Filmsegments vorherzusagen. "Trotz unseres starken Gefühls von Individualität, impliziert ein so hohes Niveau der Übereinstimmung, dass unsere Gehirne `gleich ticken´, wenn wir derselben visuellen Umgebung ausgesetzt werden," sagt Malach.

Überraschenderweise hat das Betrachten der Gehirnscans ergeben, dass wir alle buchstäblich denselben Film sehen und die aktiven Regionen in unseren Gehirnen aber alle verschiedene Filme sehen. Da jede Region von einem bestimmten Trigger aktiviert wird, sucht sie sich nur die Teile aus, die auf ihre spezialisierte Präferenz "ansprechen". So reagierte die Region, die bei der Erkennung von Gesichtern aktiviert wird, nur dann, wenn sie in Großformat auf dem Bildschirm erschienen, während Landschaft eine Reaktion in einer anderen Gehirnregion , welche uns durch dreidimensionalen Raum geleitet, anregte. Die Wissenschaftler bemerkten eine dritte Region, die aktiviert zu werden schien, wenn die Schauspieler feine Handbewegungen vollführten, von denen sie meinten, dass sie vielleicht Teil eines Netzwerks der Gehirnregionen sind, die uns dabei helfen, die Handlungen und Absichten anderer zu verstehen. "So kommt es," sagt Malach, "dass verschiedene Regionen Ihres Gehirns jeweils einen völlig eigenen Film verarbeiten. Die einheitliche Aufnahme, die Sie erleben, ist eigentlich das Ergebnis einer großartigen, individuellen `jam session´ der vielen, verschiedenen, hoch spezialisierten Gehirnregionen."

Prof. Rafael Malachs Forschungsarbeit wird finanziert von: Mary Ralph Designated Philanthropic Fund; James S. McDonnell Foundation; Nella and Leon Benoziyo Center for Neurosciences; Murray H. & Meyer Grodetsky Center for Research of Higher Brain Functions; Edith C. Blum Foundation Inc.

Ariela Rosen | idw
Weitere Informationen:
http://wis-wander.weizmann.ac.il

Weitere Berichte zu: Filmsegment Forschungsarbeit Gehirnregion Gehirnscan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen