Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltstandards für den Bereich niedriger Dosen

03.05.2004


Die Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH stellt heute das Ergebnis der Arbeit ihrer interdisziplinären Projektgruppe "Umweltstandards" in Berlin vor. Die Arbeitsgruppe mit interdisziplinärer Besetzung hat sich des Themas der Umweltstandards für toxische Agenzien (toxische Substanzen und ionisierende Strahlen) im niedrigen Dosisbereich angenommen und Empfehlungen für das Handeln unter Risiko bei der Setzung von Umweltstandards in diesem Bereich entwickelt.



Umweltstandards für toxische Agenzien sind notwendig, um schädigende Einflüsse auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu vermeiden bzw. in tolerablen Grenzen zu halten. Solche Umweltstandards bzw. in ihnen enthaltene Grenzwerte werden in einem Dosisbereich gesetzt, in dem keine messbaren Wirkungen festzustellen sind. Für viele Stoffe, vor allem diejenigen, die ohne Schwellendosis wirken, kann in diesem niedrigen Dosisbereich keine eindeutige Aussage über das Risiko gemacht werden. Um Aussagen über eventuelle Effekte im niedrigen Dosisbereich machen zu können, ist man auf eine Abschätzung der Wirkung durch Extrapolation von gemessenen Effekten bei höheren (in der Umwelt so gut wie nie auftretenden) Dosen angewiesen. Dieses Vorgehen ist mit Unsicherheiten verbunden. Bei der Umsetzung der wissenschaftlichen Daten in Gesetze und Verordnungen spielen Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz eine große Rolle, weil auch in diesen niedrigen Dosisbereichen mit einem Risiko, wenn auch einem geringen, nicht messbaren, gerechnet werden muss. Es werden daher normative, ethische und soziologisch-psychologische Fragen diskutiert.



Zur Risikoabschätzung wird bei Agenzien, die Krebs verursachen, häufig ein lineares Modell ohneSchwellendosis (LNT-Modell) angenommen, was durch wissenschaftliche Befunde untermauert wird. Allerdings muss in Betracht gezogen werden, dass das LNT-Modell experimentell nicht direkt bewiesen werden kann. Für die Risikobewertung ionisierender Strahlung wird von der Projektgruppe die Beibehaltung des LNT-Konzeptes empfohlen. Es gibt keine Hinweise, die rechtfertigen könnten, von diesem Konzept abzuweichen. Dies gilt auch für einige gentoxische Substanzen. Da die Mechanismen der Krebsentstehung für diese Substanzen und ionisierende Strahlen sehr ähnlich sind, wird eine Harmonisierung der Risikobewertung vorgeschlagen. Bei Chemikalien gibt es jedoch auch Karzinogene, für die das LNT-Konzept nicht gültig ist und für die verschiedene Typen von Schwellen identifiziert werden können. Diese Mechanismen werden in der Studie der Arbeitsgruppe im Einzelnen beschrieben.

Hinsichtlich des gesellschaftlichen Risikomanagements wirft der rechtliche Begriff der ’Vorsorge’ und seine Abgrenzung zum ’Restrisiko’, das von allen Bürgern toleriert werden muss, Probleme auf. Das Vorsorgeprinzip bezieht sich auf die Sachlage der ’Unsicherheit’. Jedoch erfordert die Einstufung eines ’Zustands der Unsicherheit’ als ’Risiko’, das verringert werden muss, ein angemessenes Verdachtsmoment. Ein bloß spekulativer Verdacht ist unzureichend. Aus juristischer Sicht erscheint eine normative Harmonisierung im Bereich der Extrapolation wünschenswert und sollte immer dort in Betracht gezogen werden. Die LNT-Hypothese ist legitim, solange es keinen starken Beweis dafür gibt, dass sie für ein bestimmtes Agens ungültig ist.

Die Präsentation der Studie findet statt am 3.5.2004 um 18 Uhr in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Leibnizsaal, Jägerstraße 22-34. 10117 Berlin

Veröffentlichung:

C. Streffer, H. M. Bolt, D. Follesdal, P. Hall, J. G. Hengstler, P. Jacob, D. Oughton, K. Prieß, E. REhbinder, E. Swaton (2004) Low Dose Exposures in the Environment. Dose-Effect Relations and Risk Evaluation. Band 23 der Schriftenreihe Wissenschaftsethik und Technikfolgenbeurteilung (hrsg. Von C. F. Gethmann). Springer-Verlag, Berlin Heidelberg. ISBN 3-540-21083-0

Friederike Wütscher | idw
Weitere Informationen:
http://www.europaeische-akademie-aw.de

Weitere Berichte zu: Agenzien Dosisbereich Risikobewertung Umweltstandard

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

Wissenschaftler haben eine neue Methode entwickelt, um die Eigenschaften von Graphen ohne das Anlegen störender elektrischer Kontakte zu charakterisieren. Damit lassen sich gleichzeitig der Widerstand und die Quantenkapazität von Graphen sowie von anderen zweidimensionalen Materialien untersuchen. Dies berichten Forscher vom Swiss Nanoscience Institute und Departement Physik der Universität Basel im Wissenschaftsjournal «Physical Review Applied».

Graphen besteht aus einer einzigen Lage von Kohlenstoffatomen. Es ist transparent, härter als Diamant, stärker als Stahl, dabei aber flexibel und ein deutlich...

Im Focus: New Method of Characterizing Graphene

Scientists have developed a new method of characterizing graphene’s properties without applying disruptive electrical contacts, allowing them to investigate both the resistance and quantum capacitance of graphene and other two-dimensional materials. Researchers from the Swiss Nanoscience Institute and the University of Basel’s Department of Physics reported their findings in the journal Physical Review Applied.

Graphene consists of a single layer of carbon atoms. It is transparent, harder than diamond and stronger than steel, yet flexible, and a significantly better...

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftsforum Chemie 2017

30.05.2017 | Veranstaltungen

Erfolgsfaktor Digitalisierung

30.05.2017 | Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

30.05.2017 | Physik Astronomie

Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Nano-U-Boot mit Selbstzerstörungs-Mechanismus

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie