Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Unternehmen suchen nach Alternativen zum Outsourcing

28.04.2004


Studie von Deloitte nennt Erfolgskriterien und Benchmarks bei der Bündelung von Verwaltungsprozessen

Traditionsgemäß besaß in der Vergangenheit jede Tochtergesellschaft eines Unternehmens ein eigenes Rechnungswesen und eine eigene IT- und Personalabteilung. Diesen Luxus können und wollen sich viele deutsche Unternehmen heute nicht mehr leisten. Sie bündeln daher ihre an unterschiedlichen Standorten abgewickelten Supportprozesse in so genannten Shared Service Centern und entlasten dadurch die Tochtergesellschaften von Verwaltungsaufgaben. Im Unterschied zum Outsourcing betreiben die Unternehmen diese Center jedoch selbst. Deloitte hat eine umfassende Studie zum Thema Shared Services bei rund 60 Unternehmen in Deutschland durchgeführt. Die Teilnehmer kommen aus dem produzierenden Gewerbe, dem Dienstleistungssektor und dem Handel. Shared Services werden auch vom Mittelstand eingesetzt: 30% der befragten Unternehmen haben einen Umsatz von weniger als 100 Millionen Euro.

Shared Service Center ermöglichen Kosteneinsparungen

Die Hauptgründe für eine Implementierung von Shared Services sind Kosteneinsparungen durch Prozess-Standardisierung und Mitarbeiterabbau sowie eine Verbesserung der Servicequalität durch die Erhöhung der Kundenorientierung. Heinz-Josef Hermes, Partner bei Deloitte: "Viele Unternehmen wollen sich nicht in die Abhängigkeit eines Outsourcing-Unternehmens begeben und einen Verlust von Know-how riskieren. Für Unternehmen, die sensible Informationen wie beispielsweise Kundendaten und Einkaufskonditionen nicht an Dritte weitergeben wollen, stellen Shared Services eine echte Alternative zum Outsourcing dar."

Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Zentralabteilungen bestimmen bei Shared Services die Tochtergesellschaften den Umfang und Inhalt der empfangenen Leistungen. Gerd Schwarz, Leiter der Serviceline Performance Management von Deloitte: "Die internen Kunden bezahlen nur was sie tatsächlich in Anspruch nehmen. Ihre Zufriedenheit mit dem erhaltenen Service wird regelmäßig gemessen."

60% der befragten deutschen Unternehmen, die bereits SSC im Einsatz haben, benötigten weniger als ein Jahr von der Projektgenehmigung bis zum Go Live. Kein einziges Unternehmen benötigte länger als zwei Jahre. Über die Hälfte geben an, eine Amortisationszeit von unter zwei Jahren realisiert zu haben. Bei 75% der teilnehmenden Unternehmen beträgt die Amortisationszeit weniger als drei Jahre. 65% der befragten Unternehmen mit Shared Services Center haben zwischen zwei und vier Center im Einsatz.

Zu den am häufigsten in ein Shared Service Center transferierten Aufgaben gehören die Debitoren-, Kreditoren- und Anlagenbuchhaltung, die Kontenabstimmung sowie der IT-Anwendungssupport. Dagegen sind Shared Services im Bereich des Einkaufs in Deutschland bislang wenig verbreitet. Nur 15% der befragten Unternehmen geben an, ihren Einkauf durch ein Shared Service Center abzuwickeln.

Kritische Erfolgsfaktoren

Die kritischen Erfolgsfaktoren bei der Implementierung sind die ausreichende Freistellung personeller Ressourcen, ein effizientes Projektmanagement sowie eine sofortige Optimierung der Prozesse bei der Migration in das Shared Service Center. Da es in der Regel zu Veränderungen des Aufgaben- und Verantwortungsbereiches von Mitarbeitern kommt, müssen auch weiche Faktoren berücksichtigt werden. Diese werden jedoch in der Praxis häufig unterschätzt.

Zur Standortwahl meint Shared Service Experte Gerd Schwarz: "Das wichtigste Kriterium für die Standortwahl ist die Nähe zu bereits bestehenden Unternehmensstandorten. Gerade kleinere Unternehmen wagen nicht gleich den großen Schritt in die Niedriglohnländer. Bedeutend

Nähe zu den leistungsempfangenden Bereichen. Sehr häufig werden Standortentscheidungen jedoch nicht systematisch, sondern einfach auch aus dem Bauch heraus getroffen."

Mehr als die Hälfte der Unternehmen verrechnet die in den SSC entstehenden Kosten über interne Verrechnungspreise an die Tochtergesellschaften. Nur zehn Prozent der Unternehmen legen diesen Marktpreise zu Grunde.

Deloitte Partner Hermes weist auch auf die im Unterschied zum Outsourcing hohe Zufriedenheit mit Shared Services hin: "85 Prozent der Unternehmen sind mit ihrem Shared Service Center entweder zufrieden oder sehr zufrieden. Sehr unzufrieden war kein einziges Unternehmen."

| ots

Weitere Berichte zu: Outsourcing SSC Tochtergesellschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie