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Pflegewissenschaftler lernen handlungsorientiert

14.04.2004

Lehr- und Fortbildungsoffensive, Teil 9: Erforschung der Gesundheitsreform und moderne didaktische Konzepte gehen in Witten Hand in Hand



Welche Folgen hat die Einführung der Fallpauschalen in Krankenhäusern für die Arbeit des Pflegepersonals und damit auch für die Patientenversorgung? Auch diese Frage gehört zum Forschungsspektrum des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke. Die Studien werden im Rahmen eines Seminarprojekts des Instituts durchgeführt. Forschen und Lernen gehen dabei Hand in Hand. Das aktuelle gesundheitspolitische Thema dient den Studierenden auch dazu, wissenschaftliche Methoden zu vertiefen und schon früh Forschungserfahrungen zu sammeln. Das Stichwort hier heißt "Handlungsorientiertes Lernen".



Wurde bisher von den Krankenkassen in der Mehrheit der Fälle nach den Aufenthaltstagen der Patienten im Krankenhaus abgerechnet, so werden die Kosten jetzt gemäß der medizinischen Diagnose erstattet. Den neuen Fallpauschalen, die im Zuge der Gesundheitsreform zum 1. Januar 2004 eingeführt worden sind, liegt die Annahme zugrunde, dass bei gleicher medizinischer Diagnose der Pflegeaufwand pro Patient ebenfalls gleich ist. Diese Annahme war in Deutschland bisher weder in der Praxis noch durch wissenschaftlich fundierte Forschungen begründet. In ersten Studien haben die Wittener Pflegewissenschaftler herausgefunden, dass der Aufwand bei verschiedenen Menschen mit Herzinfarkt sehr unterschiedlich groß sein kann und die entsprechend vorgesehene Finanzierung den Pflegeaufwand zu gering bewertet.

Bei dem laufenden Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik und der Diplom-Volks- und Betriebswirtin Elke Donath trainieren die Studierenden die eigenständige Bearbeitung von Forschungsproblemen - von der Hypothesenbildung über die Datenerhebung bis zur Präsentation der Ergebnisse. Gemäß dem Konzept des Handlungsorientierten Lernens lassen sich beim eigenständigen Entdecken und Formulieren und vor allem beim eigenständigen Entdecken und Überwinden von Schwierigkeiten höhere Lernerfolge erzielen als mit traditionellen didaktischen Methoden. Bei ihren Forschungen zu den Auswirkungen der neuen Fallpauschalen, auch DRG genannt, kooperieren die Wittener Pflegewissenschaftler mit Kliniken in der gesamten Bundesrepublik. In einem nächsten Analyseschritt geht es z.B. darum, wie sich die reformierte Finanzierungsregelung auf die Arbeitsbelastung der Pflegenden auswirkt.

Kontakt: Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik, 02302/669-147
Elke Donath, Dipl. Betriebsw., Dipl. Volksw., 02302/669-365

Dr. Olaf Kaltenborn | idw

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