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Immer mehr Menschen können 105. Geburtstag feiern

06.04.2004


Studie zur Langlebigkeit der ältesten Deutschen: Zahl der Höchstaltrigen nimmt rapide zu


Die Bevölkerung in Deutschland – wie in den meisten industrialisierten Ländern – hat im 20. Jahrhundert eine dramatische Steigerung der Lebenserwartung um mehr als 30 Jahre erfahren (Frauen 32 Jahre, Männer 30 Jahre). Die andauernde Verminderung der Sterblichkeit in allen Altersklassen, jedoch speziell im höheren Alter, führt dazu, dass immer mehr Menschen ein außergewöhnlich hohes Alter erreichen.

In Deutschland hat sich zum Beispiel die Zahl derjenigen Menschen, die ihren 105. oder einen höheren Geburtstag feiern konnten, innerhalb der vergangenen zehn Jahre fast verdreifacht (Abbildung 1). Die wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens extremer Langlebigkeit gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Viele Fragen zu den Gesetzmäßigkeiten der Sterblichkeit von höchstaltrigen Menschen sind bis heute ungeklärt. Gibt es eine Obergrenze für das Lebensalter des Menschen? Steigt das Sterberisiko eines Menschen mit zunehmendem Alter kontinuierlich oder verringert es sich im sehr hohen Alter, ähnlich wie es bei einigen anderen Spezies beobachtet wurde? Mit welchen Entwicklungen der Sterblichkeit werden wir in Zukunft rechnen können?


Die Anzahl der Personen, die ein Alter von 105 Jahren und darüber erreicht haben, ist weltweit noch immer gering. Deshalb werden derzeit weltweit diesbezügliche Daten gesammelt, um die Fallzahlen zu erhalten, die für statistisch gesicherte Aussagen zur menschlichen Sterblichkeit im höchsten Altersbereich notwendig sind. Das Ziel der Anstrengungen einer internationalen Forschergruppe ist es, vollständige Listen der höchstaltrigen Personen für möglichst viele Länder zusammenzustellen. Diese Listen sollen in der Forschungsdatenbank „International Database on Longevity“ (IDL) zusammengeführt werden.

Ein großes Problem ist dabei jedoch die Zuverlässigkeit der Altersangaben. Beim Aufbau der Forschungsdatenbank IDL kommt deshalb der Altersvalidierung große Bedeutung zu: nur sorgfältig auf die Richtigkeit des Alters überprüfte Fälle werden in die Datenbank aufgenommen. Die Forschungsdatenbank IDL soll nach ihrer Fertigstellung auch anderen Wissenschaftlern über das Internet unentgeltlich zugänglich gemacht werden. Für jede in der IDL verzeichnete Person können dann Informationen zum Geburtsdatum, zum Sterbedatum (falls die Person bereits verstorben ist), zum Geschlecht, zur Nationalität bei der Geburt und zur Methode der Altersvalidierung abgerufen werden. Aus Datenschutzgründen werden keine Informationen in die Datenbank aufgenommen, die eine Identifikation der Person erlauben würden (z.B. Name und Anschrift). Das Rostocker Max-Planck-Institut überprüft derzeit die Daten in Deutschland. Diese Daten spielen eine wichtige Rolle, weil Deutschland eine große Bevölkerung hat und Geburten hier sehr gut dokumentiert werden. Im Rahmen der „Altersvalidierungsstudie in Deutschland“ werden die Altersangaben von 1485 Personen, die von 1989 bis 2002 ein Alter von 105 Jahren und mehr erreichen konnten, geprüft. Die Prüfung erfolgt in zwei Schritten. Der erste Schritt stützt sich auf Angaben des Bundespräsidialamts. Durch das System der Gratulation zu den Altersjubiläen (100 Jahre und älter) durch den Bundespräsidenten werden im Bundespräsidialamt Informationen über Hochaltrige in Deutschland erfasst. Die Nominierung von Personen zur Gratulation wird von den Meldestellen, die Melderegister führen, organisiert. Das Bundespräsidialamt ist damit die einzige Stelle, die zentral für ganz Deutschland Personeninformationen von Hochaltrigen gesammelt hat. Der Bundespräsident hat den Rostocker Forschern Zugang zu diesen Informationen gewährt. In einer Anfrage werden von der Meldestelle des Wohnorts der nominierten Person im Rahmen der erweiterten Meldeauskunft der Geburtsort und, falls verstorben, das Sterbedatum abgefragt. In einem zweiten Schritt wird mit einer Anfrage an das für den Geburtsort zuständige Standesamt überprüft, ob Standesamtsunterlagen zur Geburt der Person vorliegen.

Wenn die Angaben der Meldestelle (Melderegister) mit den Angaben des Standesamtes (Personenstandsregister) übereinstimmen, wird das Alter einer Person als validiert angesehen. Mit diesem Verfahren konnten bisher die Altersangaben von 867 Personen validiert werden (Stand Januar 2004). Für die verbleibenden 618 Fälle, von denen mehr als die Hälfte einen Geburtsort außerhalb der Grenzen der heutigen Bundesrepublik Deutschland hat, ist das Prüfverfahren noch nicht abgeschlossen.

Durch das Zusammenführen der Daten aus Deutschland mit den weltweit verfügbaren Informationen erwarten wir neue Erkenntnisse über das immer noch seltene Phänomen der extremen Langlebigkeit. Auf Grund der Anzahl können dann Aussagen zu den Gesetzmäßigkeiten der Sterblichkeit gemacht werden: Steigt die Sterbewahrscheinlichkeit im extremen Alter weiter oder sinkt sie? Hat sich die Mortalität in den höchsten Altersstufen in den vergangenen Jahrzehnten verbessert – ähnlich wie es für andere Lebensalter beobachtet wurde –, oder ist sie unverändert geblieben?

Literatur: Maier, H. und R.D. Scholz: Aktuelle Sterblichkeitsentwicklungen und extreme Langlebigkeit. In: CD-ROM „Max-Planck-Gesellschaft 2003: Tätigkeitsberichte, Zahlen, Fakten“ zum Jahrbuch 2003, Max-Planck- Gesellschaft (Hg.). Saur, München 2003, 229-235. Robine, J.M. and J.W. Vaupel: Supercentenarians: slower ageing individuals or senile elderly? Experimental Gerontology 36(2001)4-6: 915-930.

Heiner Maier, Rembrandt Scholz | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.demografische-forschung.org

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