Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fast jedes zweite Unternehmen klagt über schwierigere Finanzierungsbedingungen

10.03.2004


Aktuelle Studie von KfW Bankengruppe und Wirtschaftsverbänden

Rund 43 % der Unternehmen in Deutschland hatten im vergangenen Jahr mit schwierigeren Finanzierungbedingungen zu kämpfen. Zu diesem zentralen Resultat kommt eine aktuelle Befragung, die die KfW Bankengruppe in Zusammenarbeit mit 24 Fach- und Regionalverbänden der Wirtschaft im Herbst 2003 unter rund 4.600 Unternehmen aller Größenklassen, Branchen und Regionen durchgeführt hat. Doch trotz der anhaltend problematischen Situation sind erstmals auch positive Entwicklungen erkennbar: Banken und Unternehmen lernen, sich an die neuen Spielregeln im Finanzmarkt anzupassen.

Die am Mittwoch in Berlin vorgestellte Studie mit dem Titel "Unternehmensfinanzierung: Noch kein Grund zur Entwarnung... aber Fortschritte bei der Anpassung an neue Spielregeln des Finanzmarkts" gibt damit ein differenziertes Bild der Finanzierungsituation der deutschen Wirtschaft wieder. Die Probleme haben sich gegenüber den Vorjahren nicht entspannt, nach wie vor spüren Unternehmen die Tendenz zur restriktiveren und differenzierteren Kreditvergabepolitik der Banken. Allerdings haben die Unternehmen damit begonnen, sich auf die neuen Anforderungen einzustellen. Sie lernen den Umgang mit Rating, wollen sich anderen Finanzierungsquellen als dem klassischen Bankkredit öffnen und ihre Eigenkapitalquote steigern. Und auch die Banken bekommen die Mittelstandsrisiken besser in den Griff, indem sie ihr Ratinginstrumentarium ausbauen und risikodifferenzierte Konditionen einfordern, aber auch durch eine stärkere Spezialisierung auf bestimmte Kundengruppen.

"Nach einer Phase der Verunsicherung und des Lamentierens setzt sich nun die Erkenntnis durch, dass nicht Klagen, sondern nur Handeln hilft", kommentierte Hans W. Reich, Sprecher des Vorstands der KfW Bankengruppe, die Studienergebnisse. "Vor Banken und Unternehmen liegt noch ein steiniger Weg, aber sie bewegen sich aufeinander zu!" Reich unterstrich jedoch: "Trotz erster erfreulichen Tendenzen ist klar: Der Finanzmarktwandel trifft die Unternehmen nach wie vor dramatisch." Für viele hätten sich die Finanzierungsbedingungen im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert. Die KfW als Förderbank für den Mittelstand sehe sich deshalb weiter gefordert, ihr Förderinstrumentarium auf die veränderten Bedingungen einzustellen: "Wir richten unsere Finanzierungs- und Beratungsangebote weiter konsequent auf den Bedarf des Mittelstands aus", sagte Reich.

BDI-Präsident Michael Rogowski hält es für bedenklich, dass die Geschäftspolitik der Banken ungleich höheren Einfluss auf die Kreditentscheidung hat als etwa das Rating. Die Probleme liegen offenbar nicht nur auf der Seite der Kreditnachfrage, sondern haben nach der Umfrage ihre Ursachen zu einem wesentlichen Teil bei den Banken. "Es ist alarmierend, dass immer mehr Mittelständler überhaupt keinen Kredit mehr bekommen!", warnte Rogowski. "Das Schließen der Eigenkapitallücke muss für den Mittelstand zur Chefsache werden. Wir fordern mit Nachdruck eine breit angelegte "Eigenkapitaloffensive". Im Mittelpunkt muss die nachhaltige Verbesserung der Ertragskraft der Unternehmen stehen. Und hier ist die Politik gefragt insbesondere die Steuerpolitik. Der Reformprozess darf jetzt nicht ins Stocken kommen. Eine erneute "Hängepartie" können wir uns nicht leisten."

Weitere zentrale Ergebnisse der Unternehmensbefragung sind:

- 12 % der Unternehmen berichten von einer Ablehnung ihres Kreditantrags vor allem Kleinunternehmen, Handwerker und ostdeutsche Betriebe. Als Hauptgrund für die Ablehnung wurde eine veränderte Geschäftspolitik der Banken genannt.

- Das wachsende Risikobewusstsein der Banken wirkt sich auf große und kleine Unternehmen sehr unterschiedlich aus: Größere Unternehmen spüren v. a. höhere Transparenzanforderungen der Institute, die diese für eine Risikobewertung und die Berechnung risikogemäßer Konditionen benötigen. Für kleinere Unternehmen, die i. d. R. kleinere Kreditbeträge benötigen, lohnt sich diese aufwendige Risikoanalyse kaum: Hier versuchen die Banken, ihr Risiko durch verstärktes Einfordern von Sicherheiten zu begrenzen und lehnen den Kreditwunsch auch häufiger ab.

- Die Innenfinanzierung durch Einbehalten von Gewinnen sowie Bankkredite sind für die Mehrheit der befragten Unternehmen weiter die wichtigsten Finanzierungsinstrumente, doch sie ziehen verstärkt neue Quellen in Betracht. Den stärksten Bedeutungszuwachs messen die Unternehmen dem Leasing und der Beteiligungsfinanzierung bei.

- Fördermittel sind für die Investitionsfinanzierung der Unternehmen von erheblicher Bedeutung. Rund 30 % greifen auf bestehende Angebote zurück, die Förderprodukte der KfW Mittelstandsbank werden dabei am häufigsten genutzt.

- In einem Sonderteil widmet sich die aktuelle Unternehmensbefragung dem Thema "Rating". Hauptergebnis hier ist: Die deutschen Unternehmen sind sich der Bedeutung des Ratings bewusst. Über 70 % der Befragten kennen die Kriterien, die ihre Hausbank dem Rating zugrunde legt - aber nur die Hälfte der Unternehmen kennt auch das sie betreffende Ratingergebnis.

Mehr als 60 % von ihnen wollen ihr Rating verbessern v. a. durch die Optimierung von Rechnungswesen und Controlling, besseres Forderungsmanagement und die Erhöhung der Eigenkapitalquote. Dass die Umsetzung solcher Maßnahmen sich durchaus auszahlt, belegt ein weiteres Untersuchungsergebnis: 20 % der Unternehmen gelang es, ihr Rating trotz schwierigem konjunkturellen Umfeld zu verbessern.

Christine Volk | KfW
Weitere Informationen:
http://www.kfw.de

Weitere Berichte zu: Bankengruppe Finanzierungsbedingung Finanzmarkt Mittelstand Rating

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics