Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Standortplanung: Produktionskosten sind nicht alles

01.03.2004


Jedes dritte Unternehmen, das seine Produktion ins Ausland verlagert, nimmt diese Entscheidung zurück. Besonders hoch ist das Risiko des Scheiterns bei Produktionsverlagerungen aus Kostengründen. Das Fraunhofer-ISI hat die Ursachen untersucht und gibt Tipps zur Bewertung von Produktionsstandorten



Wenn Unternehmen Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagern, tun sie dies meist mit Blick auf geringere Personalkosten, aus Gründen der Markterschließung oder um in der Nähe ihrer Schlüsselkunden zu produzieren. Für viele Firmen erfüllt sich aber insbesondere die Hoffnung auf reduzierte Kosten nicht. Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe hat untersucht, warum so viele Produktionsverlagerungen scheitern. Die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts BESTAND liegen nun vor.



Darin kommt das Fraunhofer-ISI zu dem Schluss, dass Kostenargumenten noch immer eine zu hohe Bedeutung beigemessen wird. Rückkehrer bedauern, dass sie Kriterien wie Flexibilität und Qualität zu wenig Beachtung geschenkt haben. Insgesamt sind kostenorientierte Verlagerungen mit einem höheren Risiko des Scheiterns behaftet als Standortentscheidungen, bei denen Märkte und Kunden im Mittelpunkt stehen. Projektleiter Steffen Kinkel sieht vor allem drei Fehler, die Unternehmen immer wieder machen:

- Modernisierungspotenziale am Heimatstandort werden außer Acht gelassen, und es wird nur der gewachsene Ist-Zustand mit den optimiert geplanten Standortalternativen verglichen. Stattdessen müsste das Unternehmen klären, ob nicht der deutsche Standort mit geringeren Investitionen ein besseres Ergebnis bringen könnte.

- Die Kosten für den Aufbau von Netzwerken am ausländischen Standort werden oft unterschätzt. Auf der anderen Seite wird der Wert gewachsener Kooperationen am Heimatstandort nicht ausreichend gewürdigt. Dabei lassen sich Produktivität oder Innovationsfähigkeit durch Kooperationen mit Unternehmen im regionalen Umfeld nicht selten um zehn bis zwanzig Prozent steigern.

- Die Dynamik der zukünftigen Standortentwicklung wird nicht angemessen berücksichtigt. Man verlässt sich auf fragliche Prognosewerte anstatt die Bandbreite künftiger Entwicklungsmöglichkeiten auszuloten. Wichtig ist, dass der Erfolg am Standort regelmäßig überprüft wird.

Im Rahmen des Projekts hat das Fraunhofer-ISI Instrumente zur Standortbewertung entwickelt und erprobt. Sie stehen auch anderen Unternehmen zur Verfügung, die sich mit der Möglichkeit einer Auslandsproduktion auseinander setzen oder ungenutzte Potenziale ihrer Inlandsstandorte überprüfen wollen. Eine Broschüre stellt die Instrumente und erste Erfahrungen anschaulich dar und kann beim Projektleiter bezogen werden. Im Frühjahr erscheint im Springer-Verlag (Heidelberg) das Buch "Erfolgsfaktor Standortplanung" von Steffen Kinkel (Hrsg.) (ISBN 3-540-20775-9) mit ausführlichen Darstellungen der Forschungsergebnisse, Instrumente und Unternehmenserfahrungen.

Weitere Informationen: Dr. Steffen Kinkel, Telefon: (0721) 6809-311, E-Mail: s.kinkel@isi.fraunhofer.de

Bernd Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de
http://www.standorte-bewerten.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie