Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Politiker unter "Dauerbeobachtung" - größte Abgeordnetenbefragung in Deutschland

09.02.2004


Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben jetzt die bislang größte Abgeordnetenbefragung in Deutschland abgeschlossen. Seit dem 8. September 2003 sind mehr als 950 Bundestagsabgeordnete, deutsche Europaparlamentarier sowie Mitglieder von zehn Landtagen zu ihrem politischen Werdegang und ihrer Mandatsausübung befragt worden. Die Erhebung ist Teil eines langfristigen Forschungsprojekts des Sonderforschungsbereichs (SFB) 580 "Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch". Das Forschungsvorhaben, das von Prof. Dr. Heinrich Best und Prof. Dr. Karl Schmitt geleitet wird, beschäftigt sich mit den Karrieren und Handlungsorientierungen der Parlamentarier in Ost- und Westdeutschland.



"Wir möchten durch diese ,Dauerbeobachtung’ der Politiker erfahren, ob und wie sich ihr Selbstverständnis als Träger der parlamentarischen Demokratie in einer Zeit rascher gesellschaftlicher Umbrüche ändert", berichtet der Politologe Dr. Michael Edinger. Der Projektkoordinator von der Universität Jena ist beeindruckt von der Auskunftsbereitschaft insbesondere der Landtagsabgeordneten (MdL). Drei von vier, in Thüringen fast 90 Prozent, nahmen an der telefonischen Befragung teil. In einzelnen Fraktionen wie der Thüringer SPD und der PDS in Sachsen-Anhalt beteiligten sich sogar alle Abgeordneten.



Erste Ergebnisse widerlegen populäre Vorurteile gegenüber Parlamentariern. Zwei von drei Befragten geben an, dass sie in ihrem beruflichen Leben noch nie so viel gearbeitet hätten wie als Abgeordnete. Trotz einer Arbeitszeit von 50-60 Stunden pro Woche sind noch fast 30 Prozent nebenberuflich tätig. Im Westen ist der Anteil der "Nebenberufler" doppelt so hoch wie im Osten. Ost-West-Unterschiede finden sich auch bei der Arbeitszufriedenheit. Zwar ist eine deutliche Mehrheit der Parlamentarier mit ihrer Tätigkeit zufrieden, doch liegt der Anteil der Unzufriedenen in Ostdeutschland wesentlich höher als in den alten Ländern. "Sie hatten sich größere Gestaltungsmöglichkeiten erwartet, als sie ins Parlament kamen", so Edinger. Die Westdeutschen schätzen aufgrund ihrer längeren, klassischen Parteikarrieren ihre Handlungsspielräume "realistischer" ein und werden so weniger enttäuscht, so die Hypothese des Politikwissenschaftlers.

Doch nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Parteien decken die Jenaer Wissenschaftler bemerkenswerte Unterschiede auf. So lehnt beispielsweise eine Mehrheit der westdeutschen SPD-Abgeordneten ein bundesweites Zentralabitur ab, während es unter den ostdeutschen breite Zustimmung erfährt. Verblüffend einig sind sich CDU und Grüne - zumindest hinsichtlich einer Koalition: "Jeweils eine Mehrheit der Parlamentarier beider Parteien hält eine schwarz-grüne Koalition für akzeptabel, wenngleich nicht für wünschenswert", weist Edinger auf einen anderen interessanten Befund hin. Weitergehende Resultate erwarten die Jenaer Forscher, sobald sie die zahlreichen Daten intensiv ausgewertet haben.

"Mit unser Studie können wir erstmalig auch gesicherte Aussagen über den Verbleib von Abgeordneten treffen", so der Jenaer Politikwissenschaftler weiter. Denn zusätzlich zu den aktuellen Abgeordneten sind auch 550 ehemalige Parlamentarier interviewt worden. Dabei zeigt sich, dass das Berufsrisiko der ostdeutschen Abgeordneten sehr viel größer ist als das ihrer westdeutschen Kollegen. Mehr als 10 % der aus dem Parlament ausgeschiedenen "Ossis" sind zumindest zeitweilig arbeitslos. Bei den Westdeutschen sind es gerade einmal zwei Prozent. Da die Jenaer Wissenschaftler in einem europäischen Forschungsnetzwerk mitwirken, wird bald auch ein systematischer Vergleich mit Parlamentariern in Ost- und Westeuropa möglich sein.

Kontakt:

Dr. Michael Edinger
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Sonderforschungsbereich 580 "Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch - Diskontinuität, Tradition und Strukturbildung", Projekt A 3
Tel.: 03641 / 945055
E-Mail: s6edmi@nds.rz.uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE