Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erhöhtes Krebsrisiko durch Vererbung

09.02.2004


Die meisten Krebserkrankungen treten sporadisch auf. Genetisch bedingte Tumoren machen dagegen nur 5,5% aller Tumorerkrankungen aus. In der Regel fallen sie dadurch auf, dass Verwandte ersten Grades an den gleichen Tumoren erkranken. Bisher ging man davon aus, dass es solche familiären Formen nur bei wenigen Tumorarten gibt. Professor Kari Hemminki, Abteilung Molekulargenetische Epidemiologie, Deutsches Krebsforschungszentrum, fand jedoch bei fast allen Tumoren familiäre Erkrankungsformen. In den betroffenen Familien besteht sowohl für Nachkommen als auch für Geschwister von Betroffenen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.


Schweden bietet aufgrund seiner umfassenden Bevölkerungsstatistik einzigartige Möglichkeiten zum Studium genetischer Risiken von Krebserkrankungen. Alle Kinder, die nach 1932 in Schweden geboren wurden, sind mitsamt ihren Eltern in einem "Familienregister" dokumentiert, das mehr als 10 Millionen Individuen enthält. Außerdem erfasst das Schwedische Krebsregister fast 100 % der Krebserkrankungen der Bevölkerung. Durch Zusammenführung beider Datenbanken, die auch am Deutschen Krebsforschungszentrum genutzt werden, konnten Hemminki und Mitarbeiter mehr als 3 Millionen Familien analysieren. Er identifizierte fast 5000 Familien, in denen jeweils mehrere gleichartige Tumorerkrankungen aufgetreten waren - ein Hinweis für das Vorliegen einer familiären Krebserkrankung. Aufgrund dieser Daten konnte der Epidemiologe die familiären Risiken für jede einzelne Tumorart mit bisher nicht erreichter Genauigkeit berechnen.

Bei 24 von 25 Tumorarten fand Hemminki familiäre Erkrankungsformen. Am häufigsten waren solche familiären Tumoren bei Prostatakrebs mit rund 15 % der Erkrankungen, gefolgt von Darmkrebs (10 %) und Brustkrebs (8,5 %). Am seltensten waren familiäre Krebserkrankungen bei Bindegewebstumoren (0,4 %) und Hodentumoren (0,5 %).


Betrachtet man den Grad der Erblichkeit, zeigen sich ebenfalls erhebliche Unterschiede von Krebsart zu Krebsart. Das höchste genetische Risiko wiesen Familien mit Hodenkrebs auf. Söhne von erkrankten Vätern hatten im Vergleich zu Söhnen aus Familien ohne Hodenkrebs ein vierfach erhöhtes Risiko, Brüder von Betroffenen sogar ein neunfach erhöhtes Risiko, selbst an einem Hodenkrebs zu erkranken.

Im Gegensatz zu Hodenkrebs waren familiäre Erkrankungen beim Morbus Hodgkin, einer Art von Lymphdrüsenkrebs, bisher nicht bekannt. Auch bei dieser Tumorart wies Hemminki familiäre Erkrankungen nach, die sich ebenfalls durch eine starke Vererblichkeit auszeichneten: Das Risiko bei Kindern von Betroffenen war fast fünffach erhöht, bei Geschwistern sogar sechsfach. Eine starke genetische Komponente zeigte sich auch in Familien mit nicht-medullärem Schilddrüsenkrebs, Speiseröhrenkrebs und einer bestimmten Art von Knochenkrebs (multiples Myelom).

Auch bei verbreiteten Krebsarten wie Prostata-, Nieren-, Haut-, Magen- und Lungenkrebs, Leukämien und endokrinen Tumoren kommen familiäre Erkrankungen vor, und zwar häufiger als bisher angenommen. Ein besonders hohes Erkrankungsrisiko beobachtete Hemminki in Familien mit mehr als zwei Erkrankungsfällen bei Verwandten ersten Grades und/oder niedrigem Erkrankungsalter. Beides lässt auf eine durchschlagende genetische Disposition für die jeweilige Krebserkrankung schließen und sollte eventuell Anlass für eine genetische Beratung geben. Überhaupt machen Hemminkis Befunde deutlich, dass die bisherige Praxis der genetischen Beratung nur einen Bruchteil der familiären Krebserkrankungen berücksichtigt.

Das Argument, die beobachtete familiäre Häufung von Krebserkrankungen könne ebenso durch geteilte Umweltfaktoren bedingt sein, schließt Hemminki aus: In früheren Studien an Ehepaaren hatte er gezeigt, dass die Krebsrisiken nur bei streng umweltbedingten Tumoren (z. B. Lungen- oder Genitalkrebs) parallel anstiegen. Allerdings bleibt das Risiko in der Regel weit unter dem genetisch bedingter Tumoren.

*Kari Hemminki, Xinjun Li, Kamila Czene: Familial risk of cancer: Data for clinical counselling and cancer genetics; International Journal of Cancer, Volume 108, Issue 1, 109-114.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Hodenkrebs Krebsart Krebserkrankung Tumorart

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics