Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Echtzeitkommunikation setzt sich in den nächsten Jahren durch

12.12.2003


Ein aktueller Technologie Trend Report von Siemens IC Networks, Siemens Corporate Technology und Roland Berger Strategy Consultants beschreibt die Zukunftsentwicklungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie


Als wesentliche Zukunftstrends identifiziert die Studie vor allem die Echtzeitkommunikation, neue Formen der Mensch-Maschine-Interaktion, Embedded Devices und das verteilte Rechnen/Grid Computing. Ein erstmals vorgestellter Trend-Radar erläutert diese Entwicklungen, unterteilt sie in wichtige Anwendungsfelder und bewertet ihre Markt- und Technologiereife.

Dabei wurde von zwei gegenläufigen Sichtweisen ausgegangen, die einander aber sehr gut ergänzen: Zum einen die Extrapolation aus der „Welt von heute" und zum anderen die Retropolation aus der „Welt von morgen". Der Blick nach vorne – die Extrapolation – entspricht dem so genannten Road Mapping. Dabei werden die derzeit bekannten Technologien und Produktfamilien in die Zukunft fortgeschrieben und als Generationenfolge dargestellt. Man versucht möglichst präzise abzuschätzen, zu welchem Zeitpunkt etwas verfügbar ist und gebraucht wird. Der Vorteil dieses Verfahrens – die sichere Ausgangsbasis – ist zugleich sein größter Nachteil: Diskontinuitäten und Entwicklungssprünge lassen sich damit nicht vorhersagen.


Zu deren Beurteilung dient ein komplementäres Verfahren – die Szenariotechnik. Der Betrachter versetzt sich dazu in Gedanken weit voraus in die Zukunft. Für den gewählten Zeithorizont wird dann ein umfassendes Szenario entworfen, das möglichst viele Einflussfaktoren berücksichtigt. Daraus lassen sich schließlich durch Retropolation in die Gegenwart die Aufgaben und Problemstellungen identifizieren, die heute angegangen werden müssen, um in der Welt von morgen zu bestehen. Mit Hilfe der Kombination von Extra- und Retropolation – indem beide Betrachtungsweisen in Einklang gebracht werden – entstehen aussagekräftige Bilder der Zukunft.

Real-Time-Business trägt zur Produktivitätssteigerung bei

Ein zentraler Trend, der schon bald mehr oder weniger jedes Unternehmen berühren wird, ist nach Meinung von Siemens und Roland Berger die Echtzeitkommunikation oder Real Time Communications (RTC). Geht es bei der ersten Generation der Konvergenz von Sprach- und Datenkommunikation auf Basis des Internet-Protokolls (IP) vor allem um die Verringerung der Kosten durch eine effizientere Nutzung der Infrastruktur, liegt in der zweiten Generation der IP-Kommunikation der Schwerpunkt auf der Optimierung und Differenzierung der Abläufe in den Unternehmen. Dadurch entsteht zunehmend ein Real-Time-Business, das die persönliche Erreichbarkeit entscheidend verbessert und wesentlich zur Produktivitätssteigerung beiträgt.

Durch die Verbindung unterschiedlichster Systeme an verschiedenen Orten und ohne zeitliche Verzögerung ist in Zukunft eine einheitliche Kommunikationserfahrung möglich. Insbesondere in den beiden Anwendungsfeldern „prozessunterstützende Kommunikation” und „Adhoc-Kommunikation” erwarten die Zukunftsforscher, dass RTC künftig eine große Rolle spielt und neue Produktivitätspotenziale erschließt. „Prozessunterstützende Kommunikation” findet bei allen teilautomatisierten Abläufen statt, bei denen an bestimmten Punkten Menschen eingreifen und miteinander kommunizieren müssen. Zur „Adhoc-Kommunikation” kommt es dagegen dann, wenn mehrere Personen spontan miteinander Informationen austauschen. Etwa bei Terminabsprachen oder Nachfragen. In beiden Fällen wird die Echtzeitkommunikation – so die Erwartung – wesentlich zur Einsparung von Zeit und Kosten sowie zur Qualitätssteigerung beitragen.

Ubiquitous Computing führt zum allgegenwärtigen Rechner

Neue Mensch-Maschine-Schnittstellen werden dabei in Zukunft die Interaktion mit dem Computer deutlich vereinfachen. Von Anwendungen in der Biometrie, über Virtual Reality und Softwareagenten, die zum Beispiel selbstständig Terminabsprachen für ihre Besitzer treffen können, bis hin zur Computersteuerung mit Hilfe der menschlichen Gedanken reichen dabei die möglichen Entwicklungsperspektiven.

Gleichzeitig hält der Computer Einzug in die alltäglichen Gegenstände des Lebens. So genannte Embedded Devices im Auto, im Haus oder in Kleidungsstücken sind längst keine reine Vision mehr. Intelligente Etiketten auf Basis der RFID-Technologie (Radio Frequenz Identifikation) steuern heute bereits ganze Logistikketten. Dieser Trend des „allgegenwärtigen Computers“ (Ubiquitous Computing) wird sich nach Einschätzung von Siemens und Roland Berger weiter fortsetzen und zum Beispiel zu Body Area Networks führen, in denen der menschliche Körper selbst als Medium der Datenübertragung genutzt wird.

Auch das verteilte Rechnen oder Grid Computing, bei dem zehntausende Computer zur Lösung von rechenintensiven Aufgaben über das Internet zusammenarbeiten, ist bereits heute ein aktuelles Thema. In Zukunft – so der Technologie Trend Report – entwickeln sich die Computing-Grids zur nächsten Generation des World Wide Web und sorgen für die allgegenwärtige Vernetzung. Statt wie heute nur Informationen auszutauschen, bietet das Internet dann zusätzlich immer und überall Zugang zu beliebiger „Rechnerleistung aus der Steckdose“.

Messlatte für die eigene Zukunftsplanung

Vor dem Hintergrund, dass heute 75 bis 90 Prozent der I&K-Budgets in den Unternehmen für nicht wahlfreie Ausgaben – insbesondere für laufende Betriebskosten –aufgebracht werden müssen, ist das Fokussieren der Investitionen in wertsteigernde Technologien nach Meinung von Siemens und Roland Berger von besonderer Bedeutung. Dabei muss jedoch auch Weitsicht bewiesen werden. Das Beispiel der Internet-Boom-Phase, in der weltweit viele Unternehmen übereilt auf die neuesten technologischen Entwicklungen aufsprangen, unterstreicht dies deutlich. Denn häufig musste schon bald festgestellt werden, dass die neuen Internet- und E-Commerce-Angebote längst nicht den sofort erhofften Erfolg brachten.

Die Verantwortlichen in den Unternehmen haben auch hierauf reagiert. In den vergangenen beiden Jahren wurden Investitionen umfassend verschoben, gestrichen oder gekürzt. Hierbei ist aber jedem klar, dass diese verständliche Reaktion auf die wirtschaftliche Flaute nicht immer so weiter gehen kann. Kein Unternehmen erhält auf Dauer seine Wettbewerbsposition, wenn es nicht in den technologischen Fortschritt und den Ausbau der eigenen Fähigkeiten investiert.

Der Technologie Trend Report von Siemens und Roland Berger Strategy Consultants soll dabei helfen, indem er die abzusehenden Entwicklungen in den nächsten Jahren vorstellt und bewertet. Die darin ausgesprochenen Empfehlungen sind allerdings nicht als enges Korsett zu verstehen. Sondern eher als Messlatte, mit der jedes Unternehmen die eigene zukünftige Positionierung im Umfeld der Informations- und Kommunikationstechnologie selbst besser bestimmen kann.

Weitere Informationen: hier

Doro Christgau | CONOSCO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten