Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diagnose per Computer?"

09.12.2003


Medizinethiker untersucht Möglichkeiten und Grenzen einer neuen Technik

Die computergestützte Diagnostik entwickelt sich rasant und wird für die Patientenversorgung immer wichtiger. Dr. Georg Marckmann vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin hat jetzt die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die die Chancen und Risiken dieser Technik analysiert. Das Buch mit dem Titel "Diagnose per Computer?" führt erstmals Forschungsergebnisse aus Informatik, Medizintheorie und Technikfolgenabschätzung zusammen und gibt konkrete Empfehlungen für einen verantwortlichen Einsatz der Computerdiagnostik.

Computer verbessern die Informationsgrundlage ärztlicher Entscheidungen durch die elektronische Verwaltung der Patientendaten und durch die Aufbereitung und Darstellung von Untersuchungsergebnissen. Diese konventionellen Anwendungen unterstützen bisher die ärztliche Arbeit lediglich indirekt; die eigentliche Diagnose bleibt Sache des Arztes. Moderne Expertensysteme dagegen dringen genau in diesen zentralen Bereich der medizinischen Praxis vor: Sie sollen "selbständig" die Symptome und Befunde des Patienten analysieren und auf der Grundlage des gespeicherten Wissens Diagnosen und Therapiemöglichkeiten vorschlagen.



Diese sehr aufwendigen, sogenannten Expertensysteme haben sich nach Ansicht des Autors nicht bewährt. Sie können nur technische, zahlenmäßig fassbare Untersuchungsergebnisse verarbeiten, nicht jedoch den Gesamteindruck und die Lebensumstände des Patienten. Darüber hinaus gibt es gegen die Diagnosestellung durch den Computer auch schwer wiegende ethische Bedenken. Bei bestimmten, eng umgrenzten Fragestellungen haben sich Computeranwendungen dagegen bewährt: Kleine, flexible Programme können Teilentscheidungen fällen, wie etwa die Auswahl und die Dosierung von Medikamenten. Sie tragen so dazu bei, die Therapie wirkungsvoller und effizienter zu gestalten. Computersysteme sind nach den Untersuchungen von Georg Marckmann bisher aber bei weitem nicht in der Lage, das umfangreiche Wissen und die Erfahrung eines Arztes zu ersetzen.

Georg Marckmann: Diagnose per Computer? Eine ethische Bewertung medizinischer Expertensysteme. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 2003.

Weitere Informationen:

PD Dr. Georg Marckmann, MPH
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Schleichstr. 8, 72076 Tübingen
Telefon: (07071) 29-78032, Fax: -5190
E-Mail: georg.marckmann@uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.aerzteverlag.de/buecher/buch.asp?id=1853
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie