Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapie soll Chancen der Wiederbelebung nach Herz-Kreislauf-Stillstand erhöhen

05.12.2003


Heidelberger Universitätsklinik für Anästhesiologie federführend bei größter Studie zur Wirksamkeit der "Lysetherapie" nach Herz-Kreislauf-Stillstand



Unter der Federführung von Privatdozent Dr. Bernd Böttiger, geschäftsführender Oberarzt der Heidelberger Universitätsklinik für Anästhesiologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Eike Martin), beginnt in den nächsten Wochen die weltweit größte Studie, die den Einsatz von Medikamenten zur Auflösung von Blutgerinnsel (Lysetherapie) bei Wiederbelebungsmaßnahmen nach akutem Herz-Kreislauf-Stillstand testet. An der Studie nehmen europaweit insgesamt 1.000 Patienten in 40 Zentren teil. Untersucht wird die Wirksamkeit des Wirkstoffes Tenectplase (MetalyseR), eines Produkts der Firma Boehringer Ingelheim, das bereits als "Thrombolytikum" für die Auflösung von Blutgerinnseln vielfältig im Einsatz ist.



Jeden Tag sterben in Europa etwa 1.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod; in Deutschland sind es etwa 100.000 Todesfälle pro Jahr. "Trotz Wiederbelebung und dem Einsatz eines Defibrillators überleben bisher nur fünf bis zehn Prozent der betroffenen Patienten", erklärt Dr. Böttiger. Ursachen des plötzlichen Herzstillstandes ist bei zwei Drittel der Patienten ein Herzinfarkt oder eine Lungenembolie, also ein Verschluss der Blutgefässe durch Blutgerinnsel. Treten diese beiden lebensbedrohlichen Ereignissen weniger akut auf, gehört die "Lysetherapie", die Auflösung des Blutpfropfens mit Medikamenten, schon seit Jahren zur Standardtherapie.

Dass auch Patienten mit einem plötzlichen Herzstillstand von der Lysetherapie profitieren, haben bereits frühere Untersuchungen und die Beobachtung von Einzelfällen nahegelegt. Vor zwei Jahren konnte Dr. Böttiger in einer Studie, die in der renommierten englischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht worden ist, an 90 Patienten zeigen, dass eine Lysetherapie die Überlebenschancen deutlich verbessert: Bei etwa zwei Drittel konnte der Kreislauf wieder in Gang gesetzt werden, die meisten wurden auf einer Intensivstation behandelt, die Überlebensrate konnte insgesamt verdoppelt werden.

"Auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand reagiert die Blutgerinnung überschießend. Im ganzen Körper bilden sich kleine Thromben", erklärt Dr. Böttiger, der sich seit zehn Jahren mit diesen Phänomenen wissenschaftlich beschäftigt. Deshalb profitieren die Patienten von einer Lysetherapie, die zum Beispiel die ungehinderte Wiederdurchblutung des Gehirns sicherstellt.

In der neuen klinische Studie TROICA (Thrombolysis in Cardiac Arrest) erhält die Hälfte der 1.000 Patienten das gerinnungslösende Medikament, die andere Hälfte ein wirkungsloses Scheinpräparat (Placebo). Teilnehmer der Studie sind Patienten, die wegen eines Herzstillstands vom Notarzt bzw. vom Notfallteam behandelt werden. Zunächst werden alle erforderlichen Standard-Maßnahmen der Wiederbelebung durchgeführt, dann erhalten sie das Testmedikament. Der Erfolg der neuen Therapie wird daran gemessen werden, wie viele behandelte Patienten im Vergleich die Intensivstation erreichen und wie viele das Ereignis 30 Tage überleben. Weiteres wichtiges Kriterium ist die Fähigkeit der Patienten, in ihren Alltag zurückzukehren.

Literatur:
Bottiger BW, Bode C, Kern S, Gries A, Gust R, Glatzer R, Bauer H, Motsch J, Martin E: Efficacy and safety of thrombolytic therapy after initially unsuccessful cardiopulmonary resuscitation: a prospective clinical trial. Lancet. 2001 May 19;357(9268):1583-5.
(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Kontakt: Privatdozent Dr. Bernd Böttiger: 06221-56-6380, E-Mail: Bernd_Boettiger@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles
http://www.boehringer-ingelheim.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik