Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsches Tarifsystem muss reformiert werden

21.11.2003


Bertelsmann Stiftung fordert mehr Flexibilität und Differenzierung in Tarifverträgen



Nur noch rund 45 Prozent der westdeutschen und 22 Prozent der ostdeutschen Betriebe unterliegen einem Flächentarifvertrag. Besonders kleinere und jün­gere Betriebe zeigen wenig Neigung, sich tariflich zu binden. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Sie belegt auch, dass die Lohndifferenzierung in Deutschland im internati­onalen Vergleich relativ gering und meist nicht ausreichend ist. Das deutsche Lohnfindungssystem und der Flächentarifvertrag sind demnach dringend reformbedürftig. In der Studie werden jetzt konkrete Reformvorschläge formuliert: Erforderlich seien moderate und diffe­renzierte Tarifabschlüsse, ein Ausbau erfolgs- und leistungsabhängiger Lohnkomponenten sowie mehr Öffnungsklauseln in Tarifverträgen. Generell müsse dem Bedürfnis der Betriebe nach mehr Flexibilität Rechnung getragen und ihr Gestaltungsspielraum ausgeweitet werden.



"Derartige beschäftigungsfördernde Reformen können und sollten von den Tarifparteien selbst durchgeführt werden", sagt Prof. Dr. Claus Schnabel von der Universität Erlangen-Nürnberg, der Autor der Studie. Ansonsten sei der Gesetzgeber gefordert, den Betrieben le­gale Möglichkeiten für flexible Problemlösungen anzubieten. "Ohne eine moderate und diffe­renzierte Lohnpolitik werden sich die massiven Beschäftigungsprobleme in Deutschland nicht lösen lassen", sagt Schnabel.

Die Tarifpolitik der letzten Jahrzehnte war den neuen Herausforderungen der Globalisierung nicht gewachsen. Die Abschlüsse waren meist wenig beschäftigungsfördernd und zu undiffe­renziert. Über die Hälfte der westdeutschen und fast fünf Sechstel der ostdeutschen Betriebe gehen bei der Entlohnung nicht mehr über die als zu hoch beklagten tariflichen Mindestlöhne hinaus. Zudem mehren sich Berichte über eine untertarifliche Bezahlung.

In vielen Branchen wurden die Tariflöhne von gering Qualifizierten überdurchschnittlich an­gehoben, obwohl deren Arbeitsplätze bereits durch den technischen Wandel stark gefährdet sind. Die Bertelsmann Stiftung fordert eine Umkehr und eine größere Differenzierung der Löhne nach Qualifikation, Branche und Region. Eine Möglichkeit, die Lohnflexibilität und -differenzierung zu erhöhen, wäre eine stärker erfolgsabhängige Entlohnung. Diese könnte dazu beitragen, die Produktivität zu steigern und Arbeitsplätze zu sichern. Derzeit haben allerdings nicht einmal neun Prozent der Betriebe Systeme der Gewinnbeteiligung.

Über die Bertelsmann Stiftung:
Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als Förderin des Wandels für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Sie will Reformen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit, Demokratie und Bürgergesellschaft sowie Internationale Verständigung voranbringen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. In ihrer Projektarbeit ist die Stiftung unabhängig vom Unternehmen und parteipolitisch neutral.


Rückfragen an: Werner Eichhorst, Telefon: 0 52 41 / 81-81 593
Claus Schnabel, Telefon: 0 911 / 53 02-481

Die Studie "Tarifpolitik unter Reformdruck" erscheint in Kürze im Verlag Bertelsmann Stiftung.

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise