Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umfassende Studie zur Alzheimer-Demenz

04.11.2003


Patientin mit Tomografie-Aufnahmen ihres Gehirns.


Wissenschaftler der Universität Bonn fahnden momentan nach neuen Möglichkeiten, die Alzheimer-Erkrankung früher zu erkennen und wirksamer zu behandeln. An der bundesweiten Studie beteiligen sich neben der Uni Bonn noch 13 weitere anerkannte Demenz-Zentren in Deutschland. Das Projekt ist Teil des Kompetenznetzes Demenz, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) kürzlich eingerichtet hat und mit jährlich 2,5 Millionen Euro fördert. In Deutschland gibt es nach Schätzungen etwa 1,5 Millionen Demenz-Kranke; aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird diese Zahl in den kommenden Jahrzehnten noch deutlich zunehmen. Etwa 60 bis 70 Prozent aller Fälle lassen sich auf Alzheimer zurückführen.


Das Martyrium beginnt langsam und schleichend, mit Gedächtnislücken oder Orientierungsschwierigkeiten. Doch das Gehirn ist zu diesem Zeitpunkt längst ernsthaft geschädigt, viele Zellen in der Hirnrinde sind schon unwiderruflich abgestorben. In dem Maße, in dem der Zelltod unaufhaltsam fortschreitet, verlernen die Betroffenen, was sie früher so selbstverständlich konnten, schließlich sogar die alltäglichsten Handgriffe. Fünf bis zehn Jahre nach Auftreten der ersten Symptome sind Alzheimer-Kranke komplett pflegebedürftig.

Jeder dritte Senior über 80 leidet unter einer schweren Gedächtnisstörung; Experten rechnen für 2050 allein in Deutschland mit bis zu fünf Millionen Betroffenen. In zwei von drei Fällen ist "Morbus Alzheimer" der Grund für die fortschreitende Alterssenilität. Kaum eine andere Krankheit wird daher momentan so rege erforscht. Und langsam tragen die Bemühungen Früchte: Mit den Acetylcholinesterase-Hemmern (ACHI) haben die Ärzte seit einigen Jahren erstmals Medikamente an der Hand, die das Fortschreiten der Symptome verlangsamen und den Patienten noch ein paar kostbare Jahre schenken. Die eigentliche Ursache, das Massensterben in der Hirnrinde, lässt sich allerdings noch nicht bekämpfen.


Möglichst früh therapieren

"Je früher die ACHI eingesetzt werden, desto wirksamer sind sie", erklärt Dr. Frank Jessen von der Bonner Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. "Allerdings gibt es noch keinen sicheren Test, mit dem sich die Erkrankung frühzeitig erkennen lässt." Frühzeitig heißt: am besten sogar noch vor den ersten Symptomen. Denn wenn die ersten Erinnerungslücken auftreten, kann das Gehirn schon stark geschädigt sein. "Andererseits kann eine leichte Minderung der Hirnleistung auch ganz einfach altersbedingt sein; sie muss nicht das erste Anzeichen für Alzheimer sein", betont der Leiter des Diagnostik- und Behandlungszentrums für Gedächtniserkrankungen im Alter (DBGA). "In diesen Fällen hilft ’Gedächtnis-Jogging’ vielleicht sogar besser als alle Medizin."

Ein Anliegen des Kompetenznetzes ist es daher, die Früherkennung von Demenzen und ihre gegenseitige Abgrenzung zu verbessern. Die Ambulanzen der 14 beteiligten Kliniken nehmen dazu bei jedem ihrer Patienten umfangreiche psychiatrische, neurologische und neuropsychologische Tests vor. Dazu zählen - das Einverständnis der Betroffenen vorausgesetzt - auch Untersuchungen von Blut und Nervenwasser. Insgesamt 2.000 Versuchspersonen wollen die Mediziner so screenen; sie hoffen, ein diagnostisches Merkmal zu finden, das die frühzeitige Unterscheidung "Demenz oder leichte altersbedingte Gedächtnisstörung" erlaubt.

Wirkstoffkombination auf dem Prüfstand

Ein zweites Projekt will klären, inwieweit sich die Gabe zweier anerkannter Alzheimer-Wirkstoffe bei Patienten mit leichten Gedächtnisstörungen auf die spätere Ausbildung einer Alzheimer-Erkrankung auswirkt. "Wir wissen nicht, ob die Störungen Anzeichen von Alzheimer sind, therapieren sie aber einfach so, als ob sie es wären", erläutert Dr. Jessen den Ansatz. "So hoffen wir, bei den tatsächlichen Alzheimer-Patienten das Fortschreiten der Krankheit zu bremsen." In einem weiteren Forschungsbereich unter der Leitung des Bonner Psychiaters Professor Dr. Wolfgang Maier fahnden Wissenschaftler nach Risikogenen für die Alzheimer-Demenz.

Ansprechpartner:

Dr. Frank Jessen
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie
und Psychotherapie an der Universität Bonn
Telefon: 0228/287-6367
E-Mail: Frank.Jessen@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.meb.uni-bonn.de/psychiatrie/deutsch/forschung/ag/dbga/index.htm
http://www.kompetenznetz-demenzen.de

Weitere Berichte zu: Alzheimer Alzheimer-Demenz Demenz Gedächtnisstörung Kompetenznetz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften