Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Riester-Reform: Europa stellt Weichen

17.10.2003


Neuauflage der Marktanalyse der IBM Business Consulting Services (vormals PwC Consulting) gibt Aufschluss über künftige Trends in der Branche


Europäisierung, neue Produkte und Outsourcing prägen die Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland; Wie in den Jahren 2001 und 2002 befragte IBM Business Consulting Services (vormals PwC Consulting) 42 Versicherungen, Banken und Investmentgesellschaften zum Thema "Die Riester-Pläne - Herausforderung und Chance für Anbieter von Anlage- und Vorsorgeprodukten".

Wesentliches Ergebnis der Umfrage


Auch weiterhin bleiben Versicherungsunternehmen die Gewinner der Riester- Reform. Mit einem vom Gesamtmarkt geschätzten Branchenanteil von 60 bis 70 Prozent wurde die Marktführerschaft der Versicherungen erneut eindeutig bestätigt. Außerdem gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass der durch das Altersvermögensgesetz entstehende Markt stark von den großen Anbietern geprägt werden wird. Einen wesentlichen Beitrag zur positiven Entwicklung des Pensionsfonds wird auch das im Mai 2003 durch den EU-Ministerrat verabschiedete "Rahmenwerk für einen europäischen Pensionsfonds" leisten. Dieses Rahmenwerk soll einen europäischen Binnenmarkt für Altervorsorgeprodukte schaffen und damit neben Kosteneinsparungen auch die Bereitschaft von Arbeitnehmern zu einem länderübergreifenden Arbeitsplatzwechsel erhöhen.

Ein relativer neuer Trend ist darüber hinaus die Einrichtung von Zeitwert-Konten-Modellen, die vermehrt als Ergänzung zur betrieblichen Altersversorgung gesehen und eingesetzt werden. "Bei der Einschätzung des Gesamtmarktvolumens herrscht jedoch nach wie vor Unsicherheit", unterstreicht Dirk Fach, Leiter des Beratungszweigs Altersvorsorge bei IBM Business Consulting Services. "Mit einem geschätzten zusätzlichen Marktpotenzial bis zum Jahr 2010 zwischen 95 und 350 Milliarden Euro und einem Mittelwert von 179 Milliarden Euro ist die Varianz der Angaben dennoch beachtlich kleiner als bei der letzten Umfrage. Dies ist vor allem auf eine realistischere Markteinschätzung zurückzuführen, die auf den mittlerweile vorliegenden Absatzzahlen und eigenen Erfahrungen beruht."

Dass der geschätzte Mittelwert von 136 Milliarden Euro vom Vorjahr um über 30% auf 179 Milliarden Euro gestiegen ist, spricht indes für den sich entwickelnden Altersvorsorgemarkt Deutschland. Hinsichtlich der mittelfristigen Aufteilung des Gesamtvolumens auf die Bereiche betriebliche und private Altersvorsorge zeichnet sich außerdem ein klarer, gleich bleibender Trend von 70 zu 30 Prozent zugunsten der betrieblichen Altersversorgung ab. Dabei wird neben der Direktzusage und der Pensionskasse insbesondere der Pensionsfonds an Bedeutung gewinnen. Die befragten Experten gehen hier von einem Marktanteil von sieben Prozent im Jahr 2010 aus, eine signifikante Steigerung gegenüber 2003.

Vorteile durch europäische Harmonisierung

"Die EU zeigt auch im Hinblick auf die Alterversorgung zunehmend Flagge", bekräftigt Dirk Fach von IBM Business Consulting Services. "Ein wichtiger Beitrag zur positiven Entwicklung der Pensionsfonds wurde dazu im Frühsommer diesen Jahres gelegt: Im Mai 2003 verabschiedete der EU-Ministerrat die "Richtlinie über die Tätigkeit und Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung" zusammen mit dem "Rahmenwerk für einen europäischen Pensionsfonds". Damit ist die nun schon über zwölf Jahre andauernde Initiative zur Schließung der letzten großen Integrationslücke im Finanzmarkt der Europäischen Union vorläufig abgeschlossen," analysiert Fach.

Im Zuge der Harmonisierung der Finanzdienstleistungen innerhalb der EU sollen die Bestimmungen für betriebliche Altersversorgungssysteme bis zum Jahr 2005 dann endgültig in nationales Recht umgesetzt werden. Hauptaspekt der EU-Pensionsfondsrichtlinie ist die Schaffung der Voraussetzungen eines Binnenmarktes für Altersvorsorge-Produkte, sozusagen die Einrichtung eines "Europäischen Passes" für Anbieter betrieblicher Altersversorgung. Die Notwendigkeit eines solchen gemeinsamen Marktes ist seit längerem unbestritten. Untersuchungen gehen von durchschnittlichen Kostenvorteilen von 1,3 Millionen Euro aus, die nur durch die Zusammenlegung der verschiedenen Pensionsvermögen entstehen würden. Mit anderen Worten: Durch die bisherige Beschränkung auf nationale Märkte wurde die Effizienz der Pensionsfonds stark eingeschränkt.

Das Erzielen von "Economies of scale" und Synergieeffekten war bislang praktisch unmöglich. In jüngster Zeit haben multinational agierende Konzerne deshalb begonnen, wenigstens einen Teil ihrer Altersvorsorge-Gelder an einem Standort zusammen zu ziehen. Durch dieses sogenannte "Asset Pooling" ist es immerhin möglich, auf der Anlageseite Synergieeffekte zu erzielen. Zeitwertkonten: Ergänzung zur betrieblichen Alterversorgung Zeitwertkonten-Modelle gehören zwar nicht zur betrieblichen Altersversorgung, dennoch zeigte die Umfrage, dass sie vermehrt als Ergänzung zur betrieblichen Altersversorgung gesehen und eingesetzt werden. Teilweise ist sogar die Tendenz erkennbar, Zeitwertkonten- Modelle an Stelle von Lösungen der betrieblichen Altersversorgung anzubieten. "Ein Trend, der gewissermaßen einem neuen Verständnis von Lebensarbeits- und Freizeit entspricht", kommentiert Bernd Schumacher, verantwortlicher Partner von IBM Business Consulting Services, "die Trennung ist zunehmend fließend". Anders als die betriebliche Altersversorgung dienen Zeitwertkonten dabei nicht primär der Finanzierung des Ruhestandes, sondern vielmehr der flexiblen Gestaltung der Lebensarbeitszeit.

Über eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber wird dem Arbeitnehmer die Möglichkeit eingeräumt, Teile seiner künftigen Ansprüche aus dem Beschäftigungsverhältnis zugunsten späterer Entnahmen, etwa Vorruhestand, Altersteilzeit, Sabbatical oder Aufstockung einer Betriebsrente, in ein Zeitwertkonto einzubringen. Dabei können je nach Vereinbarung Geldansprüche, zum Beispiel Sonderzahlungen, aber auch Zeitansprüche, zum Beispiel Überstunden und Urlaubstage, auf das Anspruchskonto eingebracht werden. Interessanter Nebenaspekt: durch die generell arbeitnehmerfinanzierten Einlagen in ein Zeitwertkonten-Modell können Steuern und Sozialabgaben, bezogen auf den "Verzichtsbetrag", gespart werden.

Weitere Trends der Zukunft

Auch Deutschland steuert bei Analyse der Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre darauf hin, reine Beitragszusagen einzuführen. Hierauf deuten auch die derzeit in der Politik geführten Diskussionen um das Altersvorsorge-Konto hin. Dem in der Vergangenheit häufig genannten Risiko der hohen Kostenbelastung aufgrund der komplexen Produktanforderungen scheint man vermehrt mit Outsourcing zu begegnen. Entweder im eigenen Konzern oder außerhalb suchen die Produktanbieter nach Spezialisten, um administrative und technische Dienstleistungen zu externalisieren.

Letztlich wird die Stimmung im Markt durch die Antworten auf eine Frage am besten charakterisiert: Wie würden die Anbieter reagieren, wenn sie sich mit ihrem heutigen Wissensstand noch einmal im Jahr 2001, unmittelbar nach Verabschiedung des Altersvermögensgesetzes, befinden würden? Die meisten Befragten würden ihre Bemühungen deutlich zurückstellen und eher abwartend agieren. Immerhin würden einige wenige Befragte ihre Marketinganstrengungen sogar vergleichsweise erhöhen, um einen größeren Marktanteil zu gewinnen.

Rückfragen bitte an: Ursula Diel, Tel. 0711-785-1130, Fax: -734-5527, Email: ursula_diel@de.ibm.com

Ursula Diel | IBM
Weitere Informationen:
http://www.ibm.com/services/de/bcs

Weitere Berichte zu: Altersversorgung Altersvorsorge Business Vision Pensionsfond

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics