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Gesundheitswesen: Krankenkassen forcieren Ärztenetze

24.09.2003


Ärztenetze werden dem deutschen Gesundheitswesen in den kommenden Jahren ein neues Gesicht geben. Zunehmend mehr Krankenkassen stellen sich auf diese Forderung des Gesetzgebers ein und treiben die Zusammenschlüsse niedergelassener Haus- und Fachärzte voran. Die Hoffnung der Krankenkassen: Sie wollen Doppeluntersuchungen vermeiden und so Ausgaben einsparen. Sie wollen die Patienten im Behandlungsprozess insgesamt besser steuern. So erlangen sie eine stärkere Kontrolle über die Leistungserbringung. Das ist ein Ergebnis des „Branchenkompasses Gesundheitswesen“, einer aktuellen Studie von Mummert Consulting und dem F.A.Z.-Institut.



Nahezu alle in der Untersuchung befragten Krankenkassen wollen bereits vor 2005 mit niedergelassenen Ärzten auf allgemeiner Ebene eng zusammenarbeiten. Allein neun von zehn Ortskrankenkassen sind stark an solchen Kooperationen interessiert. Bei den privaten Krankenversicherungen sind es 58 Prozent. Die konkrete Zusammenarbeit mit Ärztenetzen planen jeweils sieben von zehn gesetzlichen und privaten Kostenträgern. Auch hier liegen die Ortskrankenkassen über dem Durchschnitt: Mehr als 70 Prozent wollen intensiv mit solchen Netzen kooperieren.



Hintergrund ist die Gesundheitsreform der Bundesregierung. Sie verpflichtet die Krankenkassen, flächendeckend hausarztzentrierte Versorgungsformen anzubieten. Die neuen Ärztenetze sind eine Möglichkeit dazu. Zwar werden auch die Fachärzte zu den Ärztenetzen gehören, doch den Hausärzten kommt eine steuernde Funktion zu. Leistungen von Fachärzten und Krankenhäusern sollen auf diese Weise seltener in Anspruch genommen werden. Immerhin entfällt auf die Krankenhäuser mit 27,4 Prozent in 2001 der Löwenanteil der deutschen Gesundheitsausgaben.

Für die Versicherten ist das Angebot der Netze freiwillig. Doch schon heute richten einige Krankenversicherungen Ärztenetze ein, die mit Verträgen an die Kostenträger gebunden sind. Die Zahl dieser Zusammenschlüsse wird in den kommenden Jahren in erheblichem Maße wachsen. Parallel dazu strebt der Gesetzgeber die Einrichtung von Gesundheitszentren an. Sie sollen die Patienten rundum betreuen und auch Ärzte verschiedener Fachrichtungen umfassen.

Das Modell der vertraglich gebundenen Mediziner stößt bei den Kostenträgern auf große Zustimmung: Selektive Verträge mit Ärzten halten fast neun von zehn Entscheidern der gesetzlichen Krankenkassen und drei Viertel der privaten Krankenversicherungen für sinnvoll. Auch die Krankenhäuser stehen zu zwei Dritteln hinter solchen Vereinbarungen. Sie könnten künftig ebenfalls separate Verträge mit Versicherungen schließen.

Für die Studie „Branchenkompass Gesundheitswesen“ haben die Mummert Consulting AG und das F.A.Z.-Institut im Juni 2003 100 Topentscheider aus 41 Krankenhäusern und 59 Krankenversicherungen zu ihren Investitionszielen und ihrer Marktpolitik bis 2005 befragt. Die Studie ist für 75 Euro zzgl. MwSt. unter www.mummert-consulting.de erhältlich.

Joerg Forthmann | Mummert Consulting
Weitere Informationen:
http://www.mummert.de

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