Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie des Wuppertal Instituts bestätigt: Erdgas als Kraftstoff ist umweltpolitisch sinnvoll

17.09.2003


Welchem Kraftstoff gehört die Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigte sich das renommierte Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH im Rahmen einer jetzt abgeschlossenen Studie. Das Ergebnis: der Einsatz von Erdgas als alternativem Kraftstoff ist umweltpolitisch sinnvoll und energiewirtschaftlich realisierbar.

Basis der Studie, die auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 2003 in Frankfurt am Main an Bundesumweltminister Jürgen Trittin übergeben wurde, ist eine dynamische Systemanalyse zukünftiger Kraftstoffoptionen: Biofuels, synthetische Kraftstoffe (GTL = gas to liquids), Biogas, Erdgas und Wasserstoff. Vor allem im Wasserstoff, der mit Hilfe zusätzlicher, möglichst regenerativer Energiequellen erzeugt werden muss, sehen Fachleute und weite Teile der Industrie den Kraftstoff für die Mobilität der Zukunft. Doch das Wuppertal Institut widerlegt Hoffnungen auf eine baldige Verfügbarkeit eines sauberen Kraftstoffs ohne Umweltwirkungen.

"Der forcierte Einstieg in eine Wasserstoff-Wirtschaft ist in den nächsten 30 bis 40 Jahre ökologisch nicht sinnvoll. Auf absehbare Zeit ist es effizienter, den regenerativ erzeugten Strom direkt zu nutzen und nicht für die Wasserstoff-Produktion zu verwenden", so Prof. Dr. Peter Hennicke, Präsident des Wuppertal Instituts. "Während mit einer Kilowattstunde regenerativem Strom im Auto eine Minderung von zirka 190 g CO2/kWh erreicht werden kann, bringt der Einsatz der gleichen kWh im Kraftwerkspark eine Reduktion von knapp 600 g CO2, das heißt die Umweltwirkung ist zurzeit rund dreimal so hoch. Im Zuge deutlicher Effizienzsteigerungen wird sich diese Schere zunehmend schließen." Die Wasserstoff-Forschung müsse deshalb fortgesetzt und die erforderlichen Infrastrukturen langfristig vorbereitet werden.

Eine Förderung sei somit zurzeit vor allem bei denjenigen Kraftstoffalternativen sinnvoll, die schon in der Übergangsphase einen Klimaschutzbeitrag leisten, dann als Quelle für die Gewinnung von Wasserstoff genutzt werden und später zu einer regenerativ-basierten Wasserstoff-Produktion beitragen könnten. Die Studie sieht hier das Erdgas als eine wichtige Alternative, die zusammen mit Bio- Kraftstoffen eine Diversifizierung der heutigen Kraftstoffversorgung mit Diesel und Benzin ermöglicht. Bereits heute wird der zu Versuchszwecken zur Verfügung stehende Wasserstoff praktisch vollständig aus Erdgas hergestellt.

Weniger Emissionen mit Erdgas

Der Einsatz von Erdgas als Kraftstoff in Fahrzeugen kann jedoch schon heute zu einer erheblichen Reduktion der klimarelevanten Gase beitragen. Von allen fossilen Energieträgern weist Erdgas bei der Verbrennung die günstigste CO2-Bilanz auf: Im Vergleich zu einem Benziner verursacht Erdgas bis zu 25 Prozent weniger Kohlendioxid und trägt bis zu 80 Prozent weniger zur Smogbildung bei. Der Aus- stoß von Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Ruß- und anderen Partikeln wird bei Erdgas nahezu vollständig vermieden.

Die von verschiedenen Fahrzeugherstellern favorisierten synthetischen Kraftstoffe bringen dagegen keine Entlastung der Umwelt, da die aufwändige Umwandlung vom Gas zum "Designer- Kraftstoff" negative Auswirkung auf dessen Kohlendioxid- und Energiebilanz hat.

Aus Gründen des Klimaschutzes erscheint es deshalb einfacher und besser zu sein, Erdgas im Fahrzeug direkt zu nutzen, zumal Erdgas als Kraftstoff eine bereits heute verfügbare alternative Lösung und gleichzeitig Brücke zum Wasserstoff ist. Denn die Tankstelleninfrastruktur, die zurzeit durch die deutsche Gaswirtschaft für Erdgas kontinuierlich erweitert wird, könnte in ferner Zukunft auch für Wasserstoff genutzt werden. Ebenso das Erdgasleitungssystem, das schrittweise für den Transport von Wasserstoff ausgebaut werden könnte. Ein Investment mit sowohl ökologisch als auch ökonomisch interessanten Langfrist-Perspektiven. In diesem Sinne spiele Erdgas auf dem Weg zum regenerativ erzeugten Wasserstoff eine wesentliche Rolle als Antriebsenergie, so Hennicke. Zudem ist Biogas als Kraftstoff eine sinnvolle Ergänzung zum Erdgas.

Ökologisch sinnvoll - politisch gewollt

Für den Erfolg der breiten Markteinführung von Erdgas als Fahrzeugantrieb hat die Bundesregierung daher bereits zu Jahresbeginn 2003 mit der Festschreibung eines günstigen Mineralölsteuersatzes für Erdgas als Kraftstoff bis 2020 entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen. Dies bedeutet langfristige Investitionssicherheit für den flächendeckenden Ausbau der Erdgastankstellen-Infrastruktur durch die Gaswirtschaft und für die Erweiterung der Modellpalette sowie Effizienzsteigerungen im Bereich der Fahrzeugtechnik durch die Automobilindustrie.

Auch der Fahrzeugnutzer profitiert davon: Denn Erdgas als Kraftstoff ist schon jetzt eine preiswerte und umweltschonende Alternative zum Öl. Bei einem durchschnittlichen Kilogrammpreis für Erdgas von 0,67 Euro spart der Verbraucher gegenüber Superbenzin an der Erdgas-Zapfsäule über 50 Prozent der Tankkosten.

Die Studie zur "Bedeutung von Erdgas als neuer Kraftstoff im Kontext einer nachhaltigen Energieversorgung" wurde durch das Wuppertal Institut im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), Berlin, und der erdgas mobil GmbH, einem Bündnis von 19 Gasversorgungsunternehmen zum Ausbau der Erdgastankstellen-Infrastruktur, erstellt.

Nähere Informationen rund um die bereits heute verfügbare Kraftstoffalternative bietet der Trägerkreis Erdgasfahrzeuge über die telefonische Infoline 01802 - 234500 (0,06 EUR pro Gespräch) oder unter www.erdgasfahrzeuge.de.

| ots
Weitere Informationen:
http://www.erdgasfahrzeuge.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikroben hinterlassen "Fingerabdrücke" auf Mars-Gestein

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vorhersagen bestätigt: Schwere Elemente bei Neutronensternverschmelzungen nachgewiesen

17.10.2017 | Physik Astronomie

Kaiserschnitt-Risiko ist vererbbar

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie