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Hohes Interesse an Unternehmensgründungen bei FH-Studierenden

11.09.2003


Über 250.000 Unternehmen wurden in der zweiten Hälfte der 90er Jahre jährlich in Deutschland gegründet. Mehr als ein Viertel dieser Firmen arbeiten in forschungs- und wissensintensiven Branchen. Sie wurden vorwiegend von Akademikern gegründet und weisen ein überdurchschnittliches Beschäftigungswachstum auf.



Um die Erfolgsaussichten beim Schritt in die Selbständigkeit zu erhöhen, wollen Prof. Dr. Maria Rumpf und Jutta Müller von der Fachhochschule Gießen-Friedberg das unternehmerische Potential unter den Studierenden weiter fördern.



Rumpf, seit drei Jahren Stiftungsprofessorin für Existenzgründung am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften in Friedberg, und die Diplom-Psychologin Müller befragten deshalb 1153 Studierende ihrer Hochschule zum Thema „Unternehmerische Orientierung von Studierenden und ihre Anforderungen an ein Gründungsmanagement-Curriculum“.

Besonders interessierte sie „die Erfassung der aktuellen Gründungsneigung, die Exploration möglicher Einflussfaktoren auf ein bestehendes Gründungsinteresse, die Konkretisierung der Vorstellungen über eine selbständige Tätigkeit sowie die Erfassung der subjektiv wahrgenommenen Schwierigkeiten und Hemmnisse für eine mögliche Existenzgründung.“

Die Untersuchung soll die Basis sein, um „für die FH Gießen-Friedberg ein Aus- und Weiterbildungsangebot zu entwickeln, das differenziert auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Studierenden eingeht.“ Nur ein zielgruppenspezifisches Gründungsmanagement-Curriculum – so die Autorinnen – könne Studierende für eine mögliche Selbständigkeit sensibilisieren und die dafür notwendigen Fähigkeiten bedarfsgerecht vermitteln.

Mehr als drei Viertel der Befragten hatten sich bereits mit dem Thema Selbständigkeit beschäftigt. 27 Prozent gaben an, sich öfter oder intensiv damit befasst zu haben, oder antworteten, sie seien bereits neben dem Studium selbständig tätig. Rumpf und Müller bezeichnen diese Zahlen als beachtlich hoch. Zum Vergleich ziehen Sie eine Untersuchung heran, in der Studierende von zehn Hochschulen befragt wurden, die Mitglieder von regionalen Gründungsnetzwerken sind und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. In dieser Studie hätten über 40 Prozent sich noch nie mit dem Thema Selbständigkeit befasst, und nur 12 Prozent seien dort der Gruppe der mehr als nur wenig Interessierten zuzuordnen.

Als potentielle Gründer identifizierten die Autorinnen über 10 Prozent der Studierenden der FH Gießen-Friedberg. Diese gaben an, dass sie sich definitiv selbständig machen wollten und sich gleichzeitig regelmäßig oder intensiv mit dem Thema beschäftigten. Auch dieser Wert war höher als derjenige der Vergleichsuntersuchung.

Gründe für die Ablehnung einer späteren selbständigen Tätigkeit seien vor allem das finanzielle Risiko. Informatiker gaben darüber hinaus häufig an, keine „Unternehmertypen“ zu sein, während die Ingenieure eher ihren Mangel an kaufmännischem Wissen betonten.

Die Befragung zeige, so Rumpf und Müller, dass ein Gründungscurriculum je nach Fachrichtung unterschiedlich ausgestaltet sein müsse. So hätten sich z.B. die Wirtschaftswissenschaftler an einer festen Verankerung als Pflichtveranstaltung in ihrem Lehrplan ausgesprochen, während die Informatiker eher an Wahlangeboten interessiert seien. Bei den Lehrformen bestand bei allen Befragtengruppen das größte Interesse an Vorträgen von Gründern, die aus der Praxis berichteten.

Die Studie ist als Längsschnittuntersuchung angelegt. Eine erste Folgeuntersuchung ist im beginnenden Wintersemester geplant.

Prof. Dr. Maria Rumpf | FH Gießen-Friedberg

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