Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chancen für Sanierung von Unternehmen in Deutschland häufig nicht genutzt

09.09.2003


Während die Zahl der Unternehmenspleiten in den USA rückläufig ist, sind in Deutschland neue Insolvenz-Rekorde zu verzeichnen / Deutsche Unternehmen beantragen Insolvenzverfahren vergleichsweise spät und schöpfen die Möglichkeiten des Insolvenzrechts nicht voll aus

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte Deutschland mit 19.200 Insolvenzen im ersten Halbjahr 2003 einen neuen Rekord. In den USA zeichnet sich dagegen ein neuer Tiefstand ab: Laut der aktuellen Analyse The Phoenix Forecast 2003 der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisation PricewaterhouseCoopers (PwC) meldeten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres lediglich 76 US-Aktiengesellschaften Konkurs an, die niedrigste Zahl seit dem ersten Halbjahr 2000. Dies lässt sich auf die frühzeitige Absenkung des Zinsniveaus, den einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung und die Umsetzung neuer, strikter Corporate Governance-Regeln zurückführen. Die gegenläufige Entwicklung in Deutschland wiegt um so schwerer, als die Insolvenz immer noch häufig zur Zerschlagung eines Unternehmens führt. "Die Anzahl der Unternehmenszerschlagungen in Deutschland ließe sich jedoch deutlich senken, wenn Unternehmer die Eröffnung der Insolvenzverfahren früher beantragen und das im deutschen Insolvenzrecht vorgesehene Insolvenzplanverfahren anwenden würden", konstatiert Stephen Taylor, Partner bei PwC und Leiter des Bereiches Business Recovery Services in Deutschland und Kontinentaleuropa.

Die am 1. Januar 1999 in Deutschland in Kraft getretene Insolvenzordnung hat mit dem Insolvenzplan ein neues Sanierungsinstrument für Unternehmen zur Verfügung gestellt. Es soll die Sanierung noch nach Verfahrenseröffnung ermöglichen; zu einem Zeitpunkt, zu welchem nach herkömmlicher Betrachtung das Unternehmen zerschlagen, die Vermögenswerte liquidiert und der Erlös an die Gläubiger verteilt werden.

Das Insolvenzplanverfahren orientiert sich am US-amerikanischen Sanierungsverfahren gemäß Chapter 11 des US-Bankruptcy Codes, jedoch wird das Verfahren in Deutschland noch relativ selten angewandt. Das Potenzial der gesetzlichen Rahmenbedingungen wird somit nicht vollständig ausgenutzt. So beantragen deutsche Unternehmen noch immer vergleichsweise spät die Eröffnung des Insolvenzverfahrens; zumeist sogar zu spät, was in vielen Fällen nur die Zerschlagung des krisengeschüttelten Unternehmens als Ausweg offen lässt.

Einen wesentlichen Grund für diese zögerliche Haltung sieht Stephen Taylor in der häufig verwehrten Eigenverwaltung: Der Antrag auf Insolvenz hat in den meisten Fällen das Einsetzen eines mit umfassenden Befugnissen ausgestatteten Verwalters zur Folge.

Vermeidung einer Insolvenz durch: Transparenz, Konsens und Vertrauen

"Die Beantragung der Insolvenz könnte in vielen Fällen gänzlich vermieden werden, wenn das Unternehmen die Krise frühzeitig erkennt und rechtzeitig Sanierungsmaßnahmen ergreift", so Roland Pruss, Partner im Bereich Business Recovery Services bei PwC. In der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation sollte es das Ziel von Unternehmen sein, die für eine fundierte Risikoabschätzung erforderlichen Informationen transparent zu machen. Hierauf basierend lassen sich Sanierungskonzepte zur Krisenbewältigung entwickeln, die von den Beteiligten gestützt werden und somit die größten Erfolgschancen besitzen. Auf dem Weg zurück zu normalen Betriebsabläufen kann dann das Vertrauen der Kapitalgeber durch die fortlaufende Erfolgskontrolle der durchgeführten Maßnahmen wiedergewonnen werden.

Positive Auswirkung der Konjunktur in ein bis zwei Jahren zu erwarten

"Die gegensätzliche Entwicklung der Zahl der Insolvenzen in Deutschland und den USA zeigt, dass die USA in der konjunkturellen Erholung weit vor Deutschland liegen. Es wird wahrscheinlich noch gut zwölf bis 24 Monate dauern, bis sich die erwartete Belebung der deutschen Wirtschaft positiv auf die Zahl der Insolvenzen auswirkt", prognostiziert Roland Pruss.

Die Analyse The Phoenix Forecast - Industries Under Financial Stress and the 2003 Bankruptcy Forecast von PwC können Sie kostenfrei im pdf-Format herunterladen.

Stephen Taylor | PwC
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com
http://www.pwcglobal.com/Extweb/pwcpublications.nsf/docid/CD188B865740EE3A85256B97005D8CA0

Weitere Berichte zu: Forecast Insolvenz Insolvenzverfahren PHOENIX PwC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten