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Aids bringt wirtschaftliche Katastrophe

24.07.2003


Studie warnt vor Arbeitsmarkt-Kollaps im südlichen Afrika



Die wirtschaftlichen Folgen der Immunschwächekrankheit Aids werden viel größer sein als bisher erwartet. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Heidelberg, die gemeinsam mit der Weltbank erstellt wurde. In Südafrika wird Aids die Einkommen in den kommenden dreieinhalb Generationen um die Hälfte fallen lassen, berichtet BBC-Online.



2080 wird ganztägige Kinderarbeit zu einer Alltäglichkeit am südafrikanischen Markt werden, dazu befürchten die Experten einen massiven Rückschritt in der gesamten Wirtschaft des Landes für mindestens eine weitere Generation. "Das ist eine darwinistische Darstellung der Situation", so Alan Whiteside, Direktor für Health Economics and HIV/Aids Research Division an der Universität von Natal. Die gesamte Gesellschaftsstruktur werde sich aufgrund dieser Krankheit massiv verändern. Aber nicht nur diese Forschungseinrichtung sagt düstere Zeiten für die Wirtschaft in Südafrika voraus. Wirtschaftsexperten der Weltbank hatten zwar die Folgen der Immunschwächekrankheit mit einem verminderten Wirtschaftswachstum in Korrelation gebracht, zeichneten bisher aber ein etwas besseres Bild der Zukunft: Weniger Arbeitskräfte werden zu höheren Löhnen führen und Menschen in dichtbesiedelten Regionen werden dadurch mehr Zugang zu Ländereien und anderen Assets haben.

Die neueste Studie der Heidelberger Forscher warnt aber davor, dass die wirtschaftlich ertragreichsten Arbeitskräfte, das so genannte "menschliche Kapital", junge Erwachsene, "aussterben" könnten. "Die Jungen verfügen über Erfahrung, Ausbildung und die notwendige Erziehung. Sie sind das wirtschaftliche Potenzial des Landes", so Hans Gersbach, einer der Studienautoren. Das führe dazu, dass der Transfer von menschlichem Kapital nicht von einer auf die folgende Generation übertragen werden könne, erklärt der Experte. Eine logische Folge davon sei die Notwendigkeit, Kinder aus der Schule zu holen und sofort in den Arbeitsprozess einzugliedern.

"Erschwerend kommt noch dazu, dass sterbenskranke Eltern kein Kapital zur Erziehung aufwenden können", umreisst der Experte das Bild. HIV-positive Kinder haben wenig Anreiz zu einer weiterführenden Ausbildung. "Der Effekt auf die gesamte Wirtschaft ist mit einem Zerfall der gesamten nationalen Intelligenz gleichzusetzen", berichtet Gersbach. Im schlimmsten Falle könnte die gesamte Wirtschaft auf Kinderarbeit aufgebaut sein. Kinder von Eltern, die früher einmal Ingenieure waren, werden zu Subsistenz-Bauern. Damit sinkt auch die Chance auf ein höheres Verdienstpotenzial bei den Überlebenden. "Es gibt bereits heute in einigen Staaten südlich der Sahara solche Auswirkungen zu spüren", meint Gersbach. So funktionieren Telefonsysteme in diesen Staaten nicht mehr, weil eine ganze Generation von ausgebildeten Technikern an Aids gestorben ist.

"Aids ist damit nicht mehr ausschließlich eine private Gesundheitsgeschichte, sondern es trifft die Wirtschaft ins Mark", so Simon Wright, Campaigner der britischen Hilfsorganisation ActionAid. Aids müsse als Top-Priorität gehandhabt werden, nur so könne das Horrorszenario wirksam verhindert werden. Meistens scheitern die Vorhaben an ineffektiven Lokalregierungen und dem Versagen der internationalen Gemeinschaft. Uganda ist eines der wenigen Länder, in denen die Aufklärungskampagne zu einem langsamen Rückgang der Neuinfektionen geführt hat. Dennoch ist es eines der Länder, das am ärgsten von Aids betroffen ist.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de
http://www.actionaid.org

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