Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler finden heraus, welche Hirnregion die Basis für das Erlernen von Fremdsprachen bildet

26.06.2003


Weltweit versuchen Wissenschaftler zu ergründen, wie der Mensch Sprache lernt. Nun haben Forscher aus Hamburg, Jena und Mailand herausgefunden, welcher Teil des Gehirns die Basis für das Erlernen einer Fremdsprache darstellt.



Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe um Dr. Mariacristina Musso und Prof. Dr. Cornelius Weiller, Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), wurden jetzt in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" vom 22. Juni 2003 veröffentlicht.



Die Forschungen der Klinik für Neurologie des UKE beschäftigen sich generell mit der Frage, wie gesunde und geschädigte Gehirne lernen und sich an verschiedene Gegebenheiten anpassen. Dazu wird auch untersucht, welche Denk- und Steuerungsvorgänge sich in welcher Region des Gehirns abspielen.

Für die Studie hatten deutsche Muttersprachler einen kleinen Wortschatz und Grammatik-Regeln einer ihnen bis dahin völlig fremden Sprache lernen müssen: Acht Personen lernten Italienisch, acht Japanisch. Von den sechs Grammatik-Regeln, die es zu lernen galt, waren jedoch drei frei erfunden. So wurde zum Beispiel gelehrt, dass ein Verneinungswort immer als viertes Wort im Satz steht - selbst wenn es dadurch etwa zwischen den Artikel und das Nomen gerät: Italienisch: "Paolo mangia la no pera." (Deutsch: "Paul isst die nicht Birne.") Anschließend mussten die Studienteilnehmer beurteilen, ob eine Reihe von Sätzen den soeben gelernten Grammatik-Regeln entsprach. Währenddessen wurden die Gehirnaktivitäten der Probanden mit Hilfe der funktionellen Kernspinresonanztomographie untersucht. Die Japanisch-"Schüler" wurden im UKE untersucht, die Untersuchung der Italienisch-"Schüler" fand in Jena statt. (Dort hatte Dr. Musso vor ihrem Wechsel nach Hamburg gearbeitet.)

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass das Gehirn immer dieselbe Hirnregion, das so genannte Broca-Areal im linken Großhirn, verwendet, wenn es echte grammatikalische Regeln einer Fremdsprache erlernt - auch bei so grundverschiedenen Sprachen wie Italienisch und Japanisch. Das Broca-Areal wurde jedoch nicht benutzt, wenn die erfundenen Grammatik-Regeln gelernt wurden.

Das Broca-Areal spielt also eine entscheidende Rolle beim Erlernen einer neuen Fremdsprache. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit stützen außerdem die vor über 30 Jahren vom Linguisten Noam Chomsky aufgestellte These von einer angeborenen sprachenübergreifenden "Universellen Grammatik", die alle Menschen auf der Erde teilen.

Das Broca-Areal ist zwar auch bei anderen Primaten vorhanden, hat sich jedoch erst beim Menschen zu seiner jetzigen Form entwickelt und stellt damit einen wichtigen Schritt in der Evolution des Menschen dar.

Informationen bei:
Dr. Mariacristina Musso, Tel.: 040/42803-2815
Professor Dr. Cornelius Weiller, Tel.: 040/42803-3770

Dr. Marion Schafft | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/cgi-taf/DynaPage.taf?file=/neuro/journal/vaop/ncurrent/full/nn1077.html

Weitere Berichte zu: Broca-Areal Fremdsprache Grammatik-Regel UKE

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik