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Privatkunden sollen Banken wieder Gewinne bringen

19.05.2003


Die Krise der Banken dauert an. Doch die Ursachen haben sich verschoben. Die schwache Konjunktur belastet die Banken zunehmend. Sie treibt die Anzahl der Insolvenzen in die Höhe.

Die Folge: Nahezu jeder zweite Entscheider der Branche sieht im Kreditrisiko das größte Problem, vor einem Jahr war es noch jeder sechste. Zudem konnten die Banken ihre ungünstige Kostenstruktur nicht entscheidend verbessern. Mit 47 Prozent der Befragten gaben nur fünf Prozent weniger als im Vorjahr die Kosten als Hauptproblem an. Dies ist das Ergebnis des Branchenkompasses Kreditinstitute der Mummert Consulting AG und des F.A.Z.-Instituts.

Die Banken besinnen sich in der Krise zunehmend auf ihre traditionellen Kernkompetenzen zurück. Neun von zehn Banken wollen bis 2005 das Privatkundengeschäft ausbauen. Damit hängt das Privatkundengeschäft andere Geschäftsfelder bei Investitionen deutlich ab. Nicht einmal jede zweite Bank will beispielsweise in das Investmentbanking investieren. Die befragten Entscheider erwarten vom Privatkundengeschäft die höchsten Gewinne. Sie gehen von einem stark wachsenden Beratungsbedarf der Kunden bei der Zukunftsvorsorge aus. Die Folge: Individuelle Anlageberatung und Finanzplanung, aber auch Altersvorsorgeprodukte treiben die Gewinnerwartung im Privatkundengeschäft in die Höhe.

Im Wettbewerb um Privatkunden wird die Beratungskompetenz zum Trumpf. Jeder zweite Banker gibt eine individuelle Beratung der Kunden als wichtigste Dienstleistung der Banken an. Hier besteht allerdings Nachholbedarf. Kundenbetreuer nutzen im Branchenschnitt nur ein Fünftel ihrer Zeit für die Beratung ihrer Kunden. Aus Kundensicht bleibt die Bankfiliale wichtiger Bezugspunkt. Aber die Banken müssen aufgrund des Kostendrucks neue Wege gehen. Zwei Drittel planen unterschiedliche Filialtypen für bestimmte Kunden- und Produktgruppen. Das Internetbanking bleibt eine bedeutende Dienstleistung der Banken. 38 Prozent gehen hier von einer wachsenden Bedeutung für die Branche aus. Nahezu zwei Drittel der Kreditinstitute planen eine Personalisierung der Web-Angebote. Wichtigster Trend ist jedoch das so genannte Multichannelling: 86 Prozent engagieren sich in der gekoppelten Beratung im Internet und auf einem anderen Vertriebsweg.

Die gewünschte individuelle Anlageberatung erfordert die Bündelung verschiedener Finanzdienstleistungen. Aber nur 15 Prozent der Banken tätigen bis 2005 hohe Investitionen in den Allfinanzbereich. Stattdessen planen sie Kooperationen. Besonders hoch im Kurs stehen Fondsgesellschaften und Finanzdienstleister. 98 Prozent wollen mit ihnen zusammenarbeiten, 67 Prozent sogar stark. Ähnlich gefragt sind Versicherungen, mit denen 96 Prozent eine Kooperation suchen. Die Zusammenarbeit mit anderen Kreditinstituten streben immerhin noch 92 Prozent an.

Bankintern gilt Kostensenkung als das Gebot der Stunde. Jeder zweite Befragte gibt Maßnahmen zur Kostensenkung als ersten Schritt aus der Krise an. Wichtigstes Mittel ist die Industrialisierung von Geschäftsabläufen. Die Abwicklung von Transaktionen in großem Umfang senkt die Stückkosten. 72 Prozent der Institute sehen hierin ein bedeutendes Mittel zur Kostensenkung. Während Institute mit mehr als 500 Mitarbeitern zu 89 Prozent die Industrialisierung für bedeutend halten, sind es nur 61 Prozent der kleinen Banken. Der Grund: Hohe Stückzahlen sind hier notwendig, um die Kosten zu senken. Das größte Potenzial für Industrialisierungen haben die Abwicklung von Konsumentenkrediten und das Wertpapiergeschäft. Eine Erkenntnis der Bankenkrise: Die Banken müssen sich besser vor Kreditausfällen schützen. Jeder dritter Entscheider sieht im Risikomanagement eine wichtige Maßnahme zur Krisenbewältigung. Die Richtlinien der Kreditvergabe nach Basel II befürworten deshalb zwei Drittel der Befragten. Positiver als im Vorjahr bewerten die Banken die Überprüfung interner Ratingverfahren durch die Kreditaufsicht. Auch stimmen die Banken verstärkt der erweiterten Offenlegungspflicht zu. Basel II regelt zudem die Unterlegung von Krediten mit Eigenkapital. Dies zwingt die Kreditinstitute zu einer dickeren Eigenkapitaldecke - glauben 71 Prozent der Befragten. Im Vorjahr bewerteten dies 60 Prozent als sehr sinnvoll, heute sind es nur noch 37 Prozent. Der Grund: Die Regelung überfordert derzeit viele Banken.

Jörg Forthmann | Mummert Consulting AG
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

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