Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stiefkind Produktionsmodernisierung: Modernisierung der Produktion häufig ohne Strategie

13.05.2003


Während Unternehmen der Entwicklung neuer Produkte eine große Bedeutung beimessen, gilt dies für die Planung einer dazugehörigen Produktion nur bedingt.



Das zeigen jüngste Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe. Die Personalkapazitäten für die Planung der Produktions-modernisierung liegen in den über 1600 befragten Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes im Mittel bei nur 0,4 Prozent der Beschäftigten. Das ist nur ein Zehntel der Beschäftigten, die in der produktbezogenen Forschung und Entwicklung tätig sind. Die Chemische Industrie ist mit ca. 0,5 Prozent Spitzenreiter, der Maschinenbau bildet mit 0,3 Prozent das Schlusslicht.



Mit der Modernisierung der Produktion wird nach den Untersuchungen des Fraunhofer-ISI oft nur auf Zwänge reagiert, zum Beispiel wenn neue Produkte eine Prozessinnovation erfordern. Mangelnde Ressour-cen ermöglichen kaum eine strategische Planung. Selbst Unternehmen, die in den vergangenen zwei Jahren Produktneuheiten auf den Markt gebracht haben, investieren nicht messbar mehr in die Modernisierung ihrer Produktion. Der Personalaufwand für Prozessinnovationen steigt zudem nicht mit einem wachsenden Anteil der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung. Dies widerspricht der verbreiteten These, wonach es eine enge Verbindung zwischen Produkt- und Prozessinnovationen gibt.

Mehrheitlich übernimmt die Geschäfts-, Produktions- oder Betriebsleitung die Planungsarbeiten zur Modernisierung der Produktion. Doch ist sie oft durch das Tagesgeschäft überlastet. Die geringen Ressourcen für die Planung von Modernisierungsmaßnahmen in der Produktion lassen sich zumindest teilweise durch diese zeitlichen Engpässe erklären.

Der wichtigste Auslöser für die Modernisierung ist die Marktentwicklung der eigenen Produkte, also Schwankungen der Absatzzahlen sowie Veränderungen der Seriengröße und Variantenvielfalt. Einem Technologiewechsel wird dagegen eine geringere Bedeutung beigemessen. Größere Veränderungen für die Produktion erwarten die Planer in nächster Zeit zudem eher von neuen Material- und Werkstoffentwicklungen als von der Informationstechnik.

Die Bedeutung der Energie- und Rohstoffpreise sehen die ISI-Wissenschaftler differenziert. Von Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten wird dieses Thema an letzter Stelle genannt. Im Gegensatz dazu spielen für knapp 60 Prozent der kleinen Betriebe die Kosten für Energie- und Rohstoffe eine "sehr große" oder zumindest "große" Rolle.

Neue Trends bei Organisationskonzepten sind oftmals Themen auf Konferenzen. Sie haben als Informationsquelle aber eine sehr geringe Bedeutung. Die Betriebe informieren sich vorrangig auf Messen und Ausstellungen. Mittlere und große Unternehmen benennen zudem Lieferanten von Maschinen und Anlagen als wichtige Quelle. Große Unternehmen beziehen neu Erkenntnisse ferner von Konkurrenz- und Partnerfirmen sowie aus Kontakten zu Forschungsinstituten.

Bei den schriftlichen Informationsquellen setzen die Unternehmen überwiegend auf die traditionellen gedruckten Medien: auf Fachzeitschriften, Bücher und Forschungsberichte. Knapp 75 Prozent der Betriebe können gut über gedruckte Medien erreicht werden, während bei der elektronischen Verbreitung von Informationen über das Internet, Fachdatenbanken oder Newsletter nur jeder zweite Betrieb zu erreichen ist. Auffällig ist darüber hinaus die geringe Nutzerquote des Internets bei mittleren Betrieben. Diese geht mit einer höheren Nutzerquote bei Zeitschriften einher.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

Bernd Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fhg.de/pr/2003de/pri08/pri08.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie