Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Deutsche Kohortenstudie zur Frauengesundheit

08.05.2003


Wie sich Frauen fühlen, woran sie leiden, wie sie verhüten


Mit einer Teilnehmerinnenzahl von 20.000 und einer bisherigen Dauer von fast fünf Jahren stellt die erste Deutsche Kohortenstudie zur Frauengesundheit eine Vielzahl von Fakten über Gesundheit und Krankheit, Befindlichkeit und Lebensqualität von Frauen in Deutschland bereit. Erste Ergebnisse der seit 1998 unter Federführung des Zentrums für Epidemiologie und Gesundheitsforschung (ZEG) laufenden Studie, an der sich Frauen zwischen 18 und 65 Jahren auf freiwilliger Basis beteiligen, wurden am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Mit der Befragung, bei der sich die Teilnehmerinnen über einen längeren Zeitraum zu ihren Erkrankungen, ihren Beschwerden, Befindlichkeiten, ihren Medikationsgewohnheiten und anderen Parametern äußern, liegt in Deutschland erstmals eine große Studie zur Frauengesundheit vor, die Entwicklungen über einen längeren Zeitraum erfasst.

Prof. Dr. Lothar A. J. Heinemann zeigte sich besonders angetan von der Aufgeschlossenheit der Frauen, mit ihrer Teilnahme auf eine besondere Weise ihre Verantwortung für Gesundheit zu dokumentieren. Die Frauen waren zunächst von ihren zumeist Frauenärzten auf die Studie hingewiesen worden. Zunehmend machten sie inzwischen einander auf die Studie aufmerksam, berichtete Heinemann. "Wir sind besonders erfreut darüber, dass sich es bei den Teilnehmerinnen nicht um eine besondere Gruppe, sondern letztlich um einen durchaus mit anderen Frauen vergleichbaren Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung handelt. Das haben Vergleiche mit Zufallsstichproben ergeben." Einen besonderen Schwerpunkt in der ersten Studienphase stellten Daten zu Nutzen und Risiken der Anwendung moderner hormoneller Schwangerschaftsverhütungsmittel (OCs) dar. Dazu Prof. Heinemann vor der Presse in Berlin: "Wie sich gezeigt hat, wissen Frauen sehr wenig über die Vorteile der "Pille" über deren schwangerschaftsverhütende Funktion hinaus" Die Zahl durch OC-Nutzung vermiedener Gesundheitsstörungen und Krankheiten liegt, so Heinemann, rund 60mal höher als die unerwünschter Störungen und Erkrankungen. Innerhalb der Kohortenstudie wurden 1.716 Frauen vor allem unter dem Aspekt ihrer sexuellen Befindlichkeiten befragt. Dr. Beate Schultz-Zehden, Forschungsbereich Frauengesundheit am Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften von Humboldt- und Freier Universität Berlin, berichtete, dass sich einige Phänomene ergeben hätten, die durchaus im Gegensatz zur landläufigen Meinung stehen. So werde das psychische Wohlbefinden von Frauen mit zunehmendem Alter besser eingeschätzt als angenommen.


Schultz-Zehden, die vier verschiedene Frauentypen - von "Power-Frau", leistungsorientiert und offensiv, bis defensiv-traditioneller Frau - bestimmte, stellte weiter fest, dass es vor allem die "Power-Frauen" sind, die häufig hormonell verhüten. Für alle Frauengruppen gilt, dass die OC-Anwendung mit einem höheren körperliches und sexuellen Wohlbefinden einhergeht. Dazu Schultz-Zehden: "Interessanterweise sind es die Frauen, die sich noch stark am traditionellen Rollenmodell orientieren, die insgesamt über mehr körperliche und psychische Einschränkungen berichten." Besondere Aufmerksamkeit wurde innerhalb der Studie auf das Auftreten von bösartigen Erkrankungen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit einer Einnahme von OCs, gelegt. Dr. med. Michael Lewis, Direktor von EPES Epidemiology, Berlin, informierte u. a. darüber, dass die oralen Kontrazeptiva einen Schutz vor bösartigen Tumorerkrankungen der Gebärmutter und der Eierstöcke aber auch der Brust darstellen. "Die Studie macht deutlich, wie wichtig es ist, eine Risiko-Nutzen-Bilanz bei der Betrachtung von Arzneimittelanwendung anzustellen", betonte Lewis.

Die Deutsche Kohortenstudie zur Frauengesundheit soll mit wachsender Teilnehmerinnenzahl weitergeführt werden.

| ZEG
Weitere Informationen:
http://www.runder-tisch.net/kohortenstudie.php

Weitere Berichte zu: Befindlichkeit Frauengesundheit Kohortenstudie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics